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Berlin-Lichterfelde

Liegenschaft Berlin-Lichterfelde mit dem neuen Magazingebäude (Ernst-Posner-Bau) im Hintergrund

Liegenschaft Berlin-Lichterfelde mit dem neuen Magazingebäude (Ernst-Posner-Bau) im Hintergrund

Quelle: BArch, B 198 Bild-2010-0422-001 / T. Krause

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In den früheren Andrews Barracks in Berlin-Lichterfelde ist in unmittelbarer Nähe zur Freien Universität seit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Berlin 1995 mit den Abteilungen R (Deutsches Reich), DDR (Deutsche Demokratische Republik) und SAPMO (Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR) ein Campus für die Erforschung von Spuren der jüngeren deutschen Geschichte entstanden.

Die ungefähr 150 Arbeitsplätze in den drei Lesesälen für Archivgut, Mikrofilme und die Bibliothek sind meist dicht besetzt und auf den Fluren oder den großen Rasenflächen unter alten Bäumen wird in verschiedenen Sprachen über neue Funde in den Akten diskutiert.

Berlin-Lichterfelde ist räumlich und personell die größte Einrichtung des Bundesarchivs mit besonders hohem Benutzungsaufkommen. Auch Organisationseinheiten und Mitarbeiter der in Koblenz angesiedelten Abteilungen Z (Zentrale Verwaltungsangelegenheiten), GW (Grundsatz und Wissenschaft), AT (Archivtechnik und zentrale fachliche Dienstleistungen) und B (Bundesrepublik Deutschland) sind dort ansässig.

Von 1873 bis 1878 wurde in Lichterfelde die Preußische Hauptkadettenanstalt errichtet. Durch Bombenschäden und Sprengungen wurde der größte Teil der alten Gebäude zerstört. In der Anlage lebten seit den 1890er Jahren ständig mehr als 1000 Kadetten. Die erste elektrische Straßenbahn Berlins verband den Eingang des Geländes mit dem neuen Bahnhof Groß Lichterfelde-Ost.

Nach der durch den Versailler Vertrag erzwungenen Auflösung der Hauptkadettenanstalt wurden die Gebäude als ziviles Gymnasium genutzt. Schon 1920 wurde die Kadettenanstalt als Standort für das Reichsarchiv ins Auge gefasst: Der Reichskolonialminister sicherte dem Reichsminister des Innern in einem Schreiben vom 25. Januar 1920 die Ablieferung seiner Akten an das Reichsarchiv zu und begrüßte die Überlegungen, die räumlichen Kapazitäten des Reichsarchivs zu erweitern: "Allerdings würde die Verwendung des Reichsarchivs, wenn dieses seine bleibende Stätte in Potsdam erhielte, mit erheblichen Umständlichkeiten verbunden sein. Soweit die Sachlage sich von hier aus beurteilen läßt, würde zweckmäßiger (...) die Kadettenanstalt in Lichterfelde als Reichsarchiv zu verwenden sein." (BArch R 43 I/886)

Ende April 1933 übernahm die Leibstandarte SS Adolf Hitler die Kaserne. 1934 fanden auf dem Gelände anlässlich des "Röhm-Putsches" Erschießungen durch SS-Exekutionskommandos statt. Für die Leibstandarte entstanden zwischen 1937 und 1940 die Bauten, die die Hauptfront zur Finckensteinallee hin ausrichteten und heute noch den Eingangsbereich beherrschen.

Im Juli 1945 übernahmen amerikanische Besatzungssoldaten die nun "Andrews Barracks" genannte Liegenschaft. Anstelle im Krieg zerstörter Bauten wurden 1951 neue Mannschaftsunterkünfte errichtet, darunter auch das Gebäude 901, in dem jetzt Benutzungsbereich, Werkstätten und Büros untergebracht sind. Im folgenden Jahr wurde die allen Glaubensrichtungen offenstehende Andrews Chapel gebaut, der heutige der Lesesaal der Bibliothek.

Die heutige Nutzung der Gebäude stellt bisher eine Übergangslösung dar. Fertiggestellt ist ein zweckmäßiges Magazingebäude ("Ernst-Posner-Bau"), das durch den Umbau der historischen Gebäude zu funktionalen Büroräumen und einem zentralen Benutzungsgebäude ergänzt wird. An einem Ort sollen so die Benutzung konventionellen und audiovisuellen Archivguts und die Einrichtungen zur archivbezogenen historischen Bildungs- und Öffentlichkeit in Berlin konzentriert werden.


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