1.7 (k1972k): Bildung, Wissenschaft und Forschung

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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Bildung, Wissenschaft und Forschung

Die Bestrebungen der Bundesregierung, in Zusammenarbeit mit den Ländern den sogenannten nationalen Bildungsplan zu verwirklichen, wurden 1972 fortgesetzt. Er hatte vor allem die Chancengleichheit, also den gleichberechtigten Zugang aller sozialen Schichten zu Bildung, und die Steigerung des Bildungsniveaus im gesamten Bundesgebiet zum Ziel. Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung legte im April 1972 ihren Zwischenbericht für die Jahre 1973 bis 1975 vor. Danach u. a. sollten im Vorschulbereich die Zahl der Kindergartenplätze deutlich erhöht und der Ausbau von Kindergärten in ländlichen Regionen und in Wohngebieten mit sozio-kulturell benachteiligter Bevölkerung gefördert werden. Bei der beruflichen Bildung empfahl die Kommission den Ausbau überbetrieblicher Berufsbildungsstätten sowie insgesamt Qualifizierungsmaßnahmen für das Personal in allen Bildungsbereichen. 133 Für den Hochschulbereich war eine Erweiterung der Kapazitäten geplant, da in verschiedenen Studiengängen zahlreiche Bewerber miteinander um Studienplätze konkurrierten. 134

133

Vgl. 118. Sitzung am 5. Juli 1972 TOP F.

134

Vgl. 106. Sitzung am 12. April 1972 TOP B.

Nach der erfolgreichen Mondlandung am 20. Juli 1969 plante die National Aeronautics and Space Administration (NASA) mit dem Post-Apollo-Programm eine Fortsetzung der Erforschung des Weltalls. Wiederverwendbare Space-Shuttles, einen Raumschlepper (Space-Tug) und eine bemannte Raumstation zählten u. a. zum benötigten Instrumentarium, für das bis etwa Mitte der 1980er Jahre rund 200 bis 300 Milliarden Dollar veranschlagt wurden. Wegen der immensen Kosten hatte die US-amerikanische Regierung erstmals eine Kooperation mit den europäischen Staaten in Betracht gezogen. Diese hingegen hatten auf der dritten europäischen Weltraumkonferenz vom 12. bis 14. Nov. 1968 in Bad Godesberg eine gemeinsame europäische Weltraumpolitik und die Zusammenführung der verschiedenen europäischen Institutionen und Programme beschlossen. 135 Der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft von Dohnanyi legte dem Kabinett aufgrund der prekären Haushaltslage die Entscheidung nahe, sich entweder an der geplanten Entwicklung der Trägerrakete EUROPA III zu beteiligen oder eine Teilnahme am Post-Apollo-Programm vorzusehen, die er selbst befürwortete. Da der Vorläufer EUROPA II technische Schwierigkeiten bereitete und die unzureichenden gemeinschaftlichen Entwicklungsphasen zu Fehlstarts führten, verlor das Unternehmen insgesamt an Akzeptanz. Allerdings sprachen sich Scheel und Schmidt sowie das Bundeskanzleramt aus politischen Erwägungen für eine Beteiligung am Bau der EUROPA III aus, zumal die französische Regierung eine endgültige Monopolstellung der USA auf dem Gebiet der Weltraumforschung befürchtete. Nachdem eine Entscheidung der europäischen Staaten bis Oktober 1972 noch nicht gefallen war, hatte die US-amerikanische Regierung die Beteiligungsmöglichkeiten an der Entwicklung der Raumfähre und des Raumschleppers zurückgezogen. Daraufhin empfahl von Dohnanyi dem Kabinett, sich auf der vorgeschalteten Ministertagung der Europäischen Weltraumkonferenz am 8. Nov. 1972 in Paris für die Mitwirkung am Weltraumlaboratorium (Sortie Lab) und gegen die Entwicklung einer europäischen Trägerrakete auszusprechen. Da er aber Bedenken hatte, hierfür eine mehrheitliche Zustimmung zu erlangen, legte er dem Kabinett zusätzlich eine Kompromisslösung vor. Demnach sollten European Launcher Development Organisation (ELDO) und European Space Research Organisation (ESRO) fusionieren, die Entscheidung über den Bau der EUROPA III vertagt, die Entwicklung des Sortie Lab innerhalb der ESRO mit einer Rückzugsoption für die Teilnehmer durchgeführt und Frankreich der Bau eines kleineren Raketenträgers mit deutscher Beteiligung angeboten werden. 136 Auf der Europäischen Weltraumkonferenz am 20. Dez. 1972 in Brüssel beschlossen die Teilnehmer, u. a. am Post-Apollo-Programm mitzuwirken und die Entwicklung der EUROPA III nicht weiter zu verfolgen. 137

135

Vgl. 144. Sitzung am 29. Okt. 1968 TOP H (Kabinettsprotokolle 1968, S. 429 f.).

136

Vgl. 128. Sitzung am 17. Okt. 1972 TOP 5.

137

Vgl. „Die Welt" vom 22. Dez. 1972, S. 9.

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