2.35.2 (sch1p): 2. [Russische Kriegsgefangene]

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2. [Russische Kriegsgefangene]

Reichsminister Noske teilt mit, es sei angeregt worden, aus den russischen Gefangenen, die sich noch in Deutschland aufhielten, durch freiwillige Werbung Truppen gegen die Bolschewisten zu bilden. Militärische Stellen sollen in dieser Richtung schon Verhandlungen geführt haben. Er halte eine solche Verwendung für bedenklich.

Reichsminister Erzberger stimmte dem zu. Nach dem Waffenstillstandsabkommen dürfe Deutschland die russischen Kriegsgefangenen nicht ausrüsten2. Im gleichen Sinne äußerten sich Reichsminister David sowie für das Auswärtige Amt Gesandter Nadolny.

2

Laut Art. IV des 2. Abkommens über die Verlängerung des Waffenstillstandes vom 16.1.1919 war für die in dt. Kriegsgefangenschaft befindlichen Russen eine all. Kommission eingesetzt worden, die allein für die die russ. Kriegsgefangenen betreffenden Fragen zuständig war; die Frage des Heimtransports der Russen war allein von den all. Regg. zu entscheiden (Waffenstillstand, I, S. 184).

[126] Es wurde beschlossen: Das Kriegsministerium und die Oberste Heeresleitung sollen um Auskunft ersucht werden über ihre Verbindungen mit antibolschewistischen russischen Persönlichkeiten, insbesondere hinsichtlich der Frage der Anwerbung von russischen Gefangenen gegen die Bolschewiki3.

3

Auf eine entsprechende Anfrage der RReg. beim pr. KriegsMin. und der OHL vom 4.4.1919 (R 43 I/130, S. 51) antwortete der pr. KriegsM Oberst Reinhardt unter dem 1.5.1919, von seiner Seite aus seien bisher keine Beziehungen zu antibolschewistischen Kreisen in Rußland unterhalten worden; allerdings habe der russ. Gen. Potocki sich an ihn gewandt „und vorgeschlagen, eine gewisse Zahl von Offizieren und Mannschaften aus den russischen Kriegsgefangenenlagern, die antibolschewistisch gesinnt seien, zum Kampf gegen den Bolschewismus zu verwenden.“ Eine Entscheidung über diesen Vorschlag sei noch nicht gefallen, soweit das pr. KriegsMin. zuständig sei (R 43 I/130, S. 105 f.). Die OHL unterrichtete am 9.5.1919<in der Druckfassung 5.9.1919, Anm. Online- Edition> den RMinPräs. davon, daß Beziehungen zwischen ihr und antibolschewistischen Kreisen in Rußland nicht bestünden, und daß „eine Verwendung russischer Kriegsgefangener zu dem fraglichen Zweck nicht stattfinden kann und soll.“ (R 43 I/130, S. 169).

Tatsächlich hatte sich bereits im Februar 1919 im russ. Interniertenlager Salzwedel eine berittene „Partisanen-MG-Abteilung“ unter der Führung des Oberst Awaloff-Bermond gebildet, die, sowohl von dt. wie von all. Seite unterstützt, für den Einsatz gegen bolschewistische Verbände im Baltikum bestimmt war (Awaloff, General Fürst: Im Kampf gegen den Bolschewismus, Glückstadt/Hamburg 1925, S. 51 f.). Nach den Angaben Awaloffs hatte RWeM Noske ihn von dem Ergebnis der Kabinettssitzung unterrichtet und ihn gleichzeitig seiner weiteren Unterstützung versichert (Awaloff, im Kampf, a.a.O., S. 128). Die Organisation der antibolschewistischen russ. Westarmee in den dt. Internierungslagern nahm ihren Fortgang, unterstützt von dem der OHL unmittelbar unterstellten Oberkommando Nord in Bartenstein, und am 30.5.1919 wurde die erste russ. Einheit aus Dtl. an die lettische Front transportiert (Schmidt-Pauli, Edgar v.: Geschichte der Freikorps, Stuttgart 1936, S. 134).

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