2.42.4 (k1972k): A. Sicherung des Wagner-Archivs in Bayreuth; Förderung der Philharmonia Hungarica

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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[A.] Sicherung des Wagner-Archivs in Bayreuth; Förderung der Philharmonia Hungarica

(11.20 Uhr)

Auf Anregung des Bundeskanzlers erörtert das Kabinett die Möglichkeiten eines Ankaufs des Wagner-Archivs in Bayreuth. 10 Es besteht Übereinstimmung, daß eine Sicherung des Archivs wünschenswert ist; die Frage eines Ankaufs durch die Bundesregierung bleibt jedoch offen, weil über die Bereitstellung der hierzu erforderlichen Mittel kein Einvernehmen erzielt wird. 11

10

Siehe 51. Sitzung am 2. Nov. 1966 TOP 4 (Kabinettsprotokolle 1966, S. 457 f.). - Vorgesehen war, das künstlerische Erbe des Komponisten Richard Wagner (1813-1883) durch Errichtung einer öffentlichen Stiftung in seiner Geschlossenheit zu erhalten und zugänglich zu machen. In den seit 1971 geführten Verhandlungen hatte Wagners Familie zugestimmt, das Festspielhaus unentgeltlich einzubringen und das Haus Wahnfried nebst Park, Grab und Siegfried-Wagner-Haus der Stadt Bayreuth sowie das nahezu vollständige Wahnfried-Archiv zu gleichen Teilen dem Freistaat Bayern und dem Bund zu veräußern, um es der Stiftung als Leihgaben zu überlassen. Zwischen dem BMI und dem BMWF war lange strittig, wie die Teilfinanzierung des Ankaufs in Höhe von etwa 5,7 Millionen DM seitens des Bundes im Haushalt verbucht werden sollte. Der BMWF hatte wegen der sich aus der Stiftungsbeteiligung des Bundes ergebenden unabsehbaren finanziellen Belastungen grundsätzliche Bedenken erhoben, die Bereitstellung zusätzlicher Mittel abgelehnt und dem BMI vorgeschlagen, in seinem Haushalt (Einzelplan 06) über entsprechende Umschichtungen die auf drei Jahre gestreckte Finanzierung zu realisieren. Vgl. den Vermerk des Bundeskanzleramts vom 9. Okt. 1972 in B 136/5831, weitere Unterlagen in B 106/34223 bis 34225 und 147795.

11

Mit Schreiben vom 4. Dez. 1972 teilte der BMI dem Bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus mit, dass im Bundeshaushalt 1973 (Kapitel 0602 Titel 893 11) 2 Millionen DM für den Anteil des Bundes beim Ankauf des Richard-Wagner-Archivs vorgesehen und damit der Weg für die Gründung einer Stiftung freigeworden sei (Schreiben in B 106/34223 und B 136/5831). - Die Stiftung wurde am 2. Mai 1973 im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus mit der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde und -satzung sowie aller weiterer Vertragsunterlagen errichtet.

Über die Frage einer weiteren Förderung des Orchesters Philharmonia Hungarica sollen sich der Bundesminister des Innern und der Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen verständigen. Ziel ist ein Auslaufen der Förderung bei Sicherung der persönlichen Lebensgrundlage für die Mitglieder des Orchesters. 12

12

Der Gesamtbedarf für das 1956 aus Ungarnflüchtlingen in Wien gegründete und seit 1959/60 aus öffentlichen Mitteln des Bundes (Kapitel 0602 Titel 685 71) und des Landes Nordrhein-Westfalen geförderte Orchester Philharmonia Hungarica, Marl (vgl. 67. Sitzung am 25. Mai 1959 TOP C: Kabinettsprotokolle 1959, S. 216 f.), betrug für das Jahr 1972 rund 3,4 Millionen DM, wobei sich der Bund mit 2,1 Millionen DM und das Land mit 75 000 DM beteiligten. Da Nordrhein-Westfalen im August 1972 eine Erhöhung des Landesbeitrags ausgeschlossen hatte, beschloss das Kabinett auf Vorschlag des BMI, das Orchester nur noch weitere drei bis fünf Jahre zu unterstützen, in der Erwartung, dass sich die leistungsfähigen Mitglieder ein anderes Engagement suchen würden und für die anderen sofort ein Sozialplan aufgestellt werde. Vgl. das Schreiben des Kultusministers des Landes NRW Jürgen Girgensohn an den BMI vom 18. Aug. 1972 und die Vermerke des Bundeskanzleramts vom 2. Okt. 1972 in B 106/34198 und B 136/6490 sowie den Vermerk des BMI vom 10. Okt. 1972 in B 106/34223, weitere Unterlagen in B 106/34203, 34207 und 59591. - Die öffentliche Förderung des Orchesters wurde bis zu dessen Auflösung 2001 fortgeführt.

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