2.24 (mu21p): Nr. 24 Besprechung des Reichskanzlers mit dem rumänischen Gesandten Comnène und Professor Djuvara in Genf. 14. September 1928

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Nr. 24
Besprechung des Reichskanzlers mit dem rumänischen Gesandten Comnène und Professor Djuvara in Genf. 14. September 19281

1

Der Vermerk wurde vom RK verfaßt und mit Bleistift abgezeichnet.

R 43 I/502, Bl. 138 f.

[Deutsch-rumänische Beziehungen.]

Am 14. September nachmittags besuchte mich der erste rumänische Delegierte Commène zusammen mit Prof. Djuvara, um mir diesen vorzustellen. Comnène machte mich nochmals darauf aufmerksam, daß nur noch eine Spanne zwischen den deutschen und rumänischen Angeboten wäre und daß es wichtig sei, daß das deutsch-rumänische Abkommen vor dem ähnlichen deutsch-belgischen Abkommen abgeschlossen wäre2.

2

Vgl. dazu die Ausführungen Schachts am 19. 7., Dok. Nr. 11 sowie Dok. Nr. 14, P. 1. – In einem Gespräch zwischen dem RK und Comnène am 13. 9. hatte der rumänische Gesandte auf ein gutes Ergebnis der Berliner Verhandlungen gehofft. „Die Spanne zwischen beiden Standpunkten ist so gering, daß es möglich sein würde, sie zu überbrücken.“ (Aufzeichnung des RK vom 13.9.28; R 43 I/502, Bl. 140 f.). – Zur belgischen Markfrage siehe Anm. 11 zu Dok. Nr. 18.

Ich erwiderte ihm, daß, soweit Belgien in Betracht kommt, die Summen so groß seien, daß die Möglichkeiten eines Abschlusses überhaupt nicht gegeben seien.

Er bat mich, auf den Reichsfinanzminister und Ministerialdirektor Ritter einzuwirken, daß ein Akkord zustande käme3.

3

Die Rumänen erhöhten im September ihre Anleiheforderung auf 85 Mio RM (Vermerk in der Rkei vom 29. 9., R 43 I/129, Bl. 109). Nach längerer Debatte wurde in einer Chefbesprechung am 2. 10. unter Berücksichtigung der sonst zu zahlenden Weltkriegsforderungen Rumäniens ein deutsches Gegenangebot von 75 Mio RM beschlossen, von denen die Rbk 20 Mio RM übernehmen wollte (a.a.O.). Ein entsprechendes Abkommen über 75,5 Mio RM wurde am 6. 12. unterzeichnet. Nachverhandlungen, die im Dezember geführt wurden, hatten nach einem Vermerk aus der Rkei vom 7. 12. den Zweck, die neue rumänische Regierung am Verhandlungserfolg zu beteiligen. Die Summe des ersten Ratenbetrages von 30,5 Mio RM wurde dieser Delegation in bar mitgegeben (R 43 I/129, Bl. 123 f.). Zur Begründung des Abkommens siehe die Denkschrift in RT-Drucks. Nr. 767 , Bd. Nr. 434.

Ich erwiderte ihm, daß ich bis zur Stunde einen detaillierten Bericht nicht empfangen hätte.

Comnène kam dann auf den rumänisch-ungarischen Optantenstreit zurück4.[107] Er behauptete, daß man es in Rumänien nicht verstehen würde, warum eine demokratische und sozial gesinnte Regierung keine Unterstützung erhielte. Ich erwiderte ihm, daß ich noch keine Gelegenheit gehabt hätte infolge vielseitiger anderweitiger Beschäftigung seit unserer Unterredung, die Details mit Herrn von Schubert zu besprechen. Ich würde das so schnell, als es möglich wäre, nachholen. Im übrigen handelte es sich hier um Rechtsfragen, die nicht aus politischen Gesichtspunkten heraus betrachtet werden dürften. Comnène habe mir ja gestern erklärt, daß Schücking, Strupp und Niemeyer5 die rumänische Auffassung guthießen.

4

Der Optantenstreit war über die Voraussetzungen entbrannt, unter denen die rumänische Agrarreform auch auf den Besitz der Ungarn in dem an Rumänien abgetretenen Gebiet angewandt werden sollte. Wegen dieses Streits hatte Rumänien seine Richter aus der rumänisch-ungarischen Schiedskommission zurückgezogen.

5

In der Niederschrift vom 13. 9. war Niemeyer nicht erwähnt worden.

Comnène erwiderte darauf, daß er im Namen der rumänischen Regierung erkläre, daß Rumänien bereit sei, der deutschen Regierung gute Dienste zu leisten, wenn das gegenüber anderen Mächten notwendig sein solle6. Rumänien sei das einzige Land, das keinerlei politische Differenzen mit Deutschland hätte.

6

In der Unterredung am Vortage hatte Comnène dagegen erklärt: „Rumänien rechne darauf, daß Deutschland helfen würde, seine Wirtschaft zu entwickeln, ebenso hoffe er, daß Deutschland ein guter Mittler sein werde in der Entwicklung der russisch-rumänischen Beziehungen“ (R 43 I/502, Bl. 140 f.).

Ich erwiderte ihm, daß ich im Bedarfsfalle an diese freundlichen Worte gerne denken würde.

M[üller]

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