2.46.2 (k1959k): B. Flagge der gesamtdeutschen olympischen Mannschaft

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 12. 1959»Westliche Gipfelkonferenz« in ParisKarikaturenband »Wer hätte das von uns gedacht«Schreiben Eisenhowers an Heuss vom 28. August 1959Portrait Ludger Westrick

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[B.] Flagge der gesamtdeutschen olympischen Mannschaft

Der Bundeskanzler unterrichtet das Kabinett über den Ablauf und die Ergebnisse seiner Besprechung mit den Vertretern des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) am Vortage 4. Er weist auf die Notwendigkeit hin, Fragen von derartiger politischer Bedeutung rechtzeitig zur Erörterung in das Kabinett zu bringen. Die weiteren Beratungen der Herren Daume und Ritter von Halt 5 mit ihrem „Sportgremium" müßten abgewartet werden.

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Siehe 86. Sitzung am 20. Nov. 1959 TOP F. - Am 24. Nov. 1959 hatte der Kanzler des IOC, der Schweizer Otto Mayer, die Entscheidung des IOC bekräftigt, für die gesamtdeutsche Olympiamannschaft nur die schwarz-rot-goldene Fahne mit den olympischen Ringen zuzulassen (vgl. „Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 25. Nov. 1959, S. 1). - In der Besprechung Adenauers, von Brentanos und Schröders mit den Präsidenten des DSB und des NOK Willi Daume und Dr. Karl Ritter von Halt am 25. Nov. 1959 hatte die Bundesregierung auf ihrer Forderung bestanden, die deutschen Sportler bei den Olympischen Spielen nur mit der Bundesflagge antreten zu lassen. Das NOK wollte eine endgültige Entscheidung in seiner Mitgliederversammlung am 6. Dez. 1959 in Hannover treffen. Vgl. das Protokoll der sich daran anschließenden Pressekonferenz Daumes und von Halts, abgedruckt in DzD IV 3, S. 691-698, dazu eine vom DSB herausgegebene und bei der Pressekonferenz verteilte Zusammenstellung von „Tatsachen", abgedruckt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 27. Nov. 1959, S. 8. Zur Haltung der Bundesregierung vgl. die Ausführungen Adenauers, von Brentanos, Schröders und Lemmers vor dem CDU-Bundesvorstand wenige Stunden vor der Unterredung in CDU-Bundesvorstand 1957-1961, S. 556-573, weitere Unterlagen auch in B 106/77119.

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Dr. Karl Ritter von Halt (1891-1964). Zwischen 1911 und 1921 u. a. fünfmaliger deutscher Meister im Zehnkampf, 1929-1964 Mitglied des IOC und in führenden Positionen bei zahlreichen deutschen Sportfachverbänden, 1931-1938 Präsident des Internationalen Handball-Verbandes, 1935-1945 Tätigkeit bei der Deutschen Bank, 1936 Präsident des Organisationskomitees für die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, 1944 mit der Führung der Geschäfte des Reichssportführers beauftragt, 1945-1950 Internierung im Lager Buchenwald, seit 1950 bei der Süddeutschen Bank bzw. Deutschen Bank, 1951-1961 Präsident des NOK für Deutschland.

Zu den Darlegungen des Bundeskanzlers über die Flagge der gesamtdeutschen Mannschaft äußerten der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen und Staatssekretär Dr. Anders, daß diese Angelegenheit auf der Besprechung am 4.11.1959, an der u. a. die Abgeordneten Döring 6 und Wehner 7 teilnahmen, nicht oder nur ganz am Rande erörtert worden sei. Dem widersprach der Bundesminister des Auswärtigen unter Hinweis auf den Aktenvermerk seines Vertreters bei dieser Besprechung 8.

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Wolfgang Döring (1919-1963). 1938-1945 Berufsoffizier, zuletzt Hauptmann bei der Panzertruppe, 1946-1950 Betriebsleiter, 1950-1956 Hauptgeschäftsführer der FDP Nordrhein-Westfalen, 1954-1958 MdL Nordrhein-Westfalen, dort 1956-1958 Fraktionsvorsitzender, 1956-1957 Bundeswahlkampfleiter der FDP, 1957-1963 MdB, dort 1961-1963 stellvertretender Fraktionsvorsitzender, 1958-1963 Mitglied des FDP-Bundesvorstands, 1962-1963 stellvertretender Bundesvorsitzender.

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Herbert Wehner (1906-1990). 1927-1942 Mitglied der KPD, 1930-1931 MdL Sachsen, 1933-1935 illegale Tätigkeit für die KPD in Deutschland, ab 1935 Emigration und Mitglied des Zentralkomitees der Exil-KPD und der Komintern, 1937-1941 Aufenthalt in Moskau, 1941 im Auftrag der Komintern in Schweden, 1942-1944 dort Inhaftierung und Verurteilung zu einer einjährigen Haftstrafe, Ausschluss aus der KPD, 1944-1946 Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter in Schweden, 1946 Rückkehr nach Deutschland, Mitglied des Landesvorstandes der SPD in Hamburg, 1949-1983 MdB, dort 1949-1966 Vorsitzender des Ausschusses für gesamtdeutsche und Berliner Fragen, 1966-1969 Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen, 1958-1973 stellvertretender Parteivorsitzender, 1969-1983 Fraktionsvorsitzender.

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Am 4. Nov. 1959 hatten Lemmer und Anders mit Daume sowie den Abgeordneten Wehner, Döring und Dr. Johann Baptist Gradl (CDU) eine Aussprache über die Flaggenfrage bei Sportveranstaltungen geführt, an der auch ein Vertreter des AA teilgenommen hatte. Dessen Aufzeichnung zufolge hatte dabei Daume vor einer zu starren Haltung der Bundesrepublik hinsichtlich der DDR-Flagge bei internationalen Sportveranstaltungen in der Bundesrepublik und der Gefahr einer Selbstisolierung des westdeutschen Sports gewarnt und im Hinblick auf die Olympischen Spiele eine „neutrale Lösung" wie die schwarz-rot-goldene Flagge mit den Olympischen Ringen befürwortet. Eine Position, die nur die Bundesflagge ohne Emblem akzeptierte, hielt Daume für weder praktisch noch juristisch haltbar. Vgl. die Aufzeichnung des AA vom 5. Nov. 1959 in AA B 82, Bd. 876. - In der „Tagesschau" des Deutschen Fernsehens informierte der BMI noch am Abend des 26. Nov. 1959 die Öffentlichkeit über die Gespräche mit Daume und von Halt und die Haltung der Bundesregierung. Abdruck von Schröders Ausführungen in Bulletin Nr. 221 vom 28. Nov. 1959, S. 2255 und DzD IV 3, S. 705 f., zur Position Schröders vgl. dessen Aussagen vor der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 1. Dez. 1959 in ACDP VIII-001-1008/2. - Fortgang Sondersitzung am 30. Nov. 1959 TOP A (Ministerbesprechung).

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