2.43.2 (k1959k): A. Volkstrauertag

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 12. 1959»Westliche Gipfelkonferenz« in ParisKarikaturenband »Wer hätte das von uns gedacht«Schreiben Eisenhowers an Heuss vom 28. August 1959Portrait Ludger Westrick

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[A.] Volkstrauertag

Der Bundesminister des Innern sagt zu der bevorstehenden Feier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Totensonntag 23, daß der damalige Bundespräsident Professor Heuss den Wunsch geäußert habe, das Bundesinnenministerium solle den Volksbund bei seinen Bemühungen unterstützen, der Feier einen besonderen geistigen Gehalt zu geben. Es gehe um den Sinn des Kriegstodes und des Todes durch politische Verfolgung, dessen am Volkstrauertage ebenfalls gedacht werde 24. Das Spiel „Der Andere" gehe von der Erfahrung aus, daß in jedem Kriege ein bestimmter Prozentsatz der Streitkräfte falle. Die Überlebenden könnten dann das Bewußtsein haben, daß die Toten an ihrer Stelle, in gewissem Sinne also für sie, gefallen seien. Das Bundesinnenministerium sei an den Vorarbeiten für die Feier finanziell beteiligt. Eine Prüfung des Textes des Spiels habe ergeben, daß politische Bedenken nicht bestünden 25. Nach längerer Debatte, an der sich neben dem Bundeskanzler insbesondere die Bundesminister Dr. Schröder, Dr. Strauß, Dr. Seebohm, Stücklen, Lücke, Dr. von Merkatz und Dr. Wuermeling sowie Staatssekretär von Eckardt beteiligen, erklärt der Bundeskanzler, er werde an der Feier nicht teilnehmen, wenn das Spiel aufgeführt werde 26.

23

Siehe 84. Sitzung am 3. Nov. 1959 TOP C. - Gemeint ist der Volkstrauertag. Der Totensonntag wird am letzten Sonntag vor dem Ersten Advent begangen.

24

Vgl. die Aufzeichnung für den BMI vom 3. Nov. 1959 in B 106/57.

25

Das im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. entstandene Spiel war ein wesentliches Ergebnis der seit Ende 1956 u. a. unter Mitwirkung der Kulturabteilung des BMI, von Bevollmächtigten der beiden Kirchen und namhafter Autoren und Komponisten angestellten Überlegungen, die bislang im Wesentlichen aus Reden und Musikstücken bestehende Hauptfeier im Plenarsaal des Bundestages künstlerisch neu zu gestalten (Unterlagen dazu in B 106/57).

26

Adenauer betonte in einem Schreiben an Schröder vom gleichen Tag seine Bedenken gegen das Spiel, das mit den christlichen Anschauungen vom Tode nicht übereinstimme und nicht geeignet sei, das Andenken der Gefallenen zu ehren. In seiner Antwort vom 7. Nov. 1959 wies Schröder darauf hin, dass Vertreter der beiden Kirchen zwar Vorbehalte gegen gewisse Aussagen des Spiels geäußert, dieses aber nicht grundsätzlich abgelehnt hätten. Der Bundeskanzler, der seine Teilnahme an der Feier bereits abgesagt hatte, bat Schröder mit Schreiben vom 9. Nov. 1959, ihn zu vertreten. Vgl. die Schreiben sowie den Vermerk des BMI vom 5. Nov. 1959 in B 106/57. - „Der Andere" wurde am 15. Nov. 1959 während der Feierstunde im Plenarsaal in Anwesenheit des Bundespräsidenten aufgeführt; Schröder sprach zur Totenehrung. Vgl. den Text der Ansprache in Bulletin Nr. 214 vom 17. Nov. 1959, S. 2186, sowie den von Adenauer unterzeichneten Aufruf der Bundesregierung zum Volkstrauertag 1959 und die vom Volksbund besorgte Zusammenstellung von Stimmen und Urteilen zum „Anderen" in B 106/57, Unterlagen zur Teilnahme des Bundespräsidenten in B 122/5051. - Fortgang zum Volkstrauertag 1960 Sondersitzung am 28. Juni 1960 TOP 4.

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