2.88.6 (sch1p): 6. [Lage in Bayern]

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Das Kabinett ScheidemannReichsministerpraesident  Philipp Scheidemann Bild 146-1970-051-17Erste Kabinettssitzung der neuen deutschen Reichsregierung am 13.2.1919 in Weimar Bild 183-R08282Versailles: die deutschen Friedensunterhändler Bild 183-R11112Die Sozialisierung marschiert! Plak 002-005-026

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6. [Lage in Bayern]

Reichsminister Noske berichtet über die Lage in Bayern. Das Kabinett äußert einstimmig den Wunsch, daß die Reichstruppen aus Bayern vorläufig nicht zurückgezogen werden und daß die Bayerische Regierung einen entschlossenen Kriegsminister einsetzen möge6. Der Ministerpräsident wird hierüber mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Fühlung nehmen7.

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Am 21.5.1919 hatte der pr. Geschäftsträger in München, Graf Zech, an das AA telegrafiert: „Hier hat die durchgesickerte Nachricht, daß nichtbayerische Truppen schon baldigst von München fortgezogen werden sollen, allgemeine Bestürzung hervorgerufen. Von allen Seiten werde ich ganz besonders von Bayern bestürmt, dafür zu sorgen, daß zum mindesten ein kleiner, ganz zuverlässiger Kern Reichstruppen vor der Hand noch hier bleibt. Die Bayern, die nur sehr wenig Zutrauen zur Zuverlässigkeit ihrer eigenen Truppen haben, fürchten mit Recht beim Abzug Reichstruppen Aufflackern neuer spartakistischer Unruhen, deren bayer. Kontingent allein nicht Herr werden wird. Zielbewußtes, dauerndes Ankämpfen gegen im Entstehen begriffene spartakistische Umtriebe und genügend schnelle Schaffung straffer Organisation wird durch Persönlichkeit bayer. Oberbefehlshabers und seines Stabschefs nicht verbürgt. […]“ (R 43 I/2212, Bl. 174 f.). Zur Person des bayer. KriegsM telegrafierte Graf Zech am 22.5.1919 an das AA: „Die Frage der Besetzung des Militär-Ministeriums gewinnt erneute Bedeutung durch die in Aussicht genommene Fortnahme wenigstens des größten Teils der nicht bayer. Truppen von München. Nicht nur in militärischen Kreisen herrscht größtes Mißtrauen gegen Schneppenhorst und seinen hauptsächlichen Ratgeber, Major Paulus. Allgemein wird seine Demission gewünscht. […] Wirksame Aktion gegen Schneppenhorst ist seitens des bayer. LT, der dazu in erster Linie berufen wäre, bei der außerordentlich mäßigen Zusammensetzung dieses Gremiums kaum zu erwarten. Ich stelle ergebenst anheim, von dort aus von Hoffmann zu verlangen, Militärminister durch eine tatkräftige und zuverlässige Persönlichkeit zu ersetzen, da Aufrechterhaltung der Ordnung in München und die Pflege der bayer. Reichswehr eminentes Reichsinteresse.“ (R 43 I/2212, Bl. 181).

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Einen Auszug aus dem obenstehenden Kabinettsprotokoll in den Akten der Rkei betr. Bayern ist am 3.6.1919 von der Hand UStS Alberts hinzugesetzt: „Erledigt durch Besprechung mit Hoffmann (Bayer. Reg. kann jetzt auf Schneppenhorst nicht verzichten) und Mitteilung an Noske.“ Das OK der pr. Truppen in Bayern unter Gen. v. Oven wurde erst am 12.7.1919 aufgelöst (Darstellungen aus den Nachkriegskämpfen dt. Truppen und Freikorps, hrsg. v. d. Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres, Bd. IV, Berlin 1939, S. 178).

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