2.1.4 (k1965k): 2. IX. Weltjugendfestspiele in Algier

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2. IX. Weltjugendfestspiele in Algier

Der Bundesminister für Familie und Jugend erklärt, für die im August 1965 in Algier stattfindenden Kommunistischen Weltjugendfestspiele sei eine Entscheidung der Bundesregierung über eine offizielle Teilnahme der deutschen Jugendverbände erforderlich 9. Die Bundesregierung habe die offizielle Teilnahme deutscher Jugendverbände bisher stets abgelehnt. Für die ersten sechs Festspiele in den Ostblockstaaten sei dies selbstverständlich gewesen, aber auch für Wien und Helsinki sei diese Auffassung vertreten worden. In Wien und Helsinki seien zwar Vertreter von deutschen Jugendverbänden inoffiziell mit gutem Erfolg anwesend gewesen, was jedoch nur mit Unterstützung der Jugendverbände der Gastgeberländer möglich gewesen sei. An den Festspielen in Algier wollten einige Jugendverbände teilnehmen, während andere sich bereits gegen eine Teilnahme ausgesprochen hätten. In einer Ressortbesprechung sei Übereinstimmung erzielt worden, auch diesmal eine offizielle Teilnahme deutscher Jugendverbände abzulehnen.

9

Zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Ost-Berlin im Jahre 1951 vgl. 169. Sitzung am 28. Aug. 1951 TOP L (Kabinettsprotokolle 1951, S. 626). - Die von kommunistischen Organisationen dominierten internationalen Jugendtreffen hatten zuletzt 1959 in Wien und 1962 in Helsinki stattgefunden. Zur Beteiligung von Jugend- und Studentenverbänden aus der Bundesrepublik an den geplanten Spielen in Algier vgl. das Schreiben des BMFa an das Bundeskanzleramt vom 4. Jan. 1965 in B 136/3797.

Er schlage deshalb vor, daß die Bundesregierung an ihrer bisherigen Auffassung festhalte und die offizielle Teilnahme deutscher Jugendverbände ablehne, zumal die Anwesenheit von Delegationen aus der Bundesrepublik und der SBZ, möglicherweise auch noch aus Westberlin, nur der Zwei- bzw. Drei-Staaten-Theorie Vorschub leisten würde. Auch die inoffizielle Teilnahme solle durch die Bundesregierung nicht gefördert werden.

Der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen ist der Auffassung, daß keine offizielle Delegation entsandt werden solle. Er hält es aber für gut, wenn ausgesuchte Leute sich nach Algier begeben würden, die den Alleinanspruch einseitig östlich orientierter deutscher Jugendverbände auf Vertretung der deutschen Belange zurückweisen könnten.

Nach einer Aussprache, an der sich der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, der Bundesminister des Auswärtigen, der Bundesminister für besondere Aufgaben, der Bundesminister für Verkehr und der Bundesminister für Familie und Jugend beteiligen, spricht sich das Kabinett gegen eine offizielle Teilnahme deutscher Jugendverbände an den Festspielen in Algier aus. Inoffizielle Reisen deutscher Jugendvertreter werden nicht unterstützt; ihre Durchführung geschieht auf eigene Gefahr 10.

10

Die Weltjugendfestspiele wurden nach dem Sturz des algerischen Staatspräsidenten Ahmed Ben Bella und der Machtübernahme Houari Boumediennes am 19. Juni 1965 verschoben und fanden schließlich 1968 in Sofia statt.

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