2.91.1 (mu21p): Reparationsfragen.

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Reparationsfragen.

Der Besprechung wurden die Telegramme des Botschafters von Hoesch an das Auswärtige Amt vom 17. Dezember 1928 Nr. 1272 und Nr. 1273 zugrunde gelegt1.

1

Botschafter v. Hoesch hatte in diesen Telegrammen über seine Unterredung mit Poincaré berichtet, die er auf Weisung vom 13.12.28 am 17. 12. geführt hatte (R 43 I/476, Bl. 27-31). v. Hoesch hatte sich entschlossen, dem Ministerpräsidenten einen Entwurf für eine Vereinbarung über alle behandelten Punkte vorzulegen und einen Entwurf für einen Beschluß der sechs Mächte über das Mandat an die Sachverständigen. Poincaré hatte die Entwürfe v. Hoeschs akzeptiert und sie dem Ministerrat vorlegen wollen. Außerdem hatte Poincaré Wert darauf gelegt, daß der Text bald veröffentlicht werde (Telegr. Nr. 1273; auch in R 43 I/476, Bl. 27-31, hier: Bl. 29).

Es wurde beschlossen, dem von dem Botschafter von Hoesch aufgestellten und zunächst unverbindlich dem französischen Ministerpräsidenten überreichten Entwurf einer Vereinbarung und eines Beschlusses der sechs Mächte über das dem Ausschuß zu erteilende Mandat mit folgenden Änderungen zuzustimmen2:

2

Siehe die Vereinbarung unter Berücksichtigung der im folgenden angeführten Änderungen in Schultheß 1928, S. 444. Der Punkt 5 lautete im Vorschlag v. Hoesch für die Ernennung der amerikanischen Sachverständigen: „La participation des experts américains sera assurée comme suit: Sir Esme Howard, Ambassadeur de Grande-Bretagne à Washington, Doyen des Ambassadeurs y accrédités des six puissances intéressées, s’adressera au nom des collègues au Gouvernement des Etats-Unis pour lui demander s’il est prêt à consentir à ce que des experts américains participent aux travaux du Comité envisagé, et s’informera en même temps si, le cas échéant, le Gouvernement de Washington est disposé à proposer des personnalités americaines. Si le Gouvernement des Etats-Unis y consent, les personnalités proposées seront nommées conjointment par la Commission des réparations et la Commission allemande des charges de guerre réprésentant le Gouvernement allemand. En cas que le Gouvernements des puissances européennes interessées, la Commission des réparations et la Commission allemande des charges de guerre représentant le Gouvernement allemand, se mettront d’accord sur le choix des personnalités américaines à inviter et s’adresseron conjointment à elles pour leur demander si elles sont prêtes a se joindre au Comité prévu. En cas d’acceptation, les citoyens américains en question seront nommés conjointment par les deux organes précités“ (Telegr. Nr. 1272; R 43 I/476, Bl. 25 f.).

Auf Seite 3 soll die Einschaltung der deutschen Kriegslastenkommission unterbleiben und die deutsche Regierung an deren Stelle genehmigt werden. Dementsprechend fallen die Worte auf Zeile 7 und 8: „la commission … bis représentant“ fort3.

3

Die betreffenden Worte sind in Anmerkung 2 gesperrt.

Ferner soll für den Fall einer Wahl der amerikanischen Sachverständigen durch die sechs Signatarmächte von Genf das Einverständnis über die Wahl[320] ausschließlich zwischen den Mächten herbeigeholt werden. Die Reparationskommission soll erst bei der Ernennung eingeschaltet werden. Demgemäß ändern sich die beiden letzten Sätze des ersten Absatzes auf Seite 3 wie folgt: „En cas le Gouvernement des Etats-Unis préférait laisser le choix aux Gouvernements des six puissances intéressées, ces gouvernements se mettront d’accord sur le choix des personnalités américaines à inviter et s’adresseront conjointement a elles pour leur demander si elles sont prêtes a se joindre au Comité prévu. En cas d’acceptation, les citoyens américains en question seront nommés conjointment par la commission des réparations et le Gouvernement Allemand.“ Gegen den von dem französischen Ministerpräsidenten geäußerten Wunsch, den Wortlaut der Vereinbarung sowie den Text der uns abschriftlich übermittelten französischen Note an die Gläubigerstaaten und den Text unseres Gegenmemorandums zu veröffentlichen, wurden grundsätzliche Bedenken nicht geäußert.

Der Reichskanzler erklärte indessen, daß über den Zeitpunkt, für den die Veröffentlichung zugestanden werden solle, sowie darüber, ob etwa noch weitere Dokumente veröffentlicht werden sollen, endgültig erst dann Beschluß gefaßt werden soll, wenn das Einverständnis der Gläubiger-Regierungen zu den Vereinbarungen des Botschafters von Hoesch mit dem französischen Ministerpräsidenten vorliegt4.

4

Nach geringen Einwendungen konnte die Vereinbarung am 22.12.28 veröffentlicht werden; s. Schultheß 1928, S. 444. Ein Zusatzcommuniqué, das Poincaré veröffentlichen ließ: Frankreich könne nur einer Regelung auf Grund seiner in Chambery und Caen aufgestellten Thesen zustimmen, erregte auch in Frankreich Mißfallen (Telegr. Nr. K 39 der Kriegslastenkommission vom 24.12.28; R 43 I/476, Bl. 14 f.). Siehe zu dem ganzen Vorgang auch die Arbeit des Reichsarchivs über „die Entstehung des Young-Plans.“

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