2.31.6 (k1972k): A. Teilnahme Rhodesiens an den Olympischen Spielen in München

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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[A.] Teilnahme Rhodesiens an den Olympischen Spielen in München

(14.55 Uhr)

PStS Moersch erläutert die Haltung des AA. 9 Das Kabinett nimmt Kenntnis. PStS Dorn wird BM Genscher den Wunsch des Kabinetts übermitteln, in seinem bevorstehenden Gespräch mit Präsident Daume auf die Bedenken des AA hinzuweisen. 10

9

Zur Lage in Rhodesien vgl. 7. Sitzung am 8. Dez. 1965 TOP D (Kabinettsprotokolle 1965, S. 429-431), zu den Sanktionen des UN-Sicherheitsrats vgl. 129. Sitzung am 26. Juni 1968 TOP 4 (Kabinettsprotokolle 1968, S. 264-266). - Vorlage des AA vom 13. Juli 1972 in AA B 4, Bd. 118, und B 136/5577, weitere Unterlagen in B 106/30685. - Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung am 11. Nov. 1965 der ehemaligen Kronkolonie (Süd)-Rhodesien (heute Simbabwe) von Großbritannien hatten die UN in den Folgejahren verschiedene Wirtschaftssanktionen verhängt und 1968 die Resolution Nr. 253 verabschiedet, die neben einem vollständigen Handelsembargo die Einreise rhodesischer Staatsangehöriger in UN-Mitgliedstaaten verbot und die von der UN-Vollversammlung am 10. Dez. 1971 erneut bekräftigt wurde. - Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Willi Daume hatte Rhodesien zu den Spielen eingeladen. Zwar hatten die afrikanischen Nationalen Olympischen Komitees gefordert, dass die rhodesische Mannschaft wie bei den Spielen 1964 unter britischer Kolonialflagge und britischer Hymne einziehen solle, waren jedoch davon ausgegangen, dass diese Bedingungen für die seit März 1970 ausgerufene Republik Rhodesien nicht akzeptabel sein könnten. Rhodesien hingegen hatte angekündigt, eine „gemischtrassige Mannschaft" unter den geforderten Bedingungen zu entsenden. In diesem Falle wollte der Oberste Sportrat für Afrika dem Prozedere nur dann zustimmen, wenn auf den Einreisepässen (visafreie Olympiapässe) als Staatsangehörigkeit „British" oder „British-Rhodesier" angegeben werde. Da Scheel einen Boykott der Spiele durch die afrikanischen Staaten befürchtete, hatte er das Kabinett um den Beschluss gebeten, gegen Rhodesien auf der Grundlage der UN-Resolution Nr. 253 ein Einreiseverbot auszusprechen.

10

Vgl. Genschers Schreiben an Daume vom 27. Juli 1972 in B 106/30685 und B 136/5577. - Fortgang 120. Sitzung am 9. Aug. 1972 TOP A (Außenpolitische Unterrichtung).

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