1.10 (str2p): Nr. 124 Der Reichsfinanzminister an den Reichskanzler. 10. Oktober 1923

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RTF

Nr. 124
Der Reichsfinanzminister an den Reichskanzler. 10. Oktober 1923

R 43 I/1134, Bl. 271–272

[Betrifft: Maßnahmen zur Währungssanierung.]

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

In Bestätigung meiner mündlichen Darlegungen1 nenne ich diejenigen Maßnahmen, die meines Erachtens sofort ergriffen werden müssen und ergriffen werden können, um dadurch den Versuch zu machen, daß ein gewisses Vertrauen in der Welt zu uns wieder hergestellt wird. Das ist die einzige Maßnahme,[523] die überhaupt noch in Betracht kommt, um den Markverfall zu beeinflussen2.

1

Über die Unterredung zwischen RK und RFM, die dieser Äußerung zugrunde liegt, war in R 43 I keine Aufzeichnung zu ermitteln. Aus dem Terminkalender geht hervor, daß Luther am 10.10.23 um 11.30 Uhr beim Reichskanzler gewesen ist (BA: NL von Stockhausen  15).

2

Nach den Kursangaben der DAZ, Nr. 409–411 vom 10.–12.10.23, stand die Mark am 9. 10., 19 h bei etwa 1900 Mio zu einem Dollar, am 10. 10., 19 h bei etwa 5000 Mio zu einem Dollar, am 11. 10., 19 h bei 7200 Mio zu einem Dollar.

I. Aus meinem Amt kommt als erste Maßnahme sowohl auf dem Einnahme- wie auf dem Ausgabegebiet in Betracht:

a)

Während es unmöglich ist, ein ganzes neues Steuersystem aus der Erde zu stampfen, ist es möglich, sofort die gesamten Steuern hinsichtlich ihrer Berechnung auf Gold umzustellen3. Eine derartige Verordnung ist bereits fertig gestellt4.

b)

Auf der Ausgabenseite ist es auch unmöglich, sofort bereits bestehende Zustände zu ändern. Dagegen ist es möglich, sofort erst in Ausführung begriffene Dinge zu hemmen. Es ist deshalb hier eine Verordnung fertig gestellt, die die Ausführung einer größeren Anzahl von Gesetzen einstellt5.

3

Am Rand in der Schrift Kempners: „Geschehen!“

4

S. Dok. Nr. 128, P. 2.

5

Am Rand wahrscheinlich von der Hand Dr. Ehlers’: „Entwurf vorgelegt.“ S. dazu auch die Ausführungen Luthers in Dok. Nr. 125, P. 6.

II. Während die Angelegenheiten meines Ressorts die eigene Gebarung des Reichs betreffen, ist es meines Erachtens noch viel wichtiger, sofort auf der wirtschaftlichen Seite Maßnahmen zu ergreifen. Hierfür kommt in Betracht:

a)

eine sofortige Umänderung des Demobilmachungsrechts in dem Sinne, daß die willenlähmenden Vorschriften am besten völlig beseitigt, zum mindesten sehr stark abgeschwächt werden. Herr Kollege Dr. Brauns hat mir zugesagt, daß die Grundsätze bis morgen fertig sein würden, möglicherweise auch schon die Paragraphierung6.

b)

Das Allerwichtigste aber, ohne dessen Erledigung man an eine Wirksamkeit der anderen Maßnahmen nicht glauben wird, ist die Frage der Arbeitszeit. Ich darf daher meine Bitte wiederholen, auf den Reichstag dahin einzuwirken, daß das Arbeitszeitgesetz ohne Kommissionsverhandlungen sofort verabschiedet wird7. Der Stand der Mark wird die besten Gründe hierfür liefern.

6

S. hierzu Dok. Nr. 130, P. 2 a.

7

S. hierzu Dok. Nr. 130, P. 2 b.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr sehr ergebener

Dr. Luther

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