2.121 (mu11p): Nr. 121 Der Reichsinnenminister an den Reichskanzler, 29. Mai 1920

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[298] Nr. 121
Der Reichsinnenminister an den Reichskanzler, 29. Mai 1920

R 43 I/401, Bl. 239

[Betrifft: Einstellung des amerikanischen Geschäftsträgers zur Vorbereitung der Konferenz von Spa durch die RReg.]

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

Der Amerikanische Geschäftsträger Dresel, der Beziehungen zu mir unterhält1, erklärte mir vor drei Tagen:

1

Der RIM hatte am 12. 5. in sein Tagebuch geschrieben: „Vorgestern zum Frühstück beim amerikanischen Geschäftsträger in spe. Freundschaftliche Gefühle. Aber, was Amerika will, wissen sie selber nicht. Amerika ist in eine Geschichte hineingeraten, in der es sich nicht benehmen kann, und zieht sich einfach zurück einen Trümmerhaufen hinter sich lassend“ (BA: Nachlaß Koch-Weser  27).

Er fürchte sehr, daß Deutschland in Spa in der Frage der Erfüllung des Friedensvertrages von vornherein einen zu schroffen Standpunkt einnehme. In Frankreich neigten immer größere Kreise zu einer Einigung mit Deutschland, namentlich seien Industrielle und Finanzleute von dieser Notwendigkeit überzeugt. Die französische Regierung müsse aber das Gesicht wahren. Wenn Deutschland von vornherein auf dem Kongreß erkläre, es könne den Vertrag nicht erfüllen und auch keine nennenswerte Entschädigung leisten, so würden die verständigen Kreise in Frankreich überrannt, und die übrigen Ententeländer würden nicht in der Lage sein, Frankreich vor schroffen Maßnahmen zurückzuhalten. Er denke sich, daß Deutschland seinen guten Willen betonen müsse, den Friedensvertrag, soweit es in seinen Kräften stehe, zu erfüllen. Er glaube, daß auf diese Weise am ehesten ein Abbruch der Verhandlungen vermieden werde und eine Einigung wenigstens angebahnt werden könne. – Weiterhin betonte er noch, wenn auch in weniger entschiedener Weise, daß es richtig sein werde, wenn Deutschland eine feste Entschädigungssumme anbieten könne.

Ich habe mich im wesentlichen rezeptiv verhalten, nur erklärt, daß ich nicht glaube, daß die deutsche Regierung daran denke, bei der Konferenz eine schroffe Haltung einzunehmen. Außerdem habe ich die Schwierigkeit, eine feste Summe zu nennen, die bei der heutigen trostlosen Lage Deutschlands gegenüber der Forderung der Entente nicht gerade zu minimal scheinen müsse, hervorgehoben, das aber als meine persönliche Ansicht bezeichnet.

Vermutlich gibt die Unterredung nichts Neues, ich habe aber geglaubt, sie nicht verschweigen zu sollen.

Abschrift dieses Schreibens hat der Herr Reichsminister des Auswärtigen Dr. Köster erhalten.

Koch

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