Geschichte des Bundesarchivs
Ehemaliges Reichsarchiv auf dem Brauhausberg in Potsdam
Quelle: BArch, B 145 Bild-P012380 / Fotograf: o.Ang.
1919
Das Reichsarchiv wird als zentrales Archiv nach der im Versailler Vertrag geforderten Auflösung zahlreicher militärischer Behörden eingerichtet. Das Reichsarchiv übernimmt Unterlagen aller obersten Reichsbehörden seit 1867/71 und in einer Außenstelle in Frankfurt a.M. seit dem Jahr 1924 auch Archivgut des Deutschen Bundes und des Reichskammergerichts. Im Laufe der Zeit wird es um Schriftgut nichtstaatlicher Herkunft, fotografische und filmische Dokumente ergänzt. Das Reichsarchivgebäude befand sich auf dem Brauhausberg in Potsdam.
1935
Das Reichspropagandaministerium errichtet beim Reichsarchiv in Potsdam ein Reichsfilmarchiv.
1936
Das Heeresarchiv Potsdam wird als selbständige Einrichtung aus dem Reichsarchiv ausgegliedert.
1944/1945
Der wertvollere Teil der zivilen Bestände des Reichsarchivs wird kriegsbedingt ausgelagert. Bei einem Luftangriff im April 1945 werden die noch nicht ausgelagerten Bestände des Heeresarchivs weitestgehend vernichtet.
Akten in der Orangerie von Sanssouci
Quelle: BArch, DO 6 Bild-21-01 / Fotograf: o.Ang.
1946
In der DDR wird mit Sitz in der Orangerie des Schlosses Sanssouci in Potsdam das Deutsche Zentralarchiv, seit 1973 „Zentrales Staatsarchiv" der DDR, eingerichtet.
Bundesarchiv am Koblenzer Rheinufer
Quelle: BArch, Bild 146-1969-172-27 / Fotograf: o.Ang.
1952
Die Bundesregierung errichtet auf Beschluss von 1950 das Bundesarchiv in Koblenz als Obere Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern. Es wird zunächst im Gebäude des ehemaligen preußischen Regierungspräsidenten unmittelbar am Rheinufer untergebracht.
1954
Die ehemalige Außenstelle des Reichsarchivs in Frankfurt a.M., in der die Überlieferungen des Deutschen Bundes und der Nationalversammlung von 1848/49 und der "Untrennbare Bestand" des Reichskammergerichts verwahrt werden, wird in das Bundesarchiv eingegliedert.
1955
Das nordrhein-westfälische Personenstandsarchiv für Personalunterlagen militärischer Provenienz wird als Zentralnachweisstelle in Aachen-Kornelimünster in das Bundesarchiv übernommen.
Die Abteilung Militärarchiv wird im Bundesarchiv eingerichtet.
In Berlin wird das Staatliche Filmarchiv der DDR gegründet.
1955/1956
Das Zentrale Staatsarchiv der DDR bezieht 1955/1956 in Potsdam das Gebäude in der Berliner Straße/ Tizianstraße. Hier wird auch die Staatliche Archivverwaltung, eine Abteilung des Ministeriums des Innern, untergebracht. Dort haben von 1990 bis 1996 die Abteilungen Potsdam des Bundesarchivs ihren Sitz.
Das Zentrale Staatsarchiv der DDR in Potsdam
Quelle: BArch, DO 6 Bild-01-04 / Fotograf: o.Ang.
Das Bundesarchiv am Wöllershof in Koblenz
Quelle: BArch, B 198 Bild-00043 / Fotograf: o.Ang.
1961
Das Bundesarchiv bezieht ein Hochhaus in der Innenstadt von Koblenz (Am Wöllershof 12).
1964
In Potsdam wird das Militärarchiv der NVA der DDR (zunächst als Deutsches Militärarchiv) gegründet.
1965
Das Zwischenarchiv für die Akten der Bundesbehörden, das seit 1972 seinen Sitz in St.Augustin bei Bonn hat, wird in Bad Godesberg eingerichtet.
Bundespräsident Gustav W. Heinemann während der Eröffnung der Erinnerungsstätte in Rastatt
Quelle: BArch, Bild 146-1974-177-03 / Fotograf: o.Ang.
1968
Die Abteilung Militärarchiv des Bundesarchivs wird nach Freiburg verlegt und übernimmt dort die Bestände der Dokumentenzentrale des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes.
1974
Die "Erinnerungsstätte für die Freiheitsbewegungen in der deutschen Geschichte" wird als Außenstelle des Bundesarchivs in Rastatt eröffnet.
Das Bundesarchiv-Filmarchiv in Koblenz-Ehrenbreitstein
Quelle: BArch, Bild 146II-589 / Fotograf: o.Ang.
1978
Durch ein Verwaltungsabkommen werden dem Bundesarchiv im Verbund kinemathekarischer Einrichtungen die Aufgaben eines zentralen Filmarchivs für die gesamte deutsche Filmproduktion übertragen.
Bundeskanzler Helmut Kohl und Bundesarchiv-präsident Hans Booms bei der Eröffnung des Neubaus auf der Karthause in Koblenz
Quelle: BArch, B 145 Bild-F073978-0026 / Fotograf: Engelbert Reineke
1979
Die Bundesregierung überträgt durch Kabinettsbeschluss dem Bundesarchiv die Edition der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung.
1986
Das Bundesarchiv bezieht einen Neubau in Koblenz-Karthause.
