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RTF

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R 43 I/2440, Bl. 170/171]

Berlin, den 6. Oktober 1923

Die Ursache unseres wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruchs ist der Währungsverfall5. Nur die Rückführung des Wirtschaftslebens auf eine gesunde Währung wird zur Heilung der Krisis führen. Auch wenn zunächst,[502] was nicht unvermeidlich, sondern dringend erwünscht ist, durch eine Währungssanierung die jetzt noch verschleierte Krisis erst eigentlich recht offenbar werden wird. Eine gesunde Währung ist einzig und allein die Goldwährung. Jede andere Währung führt, insbesondere bei unserem wirtschaftlichen Zustand, wieder zum Verfall.

5

S. zu diesem „Exposé“ auch H. Schacht, Die Stabilisierung der Mark, S. 59 ff.; dgl., 76 Jahre meines Lebens, S. 224 f.

Frage: Ist die schleunige Wiedereinführung einer Goldwährung möglich? Ich bejahe diese Frage absolut. Es ist eine ausreichende Menge von Gold, bezw. Golddevisen erhältlich, um eine Goldnotenbank hinzustellen, die einen Notenumlauf mit ausreichender Deckung zur Verfügung stellen kann, um die Zirkulation des Wirtschaftslebens in Gang zu halten. Über die Durchführung selbst bin ich jederzeit bereit, meine detaillierten Vorschläge zu machen. Gegen die Goldnotenbank wurden zu Gunsten der sogenannten Neumarkbank im wesentlichen nur zwei Gründe geltend gemacht, einmal die Deckung des Reichsdefizits und zweitens die Bezahlung der Ernte. Hierzu ist zu sagen, daß es der schwerste Mißgriff einer Finanzpolitik ist, durch Ausgabe von Geld decken zu wollen; und was die Zahlung der Ernte anlangt, so wird die von vielen ernsthaften Sachverständigen von vorn herein diskreditierte Neumark, deren steigender Entwertungsprozeß noch vor ihrem Erscheinen feststeht, sehr bald erweisen, daß auch sie als wertbeständiges Zahlungsmittel für die Landwirte nicht in Frage kommen kann. Der Helfferichsche Grundgedanke, ein wertbeständiges Entgelt für die Mobilisierung der Ernte zu schaffen, ist durchaus richtig, und er läßt sich im Zusammenhang mit den beteiligten landwirtschaftlichen Faktoren unbedingt lösen, auch ohne daß man eine neue Währungsbank mit allen ihren wirtschaftlichen und rechtlichen Konsequenzen darauf aufbaut. Die Deckung des Reichsdefizits aber kann nur durch finanzpolitische Reformen erfolgen, wobei eine Hilfsstellung durch eine Goldwährungsbank, die natürlich für ihre Konzession etwas leisten muß, besser gegeben wird als durch das geplante Inflationsgeld der Neumarkbank.

Neben diesen grundsätzlichen Maßnahmen müssen selbstverständlich alle diejenigen Maßnahmen einher laufen, die die Goldeinnahmen des Reichs erhöhen, das sind z. B. die Erhebung einer Reihe von Naturalsteuern und Steuern in Devisen, die Unmöglichmachung von Markverkäufen aus dem Auslande, die Konzessionierung des Handels in Edelmetallen und Edelmetallwaren u. a., ganz abgesehen von der allgemeinen Wertbeständig-Machung der Steuern.

Durch die Schaffung der Goldwährungsbank wird die ganze Kreditwirtschaft in Deutschland sofort auf Gold umgestellt und die Reichsbank zum mindesten einmal hiervon entlastet, so daß die Inflationskredite aufhören. Dann bleibt nur noch die Aufgabe, die Reichsbank auch vom Staatskredit zu entlasten, wozu zunächst die mit der Goldbank zu vereinbarende einmalige Leistung herangezogen werden muß, im übrigen aber die Mittel aus der Finanzreform selbst kommen müssen. Sobald diese zur Ausgleichung des Budgets geführt hat, ist der Weg frei für eine Vereinigung der Reichsbank und der Goldbank, bezw. für eine Zusammenlegung der beiden Währungen.

Dr. Hjalmar Schacht

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