2.44.18 (k1951k): E. Wirtschaftslage

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung Band 4. 1951Kabinettssitzung im Palais Schaumburg am 5. Juni 1951.Foto: Die Hochkomissare der drei Westmächte in Deutschland.Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland - Verdienstkreuz am BandeFoto: Otto Lenz

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[E.] Wirtschaftslage

Der Bundeskanzler gibt eine Analyse der gegenwärtigen innerpolitischen und wirtschaftlichen Lage, die optimistische Prognosen nicht rechtfertige, und kommt auf die Kohlenversorgung zu sprechen 62. Da die Hausbrandversorgung 63 unter allen Umständen gesichert bleiben müsse, bestehe nur die Möglichkeit, die Unterversorgung der gewerblichen Wirtschaft in Kauf zu nehmen 64, was ein erhebliches Ansteigen der Arbeitslosenzahl zur Folge haben müsse, oder aber die Kohlenlücke durch Importe aus Amerika zu decken.

62

Seebohm notierte dazu: „Wirtschaftslage: nach Adenauer überaus ernst und kritisch. a) Lohnbewegungen, insbesondere Bergbau. Wahl Fettes würde stärkere Selbständigkeit der Industriegewerkschaften bringen und den Vorstand zurückdrängen. Bergarbeitergewerkschaft mit 30% KP-Leuten. b) Entwicklung der Preise - unbegründete Preissteigerungen. c) Kohlenmarkt - Arbeiterentlassungen wegen Kohlenmangels. 5,2 Mio t/Quartal Export durch Handelsverträge belegt. Einziger Ausweg: Mehrimport amerikan. Kohle - 2 Mio t/Quartal. - Blücher: Möglich. Besserer Handel mit Dollarregion - kein Mehraufwand an Devisen durch Mehrexport. - François-Poncet: deutsche Angaben sind falsch." (NL Seebohm/7).

63

Vgl. 151. Sitzung am 5. Juni 1951 TOP 1.

64

In dem Vermerk vom 8. Juni 1951 war für die Hausbrandversorgung etwa 20 Zentner pro Haushalt angesetzt worden. Der Industrie würden dann 25% weniger Kohle zur Verfügung stehen als im dritten Quartal 1950 (B 102/5070).

Nach einer kurzen Aussprache bekundet das Kabinett seine einmütige Auffassung dahin, daß das Äußerste versucht werden müsse, um Kohle in ausreichenden Mengen selbst unter Gefahr der Anspannung der Devisenlage zu importieren. Über die Höhe der notwendigen Einfuhrmengen decken sich die Auffassungen der Bundesminister für den Marshallplan und für Wirtschaft (3,3 Mio Tonnen). Der dafür erforderliche Dollarbetrag werde zum Teil durch Kompensationsgeschäfte 65 in Stahl gedeckt 66.

65

Vgl. 182. Sitzung am 26. Okt. 1951 TOP C.

66

Fortgang (Kohleexportpreise) 155. Sitzung am 26. Juni 1951 TOP 15.

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