2.200 (mu21p): Nr. 200 Der Reichskanzler an den Reichsbankpräsidenten. 10. Mai 1929

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RTF

Nr. 200
Der Reichskanzler an den Reichsbankpräsidenten. 10. Mai 19291

1

Das Schreiben wurde durch Kurier des AA nach Paris befördert. Durchschriften erhielten der RAM, der RWiM, der RFM und der RMbesGeb. „unter Bezugnahme auf die heutige Nachmittagsbesprechung“ (R 43 I/277, Bl. 251).

R 43 I/277, Bl. 251 Durchschrift2

2

Der Entwurf des RFMin., eine Überarbeitung durch den RK und das Reinkonzept dieses Schreibens befinden sich in R 43 I/287, Bl. 85-88. Der mit Bleistift korrigierte Entwurf des RFMin. hatte folgenden Wortlaut: „Mit verbindlichstem Dank bestätige ich den Empfang Ihrer beiden Briefe vom 4. und 6. d. M. Ich habe mit Freude davon Kenntnis genommen, daß die taktische Lage in Paris sich inzwischen zu unseren Gunsten gewandt und die Aussicht auf eine Einigung sich wieder eröffnet hat. Ich möchte mich auf das im Augenblick Wesentliche beschränken. Daher will ich auf die in der Vergangenheit liegenden Dinge nicht eingehen. Ich darf in diesem Augenblick nur feststellen, daß die Regierung von Anfang an den Sachverständigen volle Freiheit des Handelns gelassen und mit Ihnen festgestellt hat, daß erst der Gang der Verhandlungen es gestatten werde, Erreichbares von Unerreichbarem zu scheiden und in welchem Maße die Bedingungen für die Höhe der Lasten[?] von Bedeutung sind. Mit ihnen bin ich darin einig, daß im neuen Stadium der Verhandlungen ein Meinungsaustausch über jede Einzelheit nicht mehr stattfinden kann. Ich darf aus dieser Feststellung entnehmen, daß auch für den Schluß der Verhandlungen Ihre Zusage gilt,“ [weiterer Text wie in der Ausfertigung]. Der Entwurf des RK und das Reinkonzept entsprechen mit geringen stilistischen Abweichungen der Ausfertigung.

[Betrifft: Sachverständigenkonferenz.]

Mit verbindlichstem Dank bestätige ich den Empfang Ihrer beiden Briefe vom 4. und 6. d. M.3. Ich darf mir vorbehalten, auf Einzelheiten später zurückzukommen.[651] Mit Freude habe ich davon Kenntnis genommen, daß die taktische Lage in Paris sich inzwischen zu unseren Gunsten gewandt und die Aussicht auf eine Einigung sich wieder eröffnet hat4. Auf der Grundlage der letzten deutschen Vorschläge müßte eine Einigung eigentlich möglich sein5. Infolge der Differenzen unter den Allierten über die Verteilung der Quoten ist die Entscheidung in Paris nicht so schnell erfolgt, als Sie am 6. Mai noch annehmen durften6. Ich bin mit Ihnen darin einig, daß die Reichsregierung in den Endauseinandersetzungen, vor denen wir stehen, nicht die Möglichkeit haben wird, zu jeder Einzelheit Stellung zu nehmen, darf aber daraus zugleich die Sicherheit entnehmen, daß auch für den Abschluß der Verhandlungen Ihre Zusage gilt, nach der vor jeder wichtigen, insbesondere jeder endgültigen Entschließung der Sachverständigen die Reichsregierung Gelegenheit zu vorheriger Meinungsäußerung erhält.

3

Vgl. Dok. Nr. 195 und Dok. Nr. 198.

4

Diese Äußerung stützt sich wohl auf ein Telegramm des RegR Wingen aus Paris, in dem er mitgeteilt hatte, Kastl habe deutschen Pressevertretern erklärt, Fortschritte seien noch nicht „gemacht worden, aber die Lage müsse für uns als taktisch gut angesehen werden“ (Telegramm ohne Nummer vom 7. 5.; R 43 I/287, Bl. 78 f.).

5

Demgegenüber hatte Botschafter v. Hoesch zum deutschen Memorandum erklärt: „Selbstverständlich wird über die Ziffern [Youngs] wie über unsere Forderungen noch ein schwerer Kampf auszufechten sein, ein Kampf, dessen glücklicher Ausgang mir noch keineswegs gesichert erscheint“ (Telegramm Nr. 352 vom 7. 5.; R 43 I/287, Bl. 74-77).

6

Einen Tag nachdem Owen Young den Sachverständigen der Alliierten seine neue Zahlenreihe übergeben hatte (6. 5.), überreichte er einen Plan über die Aufteilung der von ihm vorgeschlagenen deutschen Annuitäten. Danach sollte (in Mio RM) erhalten: Frankreich 1074,3; Vereinigte Staaten 69,1; Großbritannien 387; Belgien 110,3; Italien 223,4; Serbien 64,4; Japan 15; Griechenland 9; Portugal 14,6; Rumänien 21,7; Polen 0 (Memorandum vom 7. 5.; Anlage zu Ruppels Schreiben Nr. K 557. R 43 I/292, Bl. 63-69). Ruppel hatte zu den Auseinandersetzungen der Alliierten gemeint, daß sie „nur mit größten Schwierigkeiten überbrückt werden können. Die Engländer sind der Meinung, daß die Sachverständigenkonferenz sich mit der Verteilung der Annuitäten überhaupt nicht zu befassen habe“ (R 43 I/292, Bl. 63-65, hier: Bl. 65).

Seien Sie versichert, daß die Wünsche des Gesamtkabinetts in diesen Tagen mit denen sind, die für die deutsche Sache drüben ihre Kräfte bis zum äußersten einsetzen.

Mit ausgezeichneter Hochachtung

ergebenst

Ihr

M[üller]

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