2.16 (mu11p): Nr. 16 Der gemeinsame linksrheinische Aktionsausschuß der Sozialdemokraten und Unabhängigen an die Reichsregierung. 6. April 1920

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 4). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Das Kabinett Müller IHermann Müller Bild 146-1979-122-28APlakat der SPD zur Reichstagswahl 1920Plak 002-020-002Wahlplakat der DNVP Plak 002-029-006Wahlplakat der DDP Plak 002-027-005

Extras:

 

Text

RTF

Nr. 16
Der gemeinsame linksrheinische Aktionsausschuß der Sozialdemokraten und Unabhängigen an die Reichsregierung. 6. April 1920

R 43 I/2716, Bl. 22 f. Telegramm

[Betrifft: Einmarsch der Reichswehr in das Ruhrgebiet.]

Der linksrheinische gemeinsame Aktionsausschuß der Sozialdemokratischen Partei1 und der Unabhängigen erwartet von der Reichsregierung die Verhinderung des weißen Terrors im Ruhrgebiet und darüber hinaus in ganz Deutschland. Die Regierung wird aufgefordert, alles zu tun, eine friedliche Lösung im Ruhrgebiet, die jetzt noch möglich ist, herbeizuführen und den zu unabsehbaren Folgen führenden Einmarsch der Reichswehr2, die nach unserer[37] Auffassung zum größten Teil aus arbeiter- und sogar regierungsfeindlichen Führern und Mannschaften zusammengesetzt ist, zu verhüten3. Die linksrheinische arbeitende Bevölkerung hat ein Interesse nur an einem republikanischen Staat als dem Vorläufer einer sozialistischen Republik, in welcher der Wille der arbeitenden Bevölkerung und nicht die brutale Willkür einer Junkerkaste als den Beauftragten des Kapitals den Ausschlag gibt. Sollte dieser in letzter Stunde dringend erhobene Wunsch des hierin völlig einigen Proletariats des besetzten linken Niederrheins nicht baldigst sichtbar in Erfüllung gehen, so erklären die Unterzeichneten im Auftrag der Sozialdemokratischen Partei und der Unabhängigen, daß sie dann an einem durch das reaktionäre Militär versklavten Deutschland kein Interesse mehr haben. Ankunftbestätigung der Depesche erbeten4.

1

Gleichfalls am 6. 4. sandte die Krefelder Bezirksleitung der SPD ein Telegramm an die RReg., in dem sie erklärte, am Telegramm des Aktionsausschusses nicht mitgearbeitet zu haben und die Verantwortung hierfür abzulehnen: „Aktionsausschüsse waren eingesetzt zu Einigungsverhandlungen von beiden Parteien nur für Krefeld, haben also Befugnisse weit überschritten.“ (R 43 I/2716, Bl. 24).

2

Seit dem 2./3. 4. hatte die Reichswehr ihren Vormarsch im Ruhrgebiet und der demilitarisierten Zone fortgesetzt. Zur derzeitigen militärischen Lage im Ruhrgebiet meldete Hauptmann v. Fumetti: „Am 5. 4. wurden Mülheim, Bottrop und Dortmund, am 6. 4. Gelsenkirchen und Schwerte von Reichswehr besetzt. In der Gegend von Oberhausen und Mengede kam es zu kurzen Feuergefechten. Im übrigen begegneten die milit. Maßnahmen im allgemeinen keinem nachhaltigen Widerstand. Teile der roten Truppen sind in der Gegend von Hagen-Hattingen-Barmen-Elberfeld-Schwelm zurückgegangen. Andere beträchtliche Teile der roten Truppen haben sich aufgelöst und unter Mitnahme der Waffen und Munition unter die Bevölkerung verteilt. Sie bilden eine ständige Gefahr im Rücken der Reichswehr. – Aus Essen werden neue Fälle von Plünderungen gemeldet. Auf Zeche ‚Graf Goltz‘ wurde von roten Truppen das Sprengmittel-Depot geplündert. Sabotage-Akte auf Zeche ‚Ewald‘ wurden versucht, aber verhindert“ (R 43 I/2728, Bl. 171).

3

Über das Verhalten der Reichswehr und Freikorps im Ruhrgebiet s. Severing mit der bezeichnenden Kapitelüberschrift: „Inter arma silent leges!“ in: 1919/1920 im Wetter- und Watterwinkel, S. 207 ff.

4

Eine von MinR Brecht entworfene Erwiderung, die jedoch nicht abgesandt wurde, da der RK eine Beantwortung des Telegramms ablehnte, lautete: „Die RReg. entnimmt aus dem dortigen Telegramm zu ihrem Bedauern, daß die Absender des Telegramms die Situation in kaum mehr verständlicher Weise verkennen. Die RReg. hat mit äußerster Geduld versucht, eine friedliche Lösung herbeizuführen und den Vormarsch der Reichswehr überflüssig zu machen. Richtig ist, daß in einem Teil des Ruhrgebiets die Verhältnisse sich befriedigend und ruhig entwickelt haben, so besonders in Gegend Elberfeld-Barmen, Hagen. Anders aber entwickelten sich die Verhältnisse in Gegend Wesel, Duisburg bis Recklinghausen. Hier steigerten sich noch nach dem Bielefelder Abkommen täglich die Notrufe, und zwar nicht nur von bürgerlicher Seite und christlichen Arbeitern, sondern zunehmend von sozialdemokratischen und unabhängigen Arbeitern. Dort herrschte trotz des Bielefelder Abkommens der rote Terror und das bandenmäßige Verbrechertum fort. Die ordentlichen Parteiorganisationen verloren die Führung ebenso aus der Hand wie die außerordentlichen Vollzugsräte und der Zentralrat. Da erst ist die Regierung eingeschritten. Die Reichswehr ist als Polizeiorgan in ihrem Auftrag vorgegangen. Alle nur denkbaren Vorsichtsmaßnahmen sind ergriffen, um irgendwelche Übergriffe zu verhindern. Sozialistische Kommissare begleiten überall das Militär. Gegend Elberfeld soll möglichst vom Einmarsch nicht betroffen werden. Organisierte Arbeiter, die bei diesem schweren Entschluß der Regierung in den Rücken fallen, tun der gemeinsamen Sache und den notwendigen großen Reformen keinen Dienst. [Mitteilung des Telegramms der SPD in Krefeld (Anm. 1)]“ (R 43 I/2716, Bl. 25).

Die Aktionsausschüsse der Soz.De. u. U.S. Partei des bes. linken Niederrheins.

Extras (Fußzeile):