2.60.2 (k1954k): B. Saarabkommen

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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[B. Saarabkommen]

Der Bundeskanzler glaubt davon ausgehen zu können, daß der französische Ministerpräsident die Ratifizierung der Vertragswerke 12 durchsetzen wird 13. Zur Saarfrage im besonderen übergehend, bringt der Bundeskanzler zum Ausdruck, er würde es sehr bedauern, wenn in dieser Frage die Koalition auseinanderfallen 14 sollte. Man könne an dem Faktum, daß die Saar sich gegenwärtig in französischer Hand befinde, nicht vorbeigehen; es sei demgegenüber erreicht worden, daß die Saarbevölkerung beim Friedensvertrag frei darüber abstimmen dürfe, zu welchem Land sie wolle. Hierbei würden weder die Vereinigten Staaten noch England im Sinne der französischen Wünsche intervenieren 15. Dies sei von den Regierungen dieser beiden Staaten bereits klar ausgesprochen worden 16.

12

Vgl. 63. Sitzung am 14. Dez. 1954 TOP B (Außenpolitische Lage).

13

Am 20. Dez. 1954 hatte in der Nationalversammlung die Debatte über die Ratifizierung der Pariser Verträge begonnen. Am 24. Dez. verwarf die Versammlung den Art. 1 der Ratifikationsvorlage über die Gründung der WEU, der die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in den Brüsseler Pakt betraf, mit 280 gegen 259 Stimmen bei 73 Stimmenthaltungen. Am 29. Dez. wurde die Debatte fortgesetzt. Nach einer von den Kommunisten erzwungenen 24stündigen Vertagung der Debatte ergab die Abstimmung über die Gesamtheit der Vorlage ohne Art. 1 für die Regierung eine Mehrheit von 287 gegen 256 Stimmen bei 78 Stimmenthaltungen. Am 30. Dez. billigte die Versammlung schließlich die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in den Brüsseler Pakt mit 287 gegen 260 Stimmen bei 74 Stimmenthaltungen. Damit hatte die französische Nationalversammlung die Pariser Verträge ratifiziert (vgl. im einzelnen EA 1955 S. 7258 f.). - Der Rat der Republik billigte am 27. März 1955 die Pariser Verträge; dabei wurden, dem Antrag der Regierung unter Ministerpräsident Edgar Faure (23. Febr. 1955 - 24. Jan. 1956) entsprechend, fünf Änderungs- und Ergänzungsvorschläge, welche die besonderen Bedingungen für das Inkrafttreten des Ratifikationsbeschlusses aufstellten, abgelehnt (vgl. im einzelnen EA 1955 S. 7496 und Keesing 1955 S. 5089 f.).

14

Im Entwurf: „zerbrechen" (Kabinettsprotokolle Bd. 25 E).

15

Vgl. dazu Aufzeichnung Merchants über ein Gespräch vom 16. Dez. 1954, an dem u. a. Mendès-France, Soutou, Eden, Macmillan, Dulles teilnahmen und in dem sich folgender Passus findet: „He [Mendès-France] then read the Marshall 1947 statement and said he would accept a private assurance to support him at the Peace Treaty Conference [...] The Secretary went on to say that it is one thing to have an attitude but another thing to give formal understanding, but it was probable that we will support the French position at the Peace Treaty conference. Mendès-France remarked that that ,won't help a lot!' and went on to say that all France got from the war was the Saar. The Secretary asked if Mendès-France realized that to give the guaranty and publicize this might wreck the entire WEU project. Mendès-France suggested that the Committee Chairman could be told privately. Sir Anthony then went over the record of the Saar problem UP to 1950 and said that the attitude was unchanged but they could not give any formal undertaking. Mendès-France then mentioned a tripartite letter of August 3, 1951 to Chancellor Adenauer [Ausfertigung vom 2. Aug. 1951 in AA, Abt. 2, Bd. 468] reiterating the US-Uk position. The Secretary remarked that the U. S. attitude toward France was well-known but that he himself couldn't bind his successors. What will bind them is past history and our fundamental attitude toward France. He went on to say that to give assurances publicly would be desastrous, and to do it privately, dishonorable. He stated he saw no chance of our being able to change our position on this matter" (FRUS V p. 1506). Ferner auch: Botschaft Präsident Eisenhowers an die Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union vom 10. März 1955 in EA 1955 S. 7453 f.

16

Fortgang 65. Sitzung am 19. Jan. 1955 TOP A (Eine mit Telegramm Globkes vom 24. Dez. 1954 an F. J. Strauß, die CSU-Landesgruppe in Bonn, Dehler und Haasler für den 29. Dez. 1954 anberaumte „Sondersitzung des Bundeskabinetts über außenpolitische Fragen" (Kabinettsprotokolle Bd. 122) fand nicht statt).

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