2.7.4 (mu21p): 4) Außerhalb der Tagesordnung: Bela Kun.

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4) Außerhalb der Tagesordnung: Bela Kun.

Staatssekretär Dr. v. Schubert teilte mit, daß die österreichische Regierung sich durch den Gesandten Frank an Deutschland gewandt habe, um die Erlaubnis zum Durchschub von Bela Kun durch deutsches Gebiet zu erlangen. Dieser werde am 26. Juli nach Abbüßung seiner Strafe14 über die Grenze abgeschoben werden müssen, da Österreich ihn nicht im Lande behalten zu können glaube. Trotz mancherlei entgegenstehender Bedenken schlage das Auswärtige Amt vor, daß mit den deutschen Ländern, die für den Durchschub in Frage kämen, wegen einer Genehmigung in Verbindung getreten werde.

14

Bela Kun war in Wien im April 1928 verhaftet und wegen Geheimbündelei und Übertretung des Ausweisungsbefehls von 1920 im Juni zu drei Monaten strengem Arrest verurteilt worden. Die Auslieferung an Ungarn hatte Justizminister Dinghofer abgelehnt, der daraufhin von seiner Partei (Großdt. Partei) zum Rücktritt veranlaßt wurde.

Die Route gehe entweder über Bayern–Preußen oder über Württemberg bzw. Baden–Hessen–Preußen. In einem preußischen Hafen würde dann die Ablieferung auf einen Sowjetdampfer erfolgen.

Von den übrigen Nachbarländern Österreichs komme vielleicht noch die Tschechoslowakei in Frage, die sich aber vorläufig ablehnend verhalten habe.

Der Reichspostminister und Staatssekretär Dr. Weismann schlugen vor, der österreichischen Regierung zu empfehlen, Bela Kun durch ein russisches Flugzeug abholen zu lassen.

Staatssekretär Dr. v. Schubert erklärte, daß dieser Weg sowohl der österreichischen Regierung wie dem Auswärtigen Amt wegen der Gefahr einer Notlandung doch bedenklich erscheine, auch sei für das Überfliegen der Länder gleichfalls die Verkehrsgenehmigung notwendig.

Das Reichskabinett beschloß, daß zunächst die Möglichkeit eines Abtransports durch Flugzeug weiter verfolgt werden solle. Für den Fall, daß dieser Weg nicht zum Ziele führe, erteilte das Reichskabinett dem Auswärtigen Amt die Genehmigung, wegen der Durchfuhrerlaubnis mit den in Frage kommenden deutschen Ländern zu verhandeln15.

15

Im Schreiben an den RK v. 1.8.28 teilte der StSRkei mit, daß Bela Kun nicht fliegen wollte und mit der Bahn nach Stettin, sodann auf einen russischen Dampfer gebracht worden sei. Die Presse habe nicht allzu viel erfahren (R 43 I/1966, Bl. 155-166, hier: Bl. 160).

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