2.4.7 (k1969k): 6. Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an der Entwicklung eines „Airbus" in europäischer Gemeinschaftsarbeit, BMWi

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Palais SchaumburgBandrücken der EditionÜberreichung des ersten Bandes an Bundeskanzler Helmut SchmidtDas Bundesarchiv, KoblenzKabinettssitzung 1956

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6. Beteiligung der Bundesrepublik Deutschland an der Entwicklung eines „Airbus" in europäischer Gemeinschaftsarbeit, BMWi

Staatssekretär Dr. von Dohnanyi trägt den wesentlichen Inhalt der Kabinettvorlage des Bundesministers für Wirtschaft vom 29.1.1969 vor. 19 Die Gesamtentwicklungskosten des Airbus „A-300 B" beliefen sich auf 1655 Mio. DM (Kostenbasis 1968). Bei einer Fortführung der deutsch-französisch-britischen Zusammenarbeit entfalle auf die Bundesrepublik ein Kostenanteil von 25%. Die hierfür erforderlichen Mittel würden die Ansätze in der mittelfristigen Finanzplanung unterschreiten. Für den Fall des Ausscheidens Großbritanniens sollte das Projekt in bilateraler deutsch-französischer Partnerschaft auf der Grundlage einer Aufteilung der Entwicklungskosten und -arbeiten je zur Hälfte durchgeführt werden. Der dann entstehende Mehrbedarf sei bei der Fortschreibung der mehrjährigen Finanzplanung in den Jahren 1973 bis 1975 vorzusehen. Bundesminister Prof. Dr. Schiller sieht in dem Airbus-Projekt eine reelle Chance für die europäische zivile Luftfahrtindustrie. Er würde es begrüßen, wenn es bei der trilateralen Lösung verbliebe. In der gegenwärtigen Verhandlungsphase sollte man aber einer bilateralen Lösung nicht ausweichen. Bundesminister Leber erklärt, daß er nicht gegen die Entwicklung eines europäischen Fluggeräts sei; er glaube aber, daß der potentielle Markt für den Airbus überschätzt sei. Die Lufthansa werde voraussichtlich weniger Geräte ankaufen als in der Marktschätzung angenommen sei. 20 Im übrigen halte er es für fraglich, ob Frankreich das Projekt bei einer 50 : 50-Partnerschaft durchhalten werde.

19

Siehe 125. Sitzung am 29. Mai 1968 TOP 7 (Kabinettsprotokolle 1968, S. 225-227). - Vorlage des BMWi vom 29. Jan. 1969 in B 102/107556 und B 136/7733, weitere Unterlagen in B 102/232949 und B 108/43070. - Im September 1967 hatten die Bundesrepublik, Großbritannien und Frankreich eine Vereinbarung über die Entwicklung eines Großraumflugzeugs getroffen (Exemplar in B 136/7733; vgl. auch Bulletin Nr. 104 vom 27. Sept. 1967, S. 894). In einer sogenannten Projekt-Definitionsphase sollten Kosten und Marktlage sondiert und danach über den Bau von Prototypen entschieden werden. Das ursprüngliche Modell „A-300" für 300 Passagiere sollte entsprechend des ermittelten Bedarfs als Airbus „A-300 B" für 250 Passagiere gebaut werden. Zwischenzeitlich hatte die British Aircraft Corporation (BAC) ein dem Airbus „A-300" ähnliches Projekt entwickelt, und die britische Regierung sah nach den geplanten baulichen Änderungen ihrerseits keine Verpflichtung mehr, den Vertrag einzuhalten, da sie das Modell „A-300 B" als neues Projekt bewertete. - Der BMWi hatte das Kabinett um Zustimmung zur Durchführung des Projektes in trilateraler oder gegebenenfalls in bilateraler Zusammenarbeit gebeten.

20

Während der BMWi eine Abnahme durch die Deutsche Lufthansa AG von 28 Flugzeugen kalkulierte, erwartete der BMV nach einer Besprechung mit dem Lufthansa-Vorstand lediglich eine Abnahme von 20 Stück. Vgl. Anlage 3 der Vorlage und den Vermerk des BMV vom 3. Febr. 1969 in B 108/43070.

Staatssekretär Dr. von Dohnanyi erwidert, daß die Marktuntersuchungen ergeben hätten, daß der Airbus von der Kapazität und Auslegung des „A 300-B" eine bedeutende Marktlücke ausfülle. Die bilaterale Lösung sei für Frankreich akzeptabel. Frankreich brauche das Projekt im Interesse der eigenen Luftfahrtindustrie.

Das Kabinett beschließt sodann entsprechend der Vorlage des Bundesministers für Wirtschaft vom 29.1.1969. 21

21

Am 10. April 1969 trafen sich die deutsche, französische und britische Delegation zu einer weiteren Ministerkonferenz in London, bei der sich die drei Partner zwar nicht auf ein gemeinsames Projekt einigen konnten, jedoch Frankreich und die Bundesrepublik zunächst die Möglichkeit einer weiteren Mitarbeit Großbritanniens offenhielten (vgl. Protokoll und Kommuniqué vom 10. April 1969 in B 102/107534). - Am 29. Mai 1969 unterzeichneten Frankreich und die Bundesrepublik in Paris eine Vereinbarung über die Verwirklichung des „Airbus-300 B" (Exemplar in B 136/773). - Fortgang 18. Sitzung am 5. März 1970 TOP B (B 136/36169).

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