2.18.2 (k1955k): B. Kinderverschickung in die Sowjetzone

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 3). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 8. 1955Theodor Heuss und Franz-Josef StraußBundestagspräsident Eugen Gerstenmaier vereidigt Hans-Joachim von MerkatzPlakat: Wir wollen ein ehrliches Europa. CDU SaarBundesverteidigungsminister Blank, die Generäle Adolf Heusinger und Hans Speidel

Extras:

 

Text

Tagesordnungspunkt als RTF Download

[B.] Kinderverschickung in die Sowjetzone 38

38

Seit 1954 organisierten die Zentrale Arbeitsgemeinschaft „Frohe Ferien für alle Kinder" und ihre Landesbüros auf Einladung der Regierung der DDR kostenlose mehrwöchige Ferienaufenthalte in der DDR. Dabei handelte es sich nach Ansicht der Bundesregierung um den Versuch der direkten politischen Einflußnahme auf Kinder und Jugendliche durch die KPD und ihre Tarnorganisationen. Vgl. hierzu die Ansprache Thediecks vom 3. Mai 1955 im NWDR (Bulletin vom 4. Mai 1955, S. 685 f.). - Unterlagen zur Aktion „Frohe Ferien für alle Kinder" in B 106/16070-16072, B 136/1994, B 137/1089 und B 153/1924.

Der Bundeskanzler teilt dem Kabinett mit, daß der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein ihn um eine grundsätzliche Stellungnahme zu dieser Frage gebeten habe 39. Er sei der Meinung, es müsse in Zukunft unter allen Umständen vermieden werden, daß Kinder zur Erholung in die Sowjetzone geschickt würden. Zur Lösung dieser Frage müsse die Bundesrepublik großzügige Maßnahmen einleiten.

39

In einem Schreiben an den BK vom 15. April 1955 hatte von Hassel berichtet, daß sein Land als Gegenmaßnahme zu der Aktion „Frohe Ferien für alle Kinder", in der er eine „besonders geschickte Form östlicher Propaganda" sah und der sein Land in besonderem Maße ausgesetzt wäre, ein „Jugendferienwerk" durchführen werde. Da die Schleswig-Holstein aus dem Bundesjugendplan zufließenden Mittel dazu jedoch nicht ausreichen würden und Verhandlungen mit Bundesstellen über eine finanzielle Beteiligung des Bundes bei der Abwehr dieser Propagandaaktion bislang erfolglos geblieben wären, hatte er den BK um dessen persönliche Unterstützung gebeten. Er hatte darüber hinaus vorgeschlagen, die Bundesregierung könnte angesichts der gesamtdeutschen Bedeutung der Abwehr östlicher Propaganda ein die Länder übergreifendes Jugendferienwerk als eigenständige Aufgabe übernehmen. (B 136/1994).

Auch der Bundesminister der Finanzen ist der Meinung, daß etwas Entscheidendes getan werden müsse. Eine etwaige Bundeshilfe solle jedoch nicht direkt, sondern besser indirekt über caritative Organisationen geleitet werden 40.

40

Wie der BK in seiner Antwort an den Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein vom 23. Juni 1955 mitteilte, stellte das BMI für die Ausweitung der Kinder- und Jugenderholung zusätzliche 400 000 DM zur Verfügung. Darüber hinaus bewilligte der Haushaltsausschuß des BT auf Veranlassung der Bundesregierung für diesen Zweck 2,6 Mio. DM. (Ebenda).

Das Kabinett nimmt diese Erklärung zustimmend zur Kenntnis.

Extras (Fußzeile):