2.15.2 (k1965k): 2. Farbfernsehen

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 2). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 18. 1965Staatsbesuch Ulbrichts in Ägypten im Februar 1965Gespräche Erhards mit de Gaulle in Bonn im Juni 1965Karte Verkehrsvebindungen im Zonenrandgebiet Erhard im Bundestagswahlkampf 1965

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

2. Farbfernsehen

Der Bundeskanzler wünscht Aufklärung zum Thema Farbfernseh-Verfahren und verweist auf den Artikel in „Die Welt" Nr. 82 vom 7. April 1965 unter der Überschrift „Gemeinsames Farbfernseh-Verfahren, Bundesrepublik und USA verschmelzen ihre Systeme" 12. Bundesminister Stücklen teilt mit, daß die Meldung in der Presse nach seinen Informationen frei erfunden sei; der deutsche Vertreter habe mit niemandem irgendwelche Absprachen getroffen. In seinen weiteren Ausführungen weist der Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen auf die Problematik des Farbfernseh-Verfahrens sowie auf die Haltung Frankreichs in dieser Frage hin. Die Techniker seien einhellig der Ansicht, daß dem PAL-System der Vorzug gegeben werden sollte. Dennoch beharrten die Franzosen auf ihrem SECAM-System und versuchten, die Ostblockländer für ihr System zu gewinnen. Nach unbestätigten Meldungen wolle Frankreich in Moskau eine Fabrik für sein System bauen.

12

Siehe 159. Sitzung am 1. April 1965 TOP H. - Die am 7. April 1965 abgeschlossene Wiener Konferenz der CCIR hatte kein eindeutiges Votum zugunsten eines der in Frage kommenden Farbfernsehsysteme erbracht. Zu dem Bericht auf der Titelseite der „Welt" über eine Verschmelzung von PAL und NTSC vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramtes vom 9. April 1965 in B 136/10022, weitere Unterlagen zum Ergebnis der Konferenz in B 145/1356.

Bundesminister Dr. Mende weist auf die politische Bedeutung dieser Problematik im Hinblick auf die Bewohner der SBZ hin. Wenn das französische System von den Ostblockländern angewandt werden sollte und wir auf dem deutschen oder einem deutsch-amerikanischen System beharren, würden wir uns dem Vorwurf aussetzen, zu der politischen Teilung Deutschlands eine neue Teilung in Europa herbeigeführt zu haben. Wir müßten abwägen zwischen der besseren Technik und den politischen Notwendigkeiten. Bundesminister Stücklen ist der Ansicht, daß eine Kombinierung des deutschen und französischen Systems durch ein Zusatzgerät möglich sei. Die Kosten hierfür würden etwa zehn Prozent des Preises eines Fernsehgerätes betragen. Fraglich wäre nur, ob ein solches Zusatzgerät von den sowjetzonalen Machthabern für ihre Fernsehempfänger zugelassen werden würde. Staatssekretär Prof. Dr. Carstens erklärt, daß selbst dann, wenn in der SBZ das französische System und in der Bundesrepublik das deutsche Verfahren eingeführt werden sollte, die Bewohner Mitteldeutschlands nach seinen Informationen das Fernsehprogramm der Bundesrepublik nach wie vor, allerdings schwarz-weiß, empfangen könnten; in der umgekehrten Richtung wäre bei dieser Verteilung der Systeme ein Empfang nicht möglich. Außerdem bestehe technisch die Möglichkeit, an der Demarkationslinie besondere Sender zu bauen, die das SECAM-System in die SBZ ausstrahlen.

Auf die Anregung von Bundesminister Scheel, im Kabinett Sachverständige über Fragen der Kombinierung der verschiedenen Systeme zu hören, erwidert Bundesminister Stücklen, daß das Kabinett mit einem solchen Sachverständigen-Vortrag überfordert sei. Die Post sei sachverständig genug; zur Frage, welchem System der Vorzug zu geben sei, gebe es nur eine einhellige Meinung. Im übrigen sei er der Meinung, daß, selbst wenn man aus politischen Gründen das SECAM-System anerkennen wolle, dies heute noch nicht zu erkennen gegeben werden sollte. Der Bundeskanzler stimmt dieser Auffassung zu. Er ist jedoch der Ansicht, daß eingehend geprüft werden sollte, ob nicht doch das deutsche und das französische System koordiniert werden könnten 13.

13

Fortgang 165. Sitzung am 20. Mai 1965 TOP C.

Extras (Fußzeile):