1988
Mit dem Gesetz über die Sicherung und Nutzung von Archivgut des Bundes vom 6. Januar 1988 werden der allgemeine Zugang zum Archivgut des Bundes und die Aufgaben des Bundesarchivs erstmals gesetzlich verankert.
1989
Mit dem Gesetz über die zentrale Archivierung von Unterlagen aus dem Bereich des Kriegsfolgenrechts wird im Bundesarchiv ein Zentralarchiv für den Lastenausgleich in Bayreuth errichtet.
1990
Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands erfolgt die Eingliederung der zentralen Archive der DDR (Zentrales Staatsarchiv und Militärarchiv in Potsdam, Staatliches Filmarchiv in Berlin) in das Bundesarchiv.
1992
Das Parteiarchiv der SED wird ebenso wie die Archive des FDGB und weiterer Organisationen der DDR zusammen mit ihren Bibliotheken in die Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv eingebracht. Sitz der Stiftung ist Berlin.
NSDAP-Mitgliederkartei Kartei in Berlin
Quelle: BArch, B 198 Bild-00021 / Fotograf: K.-O. Hesse
1994
Das Bundesarchiv übernimmt beim Abzug der Amerikanischen Truppen aus Berlin das Berlin Document Center mitsamt der Mitgliederkartei der NSDAP und Personalakten von 62.000 SS-Führern, nachdem es zuvor vollständig verfilmt wurde.
1996
Das Bundesarchiv bezieht mit den Abteilungen Potsdam, dem ehem. Document Center und der Stiftung Archiv der Parteien und Massenorganisationen der DDR im Bundesarchiv die Liegenschaft an der Finckensteinallee in Berlin-Lichterfelde.
1997
Im brandenburgischen Hoppegarten bei Berlin wird ein Zwischenarchiv für die obersten Bundesbehörden im Berliner Raum eingerichtet.
Das Bundesarchiv schaltet seine erste Internetpräsenz frei.
1998
Das Bundesarchiv wechselt in den Geschäftsbereich des neu eingerichteten Kulturstaatsministers im Bundeskanzleramt, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien.
1999
Das Lastenausgleichsarchiv in Bayreuth bezieht das um einen Magazinbau erweiterte und umgebaute ehemalige Krankenhaus der Stadt.
Außenstelle des Bundesarchivs im ehemaligen Frankfurter Karmeliterkloster
Quelle: Ph. Möckel
2000
Die Unterlagen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen werden in die neu errichtete Außenstelle Ludwigsburg des Bundesarchivs übernommen.
Die Außenstelle Frankfurt wird aufgelöst, die bisher dort verwahrte Überlieferung der Zentralorgane des Deutschen Bundes einschließlich der Unterlagen der Deutschen Nationalversammlung von 1848/49 werden nach Koblenz verlagert.
2001
In Hoppegarten wird eine der modernsten maschinellen Entsäuerungsanlagen für vom Zerfall bedrohte Archivalien von einem gewerblichen Unternehmen im Rahmen eines Privatisierungskonzeptes in Betrieb genommen.
Zentralnachweisstelle in Aachen-Kornelimünster
Quelle: BArch B 198 Bild-00052 / Fotograf: o.Ang.
2002
In Hoppegarten wird mit dem Bau eines Bestandserhaltungszentrums mit Spezialmagazinen für die Lagerung von Cellulosenitratfilmen sowie mit Werkstätten für Filmbearbeitung, Restaurierung und Konservierung von Archivgut aller Art sowie für Verfilmung und Digitalisierung begonnen.
Mit einem Festakt in Berlin in Anwesenheit des Bundespräsidenten und mit einer Festveranstaltung in Koblenz feiert das Bundesarchiv sein 50-jähriges Bestehen.
Im Internet wird die Zentrale Datenbank Nachlässe (ZDN) verfügbar gemacht.
2003
Die ersten Online-Findbücher des Bundesarchivs sind im Internet verfügbar.
Im Bundeskanzleramt wird die Online-Edition der Kabinettsprotokolle der Bundesregierung der Presse und den Medien vorgestellt.
2005
In Hoppegarten werden die Neubauten für Filmlagerung und -restaurierung in Betrieb genommen. Die Zentralnachweisstelle in Aachen-Kornelimünster wird aufgelöst.
Im Internet wird das Notfallregister Archive NORA als Instrument für die Katastrophenvorsorge für die deutschen Archive eingerichtet.
2007
Im Rahmen des Retrokonversionsprogramms zur Digitalisierung von Findbüchern und Findkarteien wird die 1.000.000ste Titelaufnahme digitalisiert.
In Berlin-Lichterfelde beginnen die Baumaßnahmen für die Errichtung des Ernst-Posner-Baus mit Magazinen und Eingangsbereich für das Berliner Bundesarchiv sowie die Sanierung der früheren Kasernengebäude für ein Nutzungszentrum und die Dienstzimmer.
Das Digitale Bildarchiv des Bundesarchivs wird im Bundeskanzleramt freigeschaltet.
2008
Das 2006 in wesentlich erweiterter 2. Auflage erschienene Gedenkbuch der Opfer der Verfolgung der Juden wird im Internet zur Online-Recherche verfügbar gemacht.
2009
In Berlin erfolgt die Schlüsselübergabe für den Ernst-Posner-Bau. Bis September 2010 wird der Umzug von mehr als 110 km Archiv- und Bibliotheksgut abgeschlossen.
