Das Bundesarchiv

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Dokumentation der Judenverfolgung

Seit Anfang der 1960er Jahre arbeitet das Bundesarchiv daran, die Namen derjenigen jüdischen Mitbürger zu dokumentieren, die durch die Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland in den Tod getrieben oder deportiert wurden. Die erste Auflage des Gedenkbuches "Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945" erschien 1986 in intensiver Zusammenarbeit mit dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen. Es wurde aufgrund neu zugänglichen Quellenmaterials nach der Wiedervereinigung einer umfassenden Neubearbeitung unterzogen, deren Ergebnis die 2006 publizierte zweite Auflage war. Seit Ende 2007 ist das Gedenkbuch als Onlineversion im Internet einsehbar (siehe Link am Seitenende) und wird dort im Abstand von wenigen Monaten aktualisiert. Derzeit enthält es mehr als 170.000 Namen (bitte beachten Sie hierzu den Hinweis im nachfolgenden Absatz).

Hinweis zur Zahl der Opfer
Das Gedenkbuch verzeichnet nur Personen, die zwischen 1933 und 1945 Einwohner im Deutschen Reich waren, zugrundgelegt sind dafür die Grenzen von 1937. Dies bedeutet, dass die ermordeten Juden aus den nach 1937 annektierten und besetzten Gebieten – und damit der Großteil der nach aktueller Forschungslage etwa sechs Millionen Opfer des Holocausts – nicht im Gedenkbuch genannt werden. Dieser Aufgabe widmen sich, auch in kontinuierlichem Austausch mit dem Bundesarchiv, weltweit viele Institutionen, namentlich u.a. Yad Vashem, das United States Holocaust Memorial Museum und die Gedenkstätten an den Orten ehemaliger Konzentrationslager.

Ein erstes Verzeichnis der jüdischen Einwohner Deutschlands entstand im Bundesarchiv 2002/03 im Rahmen der Entschädigung jüdischer Versicherungsansprüche. Es wurde und wird seit Ende 2004 – zunächst durch eine Projektgruppe, seit 2008 als Daueraufgabe im Bundesarchiv – beständig verbessert und ergänzt. Die Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933-1945 (meist kurz Residentenliste genannt) dokumentiert die Lebens- und Schicksalsdaten der ca. 700.000 Personen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 1933 und 1945 im Deutschen Reich (in den Grenzen vom 31. Dezember 1937) ansässig waren und wegen ihrer jüdischen Abstammung oder ihres jüdischen Glaubens vom NS-Staat verfolgt wurden. Diese Datensammlung ist Benutzern aus Gründen der schutzwürdigen Belange der Überlebenden und Angehörigen sowie eingeschränkter Nutzungsrechte seitens der verschiedenen Datengeber und des noch unvollständigen Bearbeitungsstandes grundsätzlich nicht direkt zugänglich. Das Bundesarchiv erteilt daraus aber gemäß Bundesarchivgesetz Auskunft.

Für wissenschaftliche Benutzungen und Vorhaben der historischen Bildungsarbeit kann die Nutzung einer Leseversion der Residentenliste im Lesesaal des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde ermöglicht werden. Voraussetzung ist neben der Genehmigung eines entsprechenden Benutzungsantrags ein Antrag auf Schutzfristverkürzung und die Unterzeichnung einer Besonderen Verpflichtungserklärung. Bitte wenden Sie sich hierfür über die zentrale Mailadresse berlin@bundesarchiv.de an das Bundesarchiv und erläutern dabei ihr Benutzungsvorhaben und geben ggf. einen beabsichtigen Besuchstermin im Bundesarchiv an.


Eine wesentliche Quelle für die Neubearbeitung des Gedenkbuches und die Erstellung der Residentenliste stellten die Ergänzungskarten für Angaben über Abstammung und Vorbildung dar, die jeder Haushalt im Rahmen der Volkszählung vom 17. Mai 1939 auszufüllen hatte. Sofern ein Haushaltsmitglied ein jüdisches Großelternteil angegeben hatte, gelangten die Karten nach der regulären statistischen Auswertung zum Reichssippenamt (heutiger Bestand R 1509), wo sie schließlich zu rund 85% überliefert wurden. Damit ist ein großer Teil der in Deutschland am Vorabend des Holocaust lebenden Juden namentlich bekannt. Die Daten der Ergänzungskarten sind in einer eigenen Datenbank aufbereitet worden und stehen für wissenschaftliche Benutzungen und Vorhaben der historischen Bildungsarbeit seit 2001 im Benutzersaal des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde zur Verfügung. Die für die Benutzung der Residentenliste geschilderten Voraussetzungen (siehe zuvor) gelten entsprechend.


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