2.32.4 (k1955k): C. Militärische Lage der Bundesrepublik Deutschland

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 8. 1955Theodor Heuss und Franz-Josef StraußBundestagspräsident Eugen Gerstenmaier vereidigt Hans-Joachim von MerkatzPlakat: Wir wollen ein ehrliches Europa. CDU SaarBundesverteidigungsminister Blank, die Generäle Adolf Heusinger und Hans Speidel

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[C. Militärische Lage der Bundesrepublik Deutschland]

Der Bundeskanzler erwähnt den bedenklichen Leitartikel in der heutigen „Frankfurter Allgemeinen" von Adelbert Weinstein 13 und betont die Notwendigkeit der Stärkung des Wehrwillens in der Bundesrepublik 14. Nach eingehender Diskussion über die Entwicklung und die Einsatzmöglichkeiten der Atomwaffen regt der Bundeskanzler an, daß General a.D. Heusinger 15 am 11. Juli um 18.00 Uhr vor den Mitgliedern der Bundesregierung einen Vortrag halten solle 16. Min.Dirigent Forschbach übernimmt es, die Bevölkerung durch einen Rundfunkvortrag eines Sachverständigen, z.B. des Herrn Martini 17 (München), über die militärische Situation der Bundesrepublik aufklären zu lassen 18. Die offizielle Auffassung der Bundesregierung soll im Bundestag von dem verantwortlichen Bundesminister vertreten werden 19.

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Adelbert Weinstein (geb. 1916). Publizist. Vor 1945 Berufsoffizier, zuletzt Major i.G; 1945-1947 in britischer Kriegsgefangenschaft. Seit 1949 Mitarbeiter der FAZ.

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Der Artikel der FAZ vom 6. Juli 1955 („Wir müssen umdenken") diskutierte die sich aus dem NATO-Manöver „Carte blanche" ergebenden militärstrategischen Konsequenzen mit dem Ergebnis, daß durch „den technischen Einbruch der atomaren Waffen in das militärische Dogma" die gesamte Gesellschaftsordnung in Gefahr geriete. Unterlagen zu „Carte Blanche" in BW 2/662 und BW 9/3362. Vgl. dazu Uhlig, Atom.

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Adolf Heusinger (1897-1982). Seit 1915 Offizier, 1931-1944 im Generalstab des Heeres; 1950 militärischer Berater des BK, 1951 deutscher Sachverständiger bei den Beratungen über die EVG, 1952 Leiter der Militärabteilung des Amtes Blank, 1955 Leiter des militärischen Führungsstabes im BMVtg, 1957-1961 Generalinspekteur der Bundeswehr; 1961 bis 1964 Vorsitzender des Militärausschusses der NATO in Washington.

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Seebohm notierte zu diesem TOP: „[Adenauer:] Rolle der deutschen Journalisten in Rußland: widerlich süßliche [?] positive Berichte [Vgl. hierzu 88. Sitzung am 30. Juni 1955 TOP A]. Französische Journalisten geben ganz andere, viel objektivere Darstellungen. Kaiser verlangt objektiven Bericht über Manöver ,carte blanche'. Adenauer: nach Bericht Speidel - Heusinger: Ausgang 50 : 50 wegen sofortiger Rückschläge. In Nevada konnte man 20 Minuten nach Wasserstoffbombenexplosion mit Panzern durch Explosionsgebiet fahren. Erdtruppen auch heute noch entscheidend. Atomkanonen und Langrohrartillerie erledigt; statt dessen Raketenwerfer. Also wirkungsvoller Schutz gegen atomaren Krieg für Zivil und Militär möglich. Unsere Arbeit geht doch darauf hin, den Einsatz von Atomwaffen unmöglich zu machen. Blücher: Propaganda, die konventionellen Waffen zu vernachlässigen, damit Russen im Ernstfall ungehindert spazieren gehen können. Strauß: Unser Verzicht auf ABC-Waffen hat uns als Großmacht ausgeschaltet; aber unsere additionelle Kraft ist bedeutungsvoll. Zuerst: Atomwaffenaustausch in den ersten 3-4 Stunden verhindert jeden Aufmarsch. Aufsplitterung und Einzelgruppen-Kampf. Trotzdem: öffentliche Sorglosigkeit nimmt besorgniserregend zu. Schutzmaßnahmen nach Kriegsausbruch sind nicht mehr durchführbar. Merkatz: Verharmlosen kommt nicht an. Vortrag Heusinger Montag 18 h in besonderer Kabinettssitzung. Adenauer: Frage der psychologischen Kriegsführung muß behandelt werden. Tillmanns: in der Bundestagsdebatte will SPD Atomfrage anschneiden." (N 1178/8d). - Fortgang 90. Sitzung am 11. Juli 1955 TOP A.

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Winfried Martini (geb. 1905). Journalist. 1935-1937 Nahost-Korrespondent in Jerusalem, 1937-1940 deutsche Rüstungsindustrie, 1940 AA, 1941-1943 England-Korrespondent in Stockholm, 1943 Berufsverbot aus politischen Gründen. Nach 1945 für verschiedene Zeitungen und den Bayerischen Rundfunk tätig.

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Nicht ermittelt.

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Blank nahm am 16. Juli 1955 zu den Luftmanövern „Carte blanche" Stellung (Stenographische Berichte Bd. 26, S. 5588-5590). Vgl. auch Bulletin vom 19. Juli 1955, S. 1112 f.

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