2.30.10 (k1957k): D. Wirtschaftshilfe für Island

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 3). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 10. 1957Das 3. Kabinett Adenauer bei Bundespräsident Theodor HeussTelegramm des FDP-Bundesvorsitzenden Reinhold Maier an  AdenauerEs ist schon wieder fünf Minuten vor Zwölf!CDU-Wahlplakat 1957

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[D.] Wirtschaftshilfe für Island

Ministerialdirektor Professor Dr. Grewe trägt den Plan vor, Island durch finanzielle Beteiligung am Bau von Fischereifahrzeugen eine Wirtschaftshilfe zu gewähren 27. Der Bundeskanzler schildert die gegenwärtige innenpolitische Lage in Island und erklärt, die bisherige konservative Regierung in Island sei hauptsächlich deshalb gestürzt worden, weil sich die USA geweigert hätten, Fische von Island zu kaufen 28. Das Auswärtige Amt solle daher den USA mitteilen, daß es wohl ihre Sache wäre, die entstandenen Schwierigkeiten zu beseitigen. Der Vizekanzler fügt hinzu, daß auch Großbritannien einen schweren politischen Fehler gemacht habe, weil es den Einbruch britischer Fischer in isländische Gewässer geduldet habe. Es bestehe also kaum Veranlassung, daß Deutschland einspringe, zumal eine deutsche Hilfe auf Kosten Griechenlands, der Türkei, Afghanistans usw. gehen würde. Staatssekretär Dr. Sonnemann spricht sich ebenfalls gegen eine Wirtschaftshilfe für Island aus. Er befürchtet, daß die Finanzierung des Baues von isländischen Fischereifahrzeugen zur Notwendigkeit führen werde, daß Deutschland, und zwar zum Nachteil der deutschen Fischerei, noch mehr isländische Fische abnehmen müsse als bisher. Der Bundesminister der Justiz und für Angelegenheiten des Bundesrates stimmt den bisherigen Ausführungen zu. Der Bundeskanzler erklärt, daß die Angelegenheit damit erledigt sei 29.

27

Vorlage des AA vom 8. Juli 1957 in AA (Abt. 4), VS-Bd. 4809. - Das AA begründete seinen Antrag damit, durch wirtschaftliche Unterstützung die militärstrategisch wichtige Insel stärker an den Westen zu binden.

28

Die Frage der weiteren Stationierung amerikanischer Truppen in Island hatte zum Bruch der konservativen Regierungkoalition, zu vorzeitigen Wahlen am 24. Juni 1956 und zur Bildung einer Linksregierung geführt. Der sozialdemokratische Außenminister Gudmundur Gudmundson hatte erklärt, Island wolle weiterhin Mitglied des NATO-Paktes sein, das Truppenabkommen mit den USA aber revidieren (AdG 1956, S. 5898).

29

Fortgang 196. Sitzung am 9. Okt. 1957 TOP 5.

Extras (Fußzeile):