2.23.5 (sch1p): [Litauen]

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[Litauen]

Geheimrat Nadolny berichtete über Meinungsverschiedenheiten mit der Obersten Heeresleitung, ob deutsche Truppen zu Gunsten der Litauer Wilna besetzen und damit die Besetzung durch die Polen verhindern sollten. Das Auswärtige Amt empfehle dieses Vorgehen, um die Polen von Wilna und der Umklammerung Ostpreußens fernzuhalten.

Der Ministerpräsident, die Reichsminister Schiffer, Gothein, David und Kriegsminister Reinhardt sprachen sich gegen dieses Unternehmen aus, während Reichsminister Erzberger es befürwortete.

Der Reichspräsident stellte fest, daß die Mehrheit gegen den Vorschlag und er daher abgelehnt sei18.

18

In den Akten der Rkei findet sich unmittelbar zu dieser Frage kein Material, jedoch übersandte der Generalbevollmächtigte in Litauen, Zimmerle, am 31.3.1919 der RReg. eine Denkschrift „Antrag der litauischen Reg. betr. Unterstützung des litauischen Vormarsches auf Wilna durch zwei dt. Bataillone und zwei Batterien“. Darin hieß es u. a.: „Die Mehrheit des RMin. hat die Beteiligung dt. Truppen am Vormarsch auf Wilna aus militärischen Gründen abgelehnt. Ausschlaggebend war der Standpunkt der OHL, daß die Frontlinie nicht so weit nach Osten vorgeschoben werden dürfe, und daß Wilna zu dauernder Besetzung zu viel Truppen in Anspruch nehme. Der vom AA gegebenen Anregung, durch inoffizielle Besprechung mit den dortigen militärischen Behörden die litauische Aktion indirekt zu unterstützen, wurde Folge gegeben in einer Besprechung der dt. und litauischen Militärbehörden in Anwesenheit beiderseitiger Regierungsvertreter. Es wurden seitens der dt. Kommandobehörde eine Reihe von Maßnahmen zur mittelbaren Unterstützung der Operation in Aussicht gestellt. Das O[ber]K[ommando] Nord hat aber auch jene mittelbare Unterstützung auf Anfrage des Generalkommandos [der dt. Truppen] in Kowno abgelehnt […].“ Die litauische Reg. habe daraufhin erklärt, Wilna könne zwar von litauischen Truppen besetzt gehalten werden, doch sei dt. Unterstützung für den Vormarsch erforderlich. Sie bäte daher „a) für die Zeit des Vormarsches auf Wilna bis zur Besetzung der Stadt der litauischen Reg. zwei Bataillone und zwei Batterien zur Verfügung zu stellen, die dann wieder zurückzuziehen sind; b) alle Maßnahmen, die eine mittelbare Unterstützung der Operation bedeuten, anordnen zu lassen; c) Brotgetreide für die Ernährung der Stadt Wilna unter dt. Kontrolle für die ersten Monate zur Verfügung zu stellen.“ Eine Marginalie von der Hand Brechts zu der Denkschrift vom 4.4.1919 lautet: „Der nachstehende Antrag wurde von dem Landespräs. Wolff überreicht. Nach Rücksprache des Herrn UStS mit einigen der Herren Minister habe ich Herrn Wolff mitgeteilt, daß es bei dem Kabinettsbeschluß bewenden solle. Allenfalls lasse sich Punkt 3 erwägen, wenn dies gewünscht werde.“ (R 43 I/130, S. 53-56).

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