2.59 (str1p): Nr. 59 Kabinettssitzung mit dem Preußischen Staatsministerium vom 15. September 1923, 18 Uhr

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Die Kabinette Stresemann I und II. Band 1Gustav Stresemann und Werner Freiherr von Rheinhaben Bild 102-00171Bild 146-1972-062-11Reichsexekution gegen Sachsen. Bild 102-00189Odeonsplatz in München am 9.11.1923 Bild 119-1426

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[273] Nr. 59
Kabinettssitzung mit dem Preußischen Staatsministerium vom 15. September 1923, 18 Uhr1

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An der Sitzung hat nach der Anwesenheitsliste Stockhausen nicht teilgenommen, doch war er über ihren Verlauf zumindest unterrichtet worden. In seinem Tagebuch notierte er: „Heute findet eine hochpolitische Sitzung des Reichs- und Preuß. Kabinetts nebst Vertretern der durch den Ruhreinfall betroffenen Länder statt. – Erster Punkt der Tagesordnung: Kann der passive Widerstand noch fortgeführt werden? – Die Kernfrage ist dabei die, ob die umfangreichen Reichskredite an die Industrie zum Zwecke der Werkentschädigung und der Lohnsicherung weiter gegeben werden können oder nicht! – Die Ansichten sind geteilt. Die sozialdemokratischen Minister neigen wie stets auch hier zu abgründigem Pessimismus. Da fehlt jener Wille zum Durchhalten, der seinen Schwung aus der nationalen Begeisterung für das Vaterland erhält. Statt die Massen emporzureißen, lassen sie sich von jeder Massenstimmung ohne weiteres unterkriegen. Dann versagt auch jedes politische Denken. Nur so ist erklärlich, daß der Preuß. Ministerpräsident Braun, nachdem er die Lage im Ruhrgebiet in den düstersten Farben geschildert hat, erklärt: Der passive Widerstand müsse sofort aufgegeben werden. – Stresemann macht ihn ruhig und sachlich auf das ungemein bedenkliche sowohl in außen- wie in innenpolitischer Hinsicht eines solchen Vorgehens aufmerksam. – Man einigt sich schließlich dahin, daß vorläufig alles beim alten bleibe, bis die angebahnten Besprechungen mit dem franz. Ministerpräsidenten einen gewissen Abschluß erreicht hätten“ (BA: NL Stockhausen  5). Vgl. Vermächtnis I, S. 123 f. Eine Parallelüberlieferung dieser Kabinettssitzung von der Hand des RSparKom. befindet sich im BA: NL Saemisch 158, Bl. 73–74.

R 43 I/1387, Bl. 210–216

Anwesend: Stresemann, Schmidt, Luther, Oeser, Geßler, Sollmann, Brauns, Hilferding, Radbruch, Fuchs, Höfle, von Raumer; RSparKom. Saemisch; StS von Rheinbaben; MinDir. Meissner, Kalle, von Schubert; MinR Kempner; für Preußen: Braun, Siering, am Zehnhoff, Boelitz, von Richter, Wendorff, Hirtsiefer; StS Freund; für Bayern: Gesandter von Preger (zeitweise), LegR von Papius; für Hessen: Staatsrat Balser; für Baden: MinR Wangler; Protokoll: MinR Kiep.

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