2.43.9 (sch1p): 9. [Festnahme Landsbergs]

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9. [Festnahme Landsbergs]

Reichsminister Landsberg teilte mit, daß in Helmstedt zwei Personen, die an seiner Befreiung teilgenommen haben, von den Spartakisten verhaftet worden seien; der eine von ihnen sei vorher mißhandelt worden. Man müsse von Braunschweig Genugtuung verlangen14.

14

Siehe Dok. Nr. 37, P. 5.

Reichsminister Gothein wies auf die Mißstände bei der Verwertung des[157] Heeresgutes in Braunschweig hin15; Reichsminister David auf die Sperrung des Zugverkehrs16.

15

Siehe Dok. Nr. 26, P. 4.

16

Einer Aufzeichnung des UStSRkei vom 22.4.1919 zufolge war vom 9.4.1919 an auf Anweisung des Braunschweiger A.u.S.-Rats der gesamte Eisenbahnbetrieb, der durch Braunschweig lief, stillgelegt worden: „Die wichtigen Durchgangsstrecken […] waren der Beförderung von Lebensmitteln, Kohlen und den für die Frühjahrsbestellung so wichtigen Kalisendungen entzogen. Einschneidende Verkehrsumlegungen wurden notwendig, und diese zwangen zur Aufwendung erhöhter Lokomotivleistungen zu einer Zeit des stärksten Lokomotiv- und Kohlenmangels. Die Lebensmittel- und Kohlenversorgung weiter Teile Deutschlands wurde aufs empfindlichste gestört […]. Wenn nicht eine außerordentliche Betriebseinschränkung eintreten sollte, die verheerend auf das gesamte Wirtschaftsleben des mittleren Deutschland wirken konnte, war schnellste Wiederinbetriebnahme der gesperrten Bahnhöfe unbedingt erforderlich […].“ (R 43 I/2265, Bl. 99-117, hier: Bl. 109-111). Detailliertes Material über die Behinderung des Eisenbahnverkehrs durch den Braunschweiger A.u.S.-Rat: ebd.

Es wurde allgemein der Standpunkt vertreten, daß die Reichsregierung die Zustände in Braunschweig17 nicht länger dulden könne, sondern nunmehr sofort Truppen einmarschieren lassen müsse. Dies wurde beschlossen18.

17

Die Zustände in Braunschweig sahen laut Brieftelegramm des GenKdo X. AK an das PrKriegsMin. vom 9.4.1919 so aus: „Nach Zeitungsnachrichten ist seit heute morgen 9 Uhr in Braunschweig Generalstreik ausgebrochen. Bei Massenversammlung bezeichnete der ehemalige Präsident Merges als einzige Rettung Deutschlands die Verbindung Deutschlands mit der russischen Sowjetregierung. Merges forderte die Ausrufung der Räterepublik Braunschweig, sofortige Vereinigung mit den Räterepubliken Rußland, Ungarn und Bayern. Restlose Beseitigung des Militarismus, Beseitigung der Nationalversammlung und aller Landtage, Freilassung aller politischen Gefangenen, Entfernung der Mehrheitssozialisten aus der braunschweigischen Regierung. Landesarbeiterrat soll beabsichtigen, sich als die einzige souveräne Macht in Braunschweig auszurufen. Aller Bahnverkehr um die Stadt Braunschweig wird von Bahnhofsbesatzung gehindert.“ (R 43 I/2265, Bl. 17). Ein ungezeichnetes Wortprotokoll der zitierten Rede Merges’ in: ebd.

18

Dazu schreibt GenMaj. Maercker, Kommandeur des Freiwilligen Landesjägerkorps, in seinen Memoiren: „Am 12. 4. bekam ich in Berlin vom Reichswehrminister Noske den Befehl, in Braunschweig einzurücken. Noske klärte mich kurz über die Verhältnisse in Braunschweig auf. Meine Hauptaufgaben seien, Ordnung in die militärischen Verhältnisse zu bringen, die jetzige unmögliche Regierung abzusetzen und durch eine Regierung zu ersetzen, die der Zusammensetzung der Landesversammlung entspreche, den ungesetzlich gewählten Landesarbeiterrat aufzulösen und einige Personen in Schutzhaft zu nehmen, die er mir nannte […].“ (Maercker, Georg: Vom Kaiserheer zur Reichswehr, Geschichte des freiwilligen Landesjägerkorps, Leipzig, 2. Aufl. 1921, S. 199). Am 13.4.1919 wurde über das Gebiet des Freistaats Braunschweig der Belagerungszustand verhängt (RGBl. 1919, S. 391 ).

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