2.208.5 (mu21p): 5. Außerhalb der Tagesordnung: Reparationsfragen.

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Kabinett Müller II. Band 1 Hermann Müller Bild 102-11412„Blutmai“ 1929 Bild 102-07709Montage  von Gegnern des Young-Planes Bild 102-07184Zweite Reparationskonferenz in Den Haag Bild 102-08968

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5. Außerhalb der Tagesordnung: Reparationsfragen.

Der Reichsminister der Finanzen unterrichtete das Reichskabinett anhand der vorliegenden Berichte über den letzten Stand der Pariser Reparationsverhandlungen. Er meinte, daß man sich im Augenblick von der Situation noch kein vollständiges und klares Bild machen könne. Die alliierten Gläubigermächte hätten ein Memorandum überreicht, in dem sie eingangs erklärten, daß sie dem Youngschen Zahlungsplan grundsätzlich zustimmten. In der nachfolgenden Ausführung des Memorandums würden Deutschland jedoch Mehrleistungen zugemutet, die über den Youngschen Zahlungsplan erheblich hinausgingen6.[683] Die Mitglieder der deutschen Delegation führten zur Zeit Vorbesprechungen mit den Vertretern der Gläubigergruppen, um den Sachverhalt weiter zu klären. Eine Stellungnahme des Reichskabinetts zur Sache komme im Augenblick nicht in Frage, vielmehr müsse es der deutschen Delegation in Paris überlassen bleiben herauszufinden, ob und welche Kompromißmöglichkeiten bestünden.

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Das alliierte Memorandum vom 21. 5. war durch Owen Young der deutschen Delegation am 22. 5. zugeleitet worden. In ihm wurde neben dem Dienst der Dawes-Anleihe ein jährlicher Betrag von 25 Mio RM für die Einlösung der belgischen Markbestände gefordert. Vom vierten Zahlungsjahr an lagen die Annuitäten erheblich über den Zahlen, die Young genannt hatte, und ferner verlangten die Alliierten, daß der ungeschützte Teil der Annuitäten vom fünften Jahr an um jährlich 25 Mio M gesteigert werde bis auf 960 Mio im 29. Jahr. Die deutsche Ansicht, daß zur Deckung der letzten 25 Jahre die Forderungen der Repko an die Nachfolgestaaten heranzuziehen seien, wurde abgelehnt. Abgelehnt wurden das Aufbringungsmoratorium und der Ersatz der Eisenbahnobligationen durch eine Sondersteuer, wie sie von Schacht in einem geheimen Schreiben vom 14. 5. Young vorgeschlagen worden war (Anlage zu Ruppels Bericht Nr. K. 618 vom 22. 5.; R 43 I/292, Bl. 142 f.).

An den Bericht des Reichsministers der Finanzen schloß sich eine kurze Aussprache an.

Abschließend stellte der Reichskanzler fest, daß eine Beschlußfassung des Reichskabinetts zur Sache im Augenblick nicht in Frage komme. Er wies aber nochmals darauf hin, daß Geheimrat Kastl bei seiner letzten Anwesenheit in Berlin ausdrücklich zugesagt habe, daß die deutschen Sachverständigen dem Reichskabinett unter allen Umständen vor der letzten Entscheidung Gelegenheit zur Stellungnahme lassen würden.

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.

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