2.43.8 (sch1p): 8. [Entlassungsgesuch Schiffers]

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8. [Entlassungsgesuch Schiffers]

Der Ministerpräsident gab bekannt, daß Reichsminister Schiffer sein Entlassungsgesuch eingereicht habe12.

12

RFM Schiffer hatte bereits am 28.3.1919 sein Abschiedsgesuch eingereicht; Scheidemann gab es am 31.3.1919 an den RPräs. weiter. In einem Begleitschreiben erklärte Scheidemann dazu: „[…] Ich habe das Abschiedsgesuch bisher zurückgehalten, weil ich hoffte, Herrn Schiffer umstimmen zu können. Dies ist mir zu meinem Bedauern nicht gelungen. Es bleibt mir daher nichts übrig, als das Gesuch weiterzugeben. Ich darf jedoch auch den RPräs. bitten, seinerseits noch einmal mit Herrn Schiffer vor endgültiger Bewilligung des Gesuches Rücksprache zu nehmen.“ (R 43 I/933, Bl. 4). In der Öffentlichkeit wurde das Rücktrittgesuch Schiffers am 12.4.1919 bekannt (DAZ, Nr. 177, 12.4.1919). Vor der Presse erklärte er am selben Tag, er trete lediglich aus persönlichen Gründen zurück; die in der Öffentlichkeit geäußerten Vermutungen, sein Rücktritt sei durch die Erkenntnis der hoffnungslosen finanziellen Zukunft des Reiches motiviert, weise er zurück. Den Anstoß habe allerdings die Frage der Schaffung und Besetzung neuer Etatsstellen gegeben, die im RKab. gegen seinen Willen beschlossen worden seien (DAZ. Nr. 179, 13.4.1919). Dagegen notierte Schiffers Fraktionskollege Erich Koch(-Weser), Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der DDP, in seinem Tagebuch unter dem 11.4.1919: „Die angegebenen Gründe sind unerheblich […]. In Wirklichkeit sieht er wohl die Trostlosigkeit der Sachlage ein, die auf ein allmähliches Weggleiten nach links oder einen Bruch hinauskommt. Aber daß er für seine Person den Bruch vorweg nimmt, nehme ich ihm übel. Soll sein Nachfolger behaupten, daß er geschockter oder daß er dickfelliger sei als Schiffer? Und viele werden auch glauben, er verzweifle an seiner Finanzreform. Ich habe ihm das in der Vorstandssitzung auch gesagt.“ (Nachl. Koch-Weser , Nr. 16).

Das Kabinett bat in längerer Aussprache einstimmig den Minister Schiffer, das Gesuch zurückzunehmen. Insbesondere wurde allseitig der Standpunkt vertreten, Minister Schiffer möchte es nicht als Grund für seinen Austritt ansehen, daß die Stelle eines Ministerialdirektors im Reichsarbeitsamt für die Kriegsbeschädigtenfürsorge gegen seinen Widerspruch beschlossen worden sei13. Der Minister wies auf die grundsätzliche Bedeutung dieser Entscheidung von seinem Standpunkt aus hin und erklärte, daß er zu seinem Bedauern nicht von seinem nach reiflicher Überlegung gefaßten Entschlusse abgehen könne.

13

Siehe Dok. Nr. 25, P. 1.

Reichsminister Gothein wurde gebeten, auch den Einfluß der Demokratischen Fraktion für das Verbleiben des Ministers geltend zu machen. Damit wurde die Erörterung abgebrochen.

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