2.27.4 (k1954k): D. Evangelischer Kirchentag in Leipzig

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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[D.] Evangelischer Kirchentag in Leipzig

Der Bundesminister für besondere Aufgaben, Dr. Tillmanns, berichtet dem Kabinett eingehend über seine Eindrücke anläßlich des Kirchentages in Leipzig 14. Wenngleich der Kirchentag eine rein kirchliche Angelegenheit sei, so hätte dieses Ereignis bei den Menschen in der Sowjetzone jedoch bedeutsame politische Eindrücke hinterlassen, wenn auch nicht über Fragen der Politik gesprochen worden sei. Die Teilnehmerzahl sei überraschend groß gewesen und könne nicht geschätzt werden 15. Hervorzuheben sei die große innere Anteilnahme der Teilnehmer. Während die Aussprachen anfangs zögernd gewesen wären, seien später auch von mitteldeutschen Teilnehmern bemerkenswert offene Reden gehalten worden.

14

Vgl. 305. Sitzung am 18. Aug. 1953 TOP F (Evangelischer Kirchentag 1953 in Hamburg). - Der 6. Deutsche Evangelische Kirchentag hatte vom 7. bis 11. Juli 1954 in Leipzig unter dem Losungswort „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an im Gebet" stattgefunden (Bulletin vom 15. Juli 1954 S. 1158). - Siehe auch Abb. 6.

15

Vgl. dazu die Eintragung in Nachlaß Seebohm/8c: „Bericht über Kirchentag in Leipzig (Tillmanns). Gesamtteilnehmer 80 000. Arbeitsgruppen je 10 000 bis 15 000 [...]." Vgl. von den Sitzungen des Sekretariats der ZK die 4. am 5. Mai 1954 TOP 7 und die 7. am 26. Mai 1954 TOP 3 (IfGA, ZPA, J IV 2/3/426 und 429).

Die westdeutschen Gäste hätten eine sehr freundliche Aufnahme gefunden, wobei die Absicht der Sowjetzone, einen guten Eindruck zu erwecken, unverkennbar gewesen wäre.

Das Kabinett nimmt den Bericht des Bundesministers Dr. Tillmanns zur Kenntnis 16.

16

Vgl. dazu auch Pressekonferenz am 13. Juli 1954 mit Bundestagspräsident Dr. Ehlers und Bundesminister Dr. Tillmanns im Bundeshaus (in B 145 I/40).

Auch der Bundeskanzler glaubt, daß die Wirkung des Kirchentages als sehr nachhaltig angesehen werden könne. Er ist jedoch der Meinung, daß die deutsche Presse die Stimmung des Leipziger Kirchentages nicht eindrucksvoll genug wiedergegeben habe. Er bittet den Bundesminister Dr. Tillmanns, in dieser Richtung zu wirken.

Das Kabinett erörtert alsdann die Teilnahme des Bundestagspräsidenten Dr. Ehlers 17 und des Staatssekretärs Dr. Strauß an dem von Thadden-Trieglaff 18 veranstalteten Mittagessen 19, an dem auch Dieckmann 20 und Nuschke 21 als Gäste anwesend waren. Hierbei wird auch Staatssekretär Dr. Strauß Gelegenheit gegeben, zu dieser Frage Stellung zu nehmen 22.

17

Dr. iur. Hermann Ehlers (1904-1954). 1935-1937 Leitung des Bundesrates der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, 1937-1939 Richter in Berlin (1939 Entlassung), 1940-1945 Kriegsdienst; 1945 Juristischer Oberkirchenrat der Landeskirche Oldenburg, 1946 Mitglied des Rates der Stadt Oldenburg, 1949-1954 MdB (CDU), 1950-1954 Präsident des Deutschen Bundestages. - Ehlers, Hermann: Gedanken zur Zeit. 2. Auflage, Stuttgart 1956; Wenzel, Rüdiger (Bearbeiter): Hermann Ehlers - Präsident des Deutschen Bundestages. Ausgewählte Reden, Aufsätze und Briefe 1950-1954. Herausgegeben und eingeleitet für die Hermann-Ehlers-Stiftung von Karl Dietrich Erdmann. Boppard 1991. - Siehe auch Abb. 7.

18

Dr. iur. Reinold von Thadden-Trieglaff (1891-1976). 1932-1944 Mitglied der Preußischen Generalsynode, gehörte ab 1934 der Bekennenden Kirche an, 1941-1945 Kriegsdienst; 1948-1961 Mitglied des Zentralvorstandes des Weltrates der Kirchen, 1951-1967 Mitglied der Synode der EKD, 1949 Gründer des Deutschen Evangelischen Kirchentages, 1964 Ehrenpräsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

19

Zum gemeinsamen Empfang beim Kirchentagspräsidenten von Thadden-Trieglaff vgl. im einzelnen Keesing 1954 S. 4621.

20

Johannes Dieckmann (1893-1969). 1919-1933 Sekretär der Deutschen Volkspartei für die Bezirke Niederrhein, Hannover und Sachsen; 1930-1933 Mitglied des Sächsischen Landtages. 1945 Mitbegründer der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD), 1946-1952 Mitglied des Sächsischen Landtages, 1948-1950 Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident des Landes Sachsen, 1949-1969 Präsident der Volkskammer der DDR und stellvertretender Vorsitzender der LDPD.

21

Otto Nuschke (1883-1957). 1906-1909 Generalsekretär der Fortschrittlichen Volkspartei, 1919 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, 1921-1933 Mitglied des Preußischen Landtages (DDP, DStP); 1945 Mitbegründer der CDU in der Sowjetischen Besatzungszone, 1948-1957 Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands (CDUD), 1949-1957 stellvertretender Ministerpräsident der DDR. - Siehe auch Abb. 8.

22

Vgl. dazu die Eintragung in Nachlaß Seebohm/8c: „[...] Einladung, insbesondere Strauß - Nuschke, Ehlers - Dieckmann, soll noch Nachspiele haben. Adenauer wirft Strauß vor, daß er dahin gegangen ist. Private Einladung Thaddens. Gemeinsame Fotos, gemeinsame Postkarten an Freunde. Strauß kommt wieder: Auseinandersetzung mit Adenauer." - Der Nachlaß Walter Strauß befindet sich im Institut für Zeitgeschichte, München.

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