2.21 (mu11p): Nr. 21 Unterstaatssekretär Albert an den Präsidenten der Nationalversammlung Fehrenbach. 7. April 1920

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RTF

[47] Nr. 21
Unterstaatssekretär Albert an den Präsidenten der Nationalversammlung Fehrenbach. 7. April 1920

R 43 I/1009, Bl. 3 Reichsdiensttelegramm1

1

Albert bat das Büro der Rkei um telefonische und telegraphische Benachrichtigung Fehrenbachs (6. 4. -!-; R 43 I/1009, Bl. 3).

[Betrifft: Einberufung der Nationalversammlung.]

Verschiedene Mitglieder der heute beim Herrn Reichskanzler zu einer Besprechung versammelten Fraktionsvertreter2 haben den Wunsch ausgesprochen, daß die Nationalversammlung mit Rücksicht auf die letzten außer- und innerpolitischen Vorgänge zu einem früheren Termin, etwa am Sonnabend, den 10. April, bereits zusammentritt. Euer Exzellenz bitte ich im Auftrage des Herrn Reichskanzlers um baldgefällige Mitteilung Ihrer Entschließung3.

2

Auf diese Besprechung beim RK bezieht sich möglicherweise die Aufzeichnung des RIM vom 7. 4.: „Es wird immer trostloser. Kapp hat uns die Reichswehr verwirrt gemacht, die Arbeiterschaft aller Richtungen in Mißtrauen zusammengeschweißt und der Entente die Gelegenheit gegeben, Verdacht zu hegen oder vorzuschützen. Wohin man tritt, bricht man durch. – Die Gewerkschaften, mit denen wir gerade verhandeln, verlangen das Einstellen des Vormarsches im Ruhrbezirk. Von dort kommen wiederum Rufe auf viel schärferes Vorgehen. Namentlich behauptet alles, die Truppen kämen ohne Standrecht nicht aus. Generalstreik droht hier, Abfall der Rheinlande und Entfremdung aller ordnungsliebenden Elemente dort. Der Gewerkschaftler Grassmann, der von dort kommt, behauptet, daß die Truppen entgegen dem Abkommen die Rückzugsstraßen unter Feuer gesetzt hätten. Dittmann behauptet, die völlig unaufgeklärten Truppen gingen gegen alle Arbeiter vor, auch die Mehrheitssozialisten flöhen in Scharen in das von den Engländern besetzte Gebiet. Giesberts weiß umgekehrt wieder von dem Terrorismus der Roten zu berichten. Was ist Wahrheit? – Müller bleibt glücklicherweise anscheinend fest. Es wäre auch einfach unerträglich, wenn die Gewerkschaften wieder in die Exekutive eingriffen. – Und was gibt es sonst noch alles? Gotha will Militär haben [s. Dok. Nr. 7], aber der Volksrat in Weimar ist dagegen.“ (BA: Nachlaß Koch-Weser  27). Von den Gewerkschaften, der SPD und der USPD wurden am 7. 4. gemeinsam u. a. folgende Forderungen erhoben: Rückzug der Reichswehr aus der neutralen Zone, kein Vormarsch der Reichswehr südlich der Ruhr, Reorganisation der Sicherheitswehren (Berliner Tageblatt Nr. 159).

3

Zu Fehrenbachs telefonischer Antwort wurden in der Rkei vermerkt: „Mit Rücksicht auf den auf Sonnabend [10. 4.] folgenden Sonntag, und da an den eingetretenen Vorgängen doch nichts mehr zu ändern sei, schlägt er Herrn UStS Albert vor, als Tag des Zusammentritts der NatVers. Montag, den 12. April, nachmittags zu bestimmen“ (R 43 I/1009, Bl. 5). Das Parlament trat am 12. 4. um 15.20 h zusammen (NatVers. Bd. 333, S. 5047  ff.).

gez. Unterstaatssekretär in der Reichskanzlei

Albert.

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