1.38.1 (mu22p): 1. Saarverhandlungen.

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1. Saarverhandlungen.

Der Reichsminister der Finanzen trug das Ergebnis der Aussprache vor, die in der Chefbesprechung am 17. September 4 Uhr nachmittags stattgefunden hat1.

1

Siehe Dok. Nr. 293.

Staatssekretär a. D. von Simson erklärte sodann, er übernehme die Leitung der Deutschen Delegation mit erheblichen Bedenken. Die Verhandlungen würden schwierig sein und wohl nur langsam fortschreiten. Wenn die deutsche Seite über Gebühr auf Beschleunigung hindränge, so würden die französischen Wünsche gesteigert werden. Der Delegation sei in der Taktik ihres Vorgehens eine gewisse Handlungsfreiheit zu lassen.

Der Reichsminister für die besetzten Gebiete teilte diese Auffassung. Er hielt es für geboten, die Entschließung des Zentrums über die Bindung der Zustimmung zum Young-Plan an die Regelung der Saarfrage positiv auszuwerten. Die Resolution sei sehr ernst gemeint2. Der Reichsminister des Auswärtigen habe keine Bedenken gegen sie geltend gemacht. Es werde erforderlich sein, daß bis zur Abstimmung im Reichstag über den Young-Plan die Grundzüge eines Saarabkommens erkennbar werden.

2

Siehe Anm. 6 zu Dok. Nr. 293.

Der Reichsminister der Finanzen warnte vor großen Auseinandersetzungen über die Saarfrage in der Presse. Sie würden die Franzosen veranlassen, ihre Forderungen zu erhöhen3. Die finanziellen und handelspolitischen Verhandlungen würden schwierig werden. Die französische Landwirtschaft würde fordern, daß sie das Saargebiet weiter beliefern könne. Das Interesse der deutschen Landwirtschaft stehe dem schroff entgegen.

3

Der Ton der dt. Presse schade dem Verhandlungsklima, erkärte der Direktor der Europaabteilung im frz. Außenministerium, Laboulaye, dem dt. Geschäftsträger Rieth (Telegramm Nr. 881 v. 17. 9.; R 43 I/247, Bl. 74-77, hier: Bl. 74-77). In ähnlichem Sinn und mit besonderem Bezug auf die Zentrumspresse äußerte sich der „directeur politique“ Corbin am 28. 9. (Telegramm Rieths Nr. 930; R 43 I/247, Bl. 44-50, hier: Bl. 44-50).

[943] Die Annahme des Young-Planes könne nicht vom Ergebnis der Saarverhandlungen unbedingt abhängig gemacht werden, da Deutschland an der Annahme des Young-Planes ein lebhaftes Interesse habe.

Der Vorsitzende wünschte den Arbeiten der deutschen Delegation besten Erfolg. Er hielt es für zweckmäßig, daß die Delegation ihre Berichte an die Reichskanzlei sende, die sie an die zuständigen Stellen weiterleiten werde. Dies sei bisher bei außenpolitischen Verhandlungen zur allgemeinen Zufriedenheit geschehen. Die zuständigen Reichsressorts müßten fortlaufend unterrichtet werden. Da sie in der Delegation vertreten seien, seien keine technischen Schwierigkeiten zu erwarten4.

4

In der Delegation waren die Reparationsressorts, Vertreter Bayerns und Preußens sowie für die Gewerkschaften das RArbMin. vertreten (Material hierzu in R 43 I/247 und 248).

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