2.15.1 (k1964k): A. Pfingsttreffen der FDJ in Ostberlin

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[A.] Pfingsttreffen der FDJ in Ostberlin

Der Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen unterrichtet das Kabinett von den Überlegungen, die in seinem Ressort und im Berliner Senat in Bezug auf das bevorstehende Pfingsttreffen der FDJ in Ostberlin angestellt worden sind. Man habe zunächst eine „kleine Lösung" angestrebt; in der Presse seien jetzt aber Meldungen über einen Plan des Berliner Senators Albertz erschienen, nach dem etwa 100 000 bis 120 000 Jugendlichen an Pfingsten Gelegenheit zu einer Reise nach Berlin gegeben werden sollte 1. Da dieser Plan durch die Veröffentlichung als gezielte Aktion herausgestellt worden sei, habe der Berliner Senat beschlossen, ihn nicht weiter zu verfolgen.

1

Das von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) in der DDR organisierte sogenannte Deutschlandtreffen der Jugend, zu dem offiziell auch Teilnehmer aus der Bundesrepublik und West-Berlin eingeladen worden waren, sollte unter dem Motto „Für Demokratie, Humanismus, Sozialismus in ganz Deutschland" an den Pfingstfeiertagen vom 16. bis 18. Mai 1964 nach 1950 und 1954 zum dritten Mal in Ost-Berlin stattfinden. - Der am 5. April 1964 in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Vorschlag des Bürgermeisters und Senators für Sicherheit und Ordnung Heinrich Albertz war laut Pressemeldungen mit dem BMG abgesprochen und hatte die Begegnung von möglichst vielen jungen Menschen aus beiden Teilen Deutschlands außerhalb der offiziellen Veranstaltungen in Ost-Berlin zum Ziel. Vgl. dazu die „Welt" vom 6. April 1964, S. 2, sowie die Kritik aus der CDU, nachdem ungehinderte Zusammentreffen in- und ausländischer Gäste in Ost- und West-Berlin von der FDJ bereits entschieden abgelehnt worden seien, in CDP Nr. 66 vom 6. April 1964, S. 2. Zu einer „kleinen Lösung" des BMG konnten Hinweise nicht ermittelt werden.

Das Kabinett nimmt hiervon Kenntnis. In der sich anschließenden Erörterung, an der sich der Bundeskanzler, die Bundesminister des Auswärtigen, für Verkehr, für gesamtdeutsche Fragen, für Familie und Jugend, der Bundesschatzminister und Staatssekretär Dr. Hölzl beteiligen, wird an dem sogenannten Albertz-Plan Kritik geübt und Einvernehmen des Kabinetts darüber erzielt, daß eine Förderung aller in dieser Richtung liegenden Planungen, auch einer „kleinen Lösung", durch die Bundesregierung nicht in Betracht kommt 2.

2

Nach Angaben der Veranstalter nahmen am Deutschlandtreffen in Ost-Berlin insgesamt 560 000 Jugendliche teil, davon 24 000 aus der Bundesrepublik und 1000 aus West-Berlin. Vgl. Drogmann, Chronik 1964, S. 213. Zum Ablauf der Veranstaltungen in Ost- und West-Berlin vgl. die Berichte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 19. Mai 1964, S. 1 und 4.

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