2.16.5 (k1954k): E. Fünf-Tage-Woche

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 4). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[E.] Fünf-Tage-Woche

Der Bundesminister für Arbeit berichtet dem Kabinett über die günstige Entwicklung des Arbeitsmarktes. Es habe sich herausgestellt, daß die Arbeitslosigkeit der Wintermonate sich so ruckartig zurückentwickelt habe, daß heute ein noch nie erreichter günstiger Stand zu verzeichnen sei 22. Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung hätten einzelne Arbeitsminister der Länder das Problem der Einführung einer Fünf-Tage-Woche zur Erörterung gestellt 23. Im gleichen Sinne sei auch eine Aktion des DGB anläßlich des 1. Mai zu erwarten 24. Er sei von verschiedensten Seiten aufgefordert worden, sich an diesen Gesprächen zu beteiligen. Er sei dieser Aufforderung jedoch nicht nachgekommen, weil er grundsätzliche Bedenken gegen diese Pläne habe. Man könne über eine Fünf-Tage-Woche sprechen, wenn man gleichzeitig eine 40-Stunden-Woche einführen wolle. Daß jedoch der deutsche Produktionsstand die Einführung der 40-Stunden-Woche nicht zulasse, bedürfe wohl keiner Diskussion. Andererseits sei - bei einer Fünf-Tage-Woche - die Einführung eines 9-Stunden-Tages seiner Ansicht nach gleichfalls nicht vertretbar 25. Der Vizekanzler schließt sich dieser Auffassung an und bemerkt, daß man zwar die Fünf-Tage-Woche als Fernziel betrachten könne, daß jedoch der Zeitpunkt noch nicht gekommen sei, um über diese Frage ernsthaft zu sprechen. Daher empfiehlt auch er äußerste Zurückhaltung. Das Kabinett schließt sich dieser Auffassung an.

22

Am 31. März 1954 betrug die Arbeitslosenquote 8,3% (Wirtschaft und Statistik NF Bd. 6, 1954, Zahlenteil S. 623). Vgl. auch Bundesarbeitsblatt 1954 S. 494.

23

Der Arbeitsminister von Baden-Württemberg Erwin Hohlwegler hatte erklärt, daß etwa 30% der baden-württembergischen Industriebetriebe die Fünf-Tage-Woche eingeführt hätten. Etwa die Hälfte der in diesen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer habe eine wöchentliche Arbeitszeit von 48, die anderen eine von 46-44 Stunden. Hohlwegler hatte eine Regelung dieser Frage durch Tarifverträge befürwortet und staatliche Maßnahmen abgelehnt (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16. März 1954). - Andere Stellungnahmen nicht ermittelt. - Die Anfrage Erhards bei einigen Industrieverbänden nach ihrer Haltung in dieser Frage (Unterlagen in B 136/8722) war in der Presse als Zustimmung des BMWi zur Fünf-Tage-Woche interpretiert worden (vgl. Der Spiegel vom 7. April 1954 S. 5 f.).

24

Siehe die Ansprache des stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Reuter am 30. April 1954 (Informations- und Nachrichtendienst [des DGB] 1954 S. 101).

25

Diese Argumente griff Erhard in seiner Pressemitteilung vom 12. April 1954 auf (B 136/8722, vgl. auch Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. April 1954).

Extras (Fußzeile):