2.14.13 (k1965k): H. Europäisches Farbfernsehen

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 18. 1965Staatsbesuch Ulbrichts in Ägypten im Februar 1965Gespräche Erhards mit de Gaulle in Bonn im Juni 1965Karte Verkehrsvebindungen im Zonenrandgebiet Erhard im Bundestagswahlkampf 1965

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[H.] Europäisches Farbfernsehen

Der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen weist darauf hin, daß die Frage, welches der drei Farbfernsehsysteme in Europa eingeführt werden soll, zu einem Politikum auf der Wiener Fernsehkonferenz werde 36. Nach unserer Überzeugung sei das von einer deutschen Firma entwickelte System PAL technisch das beste System. Er bedauert die von Frankreich vor der Wiener Konferenz mit der Sowjetunion abgeschlossene Vereinbarung, wonach die Sowjetunion das französische System SECAM übernehmen wird 37. Für das deutsche System würden sich voraussichtlich die skandinavischen Länder, Holland, Schweiz und Italien entscheiden. Dagegen würden sich für das französische System der gesamte Ostblock einschließlich der SBZ aussprechen. Es bestehe die Gefahr, daß eine Trennungslinie in Europa entstehen würde, die mitten durch Deutschland verlaufen würde.

36

Auf der am 25. März 1965 in Wien eröffneten Tagung des Internationalen Beratenden Ausschusses für den Funkdienst (CCIR), einer Unterorganisation der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), standen neben dem von der Firma Telefunken GmbH in Hannover entwickelten PAL-System das französische SECAM- und das amerikanische NTSC-Verfahren zur Diskussion. Unterlagen hierzu in B 136/10022, B 137/13537 sowie B 145/1356 und 2864.

37

Das Abkommen war am 22. März 1965 in Paris durch den französischen Informationsminister Alain Peyrefitte und den sowjetischen Botschafter Sergej Winogradow unterzeichnet worden. Vgl. hierzu die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 23. März 1965, S. 8.

Der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen schlägt vor, unserer Delegation für die Wiener Konferenz die Weisung zu geben, für das deutsche System zu stimmen. Sollte die Abstimmung keine Mehrheit für unser System ergeben, müsse sich das Kabinett erneut mit der Sache befassen.

Der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen hält die Einführung eines technisch weniger guten Systems immer noch für besser, als wenn zwei verschiedene Systeme in Europa entstehen würden. Aus gesamtdeutschen europäischen Gesichtspunkten müsse der größte Wert darauf gelegt werden, zu einem einheitlichen Farbfernsehsystem zu kommen.

Staatssekretär Lahr hält eine Trennung Europas in zwei verschiedene Farbfernsehsysteme ebenfalls für politisch unerwünscht. Es sollte keine Mühe gescheut werden, um zu einem einheitlichen System zu kommen.

In der anschließenden Diskussion, an der sich der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, die Bundesminister für Wirtschaft, für das Post- und Fernmeldewesen, für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Staatssekretäre Lahr und von Hase beteiligen, wird insbesondere das französische Vorgehen, die deutsche Haltung auf der Konferenz und die Frage einer technischen Zusammenarbeit zwischen dem deutschen und französischen System erörtert.

Das Kabinett beschließt, daß unsere Delegation in Wien das deutsche System zur Abstimmung stellt. Für den Fall, daß es keine Mehrheit erhält, soll die Delegation neue Weisung einholen 38.

38

Fortgang 160. Sitzung am 7. April 1965 TOP 2.

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