2.218.4 (mu21p): 4. Außerhalb der Tagesordnung: Ergänzung zum zweiten Beratungsgegenstand.

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Kabinett Müller II. Band 1 Hermann Müller Bild 102-11412„Blutmai“ 1929 Bild 102-07709Montage  von Gegnern des Young-Planes Bild 102-07184Zweite Reparationskonferenz in Den Haag Bild 102-08968

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[717]4. Außerhalb der Tagesordnung: Ergänzung zum zweiten Beratungsgegenstand.

Reichsminister Dr. Stresemann, der bei der Beratung der vorhergehenden Gegenstände nicht hatte anwesend sein können, bat, nachträglich einige Fragen, die voraussichtlich bei der bevorstehenden Madrider Tagung des Völkerbundsrats auftauchen würden, kurz zur Sprache bringen zu können. Zuverlässigen Nachrichten zufolge seien in Frankreich durchaus ernst zu nehmende Tendenzen erkennbar, den Bericht der Sachverständigen über die Reparationen nicht durch eine Regierungskonferenz zu ergänzen, vielmehr den Bericht nur durch einen diplomatischen Notenwechsel zu ratifizieren. Der Zweck eines derartigen Vorgehens sei offenbar der, eine vertiefte Erörterung über die Räumung des besetzten Gebiets und die Rückgabe des Saargebiets zu vermeiden.

Der Reichsminister des Auswärtigen bat um die Ermächtigung, derartigen Gedankengängen, falls sie in Madrid ausgesprochen werden sollten, namens der Reichsregierung nachdrücklichst zu widersprechen.

Der Reichskanzler erwiderte, daß das ganze Kabinett einmütig der Ansicht des Reichsaußenministers beipflichte. Es sei unerläßlich, daß im Anschluß an den Expertenbericht Regierungsverhandlungen eingeleitet würden, da z. B. schon die Besatzungsfrage derartige Verhandlungen unbedingt notwendig mache.

Der Reichsminister des Auswärtigen bemerkte weiter, daß es nach offenbar von der Gegenseite inspirierten Zeitungsnachrichten den Anschein gewinne, als ob die notwendig gewordene Besprechung über die belgische Markfrage in Brüssel oder Paris stattzufinden hätte9. Nach seiner Meinung müsse das Streben der deutschen Regierung dahin gehen, diese Frage mit den Belgiern in Berlin zu bereinigen.

9

Entsprechende Äußerungen des belgischen Botschafters Gaiffier hatte Botschafter v. Hoesch schon am 31. 5. gemeldet (Telegr. Nr. 432 vom 31. 5.; R 43 I/287, Bl. 178-180).

Das Kabinett pflichtete dieser Auffassung bei.

Der Reichskanzler schloß darauf die Sitzung mit den besten Wünschen an den Reichsaußenminister für seine bevorstehende Reise nach Madrid.

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