2.7.2 (k1964k): B. Teilnahme von SBZ-Sportlern an den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf vom 25. Februar bis 1. März 1964 in Dortmund

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[B.] Teilnahme von SBZ-Sportlern an den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf vom 25. Februar bis 1. März 1964 in Dortmund

Der Bundesminister des Innern bittet das Kabinett um Zustimmung, daß für die Teilnahme von SBZ-Sportlern an den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf in Dortmund eine Ausnahmeregelung getroffen wird. Die Sportler sollen an den Weltmeisterschaften teilnehmen dürfen, wenn sie nicht als Vertreter der SBZ, sondern als Einzelperson und Mitglied eines bestimmten Vereins auftreten. Sie dürfen keine sowjetzonalen Embleme zeigen. Die Spalterflagge darf nicht gehißt werden und jede Propagandatätigkeit ist untersagt. Das Abspielen der Nationalhymne muß unterbleiben. Für die Bezeichnung der Sportler darf nur „Deutschland" in Verbindung mit der Herkunftsstadt verwendet werden 8. Der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen sowie Staatssekretär Professor Dr. Carstens erklären ausdrücklich, unter diesen Voraussetzungen gegen die Teilnahme von SBZ-Sportlern an den Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf keine Einwendungen zu haben. Der Stellvertreter des Bundeskanzlers und Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen teilt mit, daß der nordrhein-westfälische Innenminister um eine schriftliche Übermittlung des Kabinettsbeschlusses durch den Bundesminister des Innern bitte, da er bei der Zulassung der SBZ-Sportler von einem Beschluß der Innenminister-Konferenz vom 1. März 1962 abweichen müsse 9.

8

Zur Frage der Präsentation von Flagge und Hymne der DDR bei Sportveranstaltungen siehe 130. Sitzung am 23. Nov. 1960 TOP L (Kabinettsprotokolle 1960, S. 408). - Nach dem Abbruch des innerdeutschen Sportverkehrs durch den Deutschen Sportbund (DSB) infolge des Berliner Mauerbaus 1961 hatten sich Anfang März 1962 BMI, BMG und AA mit den Innenministern der Länder und dem DSB darauf verständigt, bei internationalen Sportveranstaltungen in der Bundesrepublik die Teilnahme von DDR-Mannschaften, die ihr Land repräsentierten, künftig polizeilich zu verbieten. Vgl. den undatierten Vermerk des BMG über die Besprechung im AA am 1. März 1962 in B 137/2745. - Für die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften war im Falle der Nichtzulassung einer DDR-Mannschaft eine kurzfristige Fortverlegung zu befürchten. In einer Besprechung am 4. Febr. 1964 im AA hatten sich Vertreter von AA, BMI und BMG auf die vorgeschlagene Ausnahmeregelung verständigt. Dabei hatten sie geltend gemacht, dass nach dem Reglement bei Eiskunstlaufwettbewerben auf Nationalfahnen und -hymnen ohnehin verzichtet würde und sich zudem Bundesaußenminister Schröder zuvor hinsichtlich der Europameisterschaften im Eisschnelllauf am 18. und 19. Jan. 1964 in Oslo gegenüber seinem norwegischen Amtskollegen mit der Teilnahme von Läufern aus der DDR ausdrücklich einverstanden erklärt habe. Vgl. den Besprechungsvermerk des BMG vom 5. Febr. 1964 in B 137/2746, weitere Unterlagen in B 137/2748.

9

Innenminister Willi Weyer hatte Mende vor der Besprechung am 4. Febr. 1964 telefonisch mitgeteilt, dass er die Angelegenheit nach der Kabinettsentscheidung der nächsten Innenministerkonferenz am 12. Febr. 1964 vortragen werde (vgl. den Vermerk des BMG vom 5. Febr. 1964 in B 137/2746).

Das Kabinett beschließt entsprechend dem Vorschlag des Bundesministers des Innern 10.

10

Die Mannschaft der DDR lehnte eine Teilnahme unter den genannten Bedingungen ab. Sie reiste vor Beginn der Wettkämpfe am 25. Febr. 1964 wieder aus Dortmund ab, nachdem sie zuletzt vergeblich zumindest auf die Bezeichnung „Deutschland (Ost)" als Herkunftsland bestanden hatte. Vgl. die Vermerke des Bundeskanzleramts und des AA vom 25. Febr. 1964 in B 136/5555 bzw. AA B 94, Bd. 1502. - Zur Teilnahme von DDR-Mannschaften an internationalen Sportveranstaltungen Fortgang 8. Sitzung am 15. Dez. 1965 TOP 3 (B 136/36137).

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