2.87.3 (sch1p): 3. [Dokumente über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes]

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Das Kabinett ScheidemannReichsministerpraesident  Philipp Scheidemann Bild 146-1970-051-17Erste Kabinettssitzung der neuen deutschen Reichsregierung am 13.2.1919 in Weimar Bild 183-R08282Versailles: die deutschen Friedensunterhändler Bild 183-R11112Die Sozialisierung marschiert! Plak 002-005-026

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3. [Dokumente über die Vorgeschichte des Waffenstillstandes]

Von verschiedenen Seiten wird auf die aus Anlaß der Friedensbedingungen auflebenden Angriffe der rechtsstehenden Presse gegen die Umsturzbewegung als Ursache des Zusammenbruchs hingewiesen. Es wird empfohlen, diesen Angriffen durch sofortige Veröffentlichung der Dokumente vom Oktober bis November 1918 entgegenzutreten5. Reichsminister Erzberger bemerkt hierzu: Er habe als politischer Führer der Waffenstillstandskommission am 5. November 1918 vormittags in einer Sitzung unter der Leitung des Prinzen Max von Baden, an der auch General Groener und der Kriegsminister teilnahmen, die Instruktion erhalten, mit Rücksicht auf die allgemeine Lage den Waffenstillstand unter allen Umständen anzunehmen6. Diese Instruktion sei mit[361] Zustimmung der militärischen Vertreter ergangen. Damals sei es im Innern im allgemeinen noch ruhig gewesen, nur die Ereignisse in Kiel hätten vorgelegen. Übrigens habe er diese Instruktion vor dem Eintreffen der Lansing’schen Note vom 5. November erhalten. Kriegsminister Reinhardt erklärt, daß ihm diese Mitteilung völlig unverständlich sei, und bittet um genauere Aufklärung über diese Sitzung.

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Wegen der Angriffe, die bereits seit Monaten von seiten ehemaliger Mitarbeiter Ludendorffs und anderer nationalistischer Kreise gegen Mitglieder der RReg. wegen der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens geführt worden waren, hatte die RReg. den Entschluß gefaßt, eine Aktenpublikation zur Vorgeschichte des Waffenstillstandes herauszugeben (DAZ, 23.2.1919, Abendausgabe). Am 12.3.1919 schrieb der ehemalige RK Max von Baden an RMinPräs. Scheidemann, er nehme die Angriffe von rechtsstehender Seite sehr ernst, die versuchten, die Verantwortung für die Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens der politischen Leitung des Reichs anzulasten; doch bäte er, von der geplanten Dokumentenpublikation abzusehen, da der Feind sie durch herausgerissene Zitate für seine Propagandazwecke benutzen könne (R 43 I/803, Bl. 9-10). Scheidemann erwiderte darauf am 18.3.1919, er sehe das Problem einer solchen Edition ebenfalls; jedoch: „Die Reinigung der öffentlichen Meinung, welche durch eine Veröffentlichung, wie wir sie beabsichtigen, herbeigeführt werden kann, wird von mir so hoch veranschlagt, daß sie mir alle Nachteile außenpolitischer Natur aufzuwiegen erscheint.“ (R 43 I/803, Bl. 13).

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Hier scheint eine zeitliche Verwechslung vorzuliegen. Während der Kabinettssitzung am 5.11.1919 wurde weder der Zeitpunkt der Unterzeichnung des Waffenstillstandes noch die Zusammensetzung der Wako diskutiert (Matthias, Erich und Morsey, Rudolf: Die Regierung des Prinzen Max von Baden = Quellen zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, 1. Reihe, Bd. 2, Düsseldorf 1962, Dok. Nr. 129, S. 526 ff. ). Die Entscheidung fiel vielmehr während der Sitzung des Kriegskabinetts am 6.11.1918, vorm. (ebd., Dok. Nr. 131 a–c, S. 547 ff. ). Ob während dieser Sitzung Erzberger tatsächlich die Instruktion erhalten hat, „den Waffenstillstand unter allen Umständen anzunehmen“, ist aus den vorhandenen Niederschriften Haußmanns und Erzbergers nicht ersichtlich; in einem gewissen Widerspruch zu der Behauptung steht die Niederschrift Erzbergers über die „Sitzung des Kriegskabinetts Mittwoch, den 6. November 1918“, nach der der RK erklärt habe, „Freitag früh müsse unter allen Umständen mit Foch verhandelt werden. Es sei bei den Verhandlungen die Gegenfrage zu stellen, ob die Entente auf dem Standpunkt der 14 Punkte Wilsons stehe. […]“ (ebd., Dok. Nr. 131 b, S. 557 f.). Einem Schreiben Conrad Haußmanns an den UStSRkei vom 26.6.1919 zufolge war allerdings zum Zeitpunkt der Sitzung des Kriegskabinetts am Vormittag des 6.11.1919 die Lansing-Note nicht bekannt; sie traf bei der RReg. erst am Nachmittag desselben Tages, kurz vor der Abreise der Wako, ein (ebd., Dok. Nr. 131 a, Anm. 1, S. 547).

Handelsminister Fischbeck berichtet: Nach Notizen in seinem Tagebuch habe bei den Beratungen mit den Parteiführern am 2. oder 3. Oktober 1918 Major v. d. Bussche auf dringende Fragen des Grafen Westarp einmal die Erklärung abgegeben: Natürlich brauche sich Deutschland nicht alles gefallen zu lassen, aber im nächsten Frühjahr müsse man kapitulieren7.

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Das Protokoll oder andere Hinweise auf die Parteiführerbesprechung, von der Fischbeck sprach, sind nicht überliefert. Allerdings hat Frhr. v. d. Bussche während einer Besprechung des RK mit den StS und PrStM am 3.10.1918 erklärt: „OHL hat mitgeteilt, es sei absolut notwendig, zu Waffenstillstand mit nachfolgendem Frieden zu gelangen. Auch schriftliche Mitteilung liegt vor, gez. von Hindenburg […]“ (PA, Wk 23 geh., Bd. 19).

Reichsminister Erzberger und Preuß werden beauftragt, die Dokumente auf Vollständigkeit und Zweckmäßigkeit der Veröffentlichung durchzusehen.

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