2.34.9 (k1967k): A. Memoiren von Botschafter Kroll

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[A.] Memoiren von Botschafter Kroll

Bundesminister Brandt berichtet, daß die Memoiren, die Botschafter Kroll dem Auswärtigen Amt zur Durchsicht vorgelegt habe, in einer Reihe von Fällen Anlaß gegeben hätten, den Autor zu einer Aussprache zu bitten. 26 Zum Teil handele es sich um offensichtlich ungerechte Urteile über Menschen, zum Teil aber auch um Fragen der Geheimhaltung. Nach dem plötzlichen Tod des Botschafters und angesichts der Tatsache, daß bereits am kommenden Montag mit einem Vorabdruck der Memoiren begonnen werde, habe er entschieden, daß keinerlei Schritte unternommen werden sollen. 27 Nach einer Aussprache, an der sich der Bundeskanzler und die Bundesminister Dr. Schröder, Brandt, Wischnewski und Lücke beteiligen, nimmt das Kabinett zustimmend Kenntnis. Das Kabinett beauftragt den Bundesminister des Innern, zu überprüfen, ob mit den vorhandenen rechtlichen Bestimmungen in ausreichendem Maße verhindert werden kann, daß Beamte im aktiven Dienst und im Ruhestand geheimzuhaltende Tatsachen veröffentlichen, und über das Ergebnis zu berichten. 28

26

Am 13. Febr. 1962 hatte der Botschafter der Bundesrepublik in Moskau Hans Kroll Journalisten gegenüber eine Neuakzentuierung der Ostpolitik der Bundesregierung und der Beziehungen der Bundesrepublik zur Sowjetunion angedeutet. Kroll hatte sich damit Vorwürfe aus dem In- und Ausland zugezogen, eine Entmilitarisierung der Bundesrepublik und die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie zu befürworten (vgl. 18. Sitzung am 9. März 1962 TOP H: Kabinettsprotokolle 1962, S. 182), und war im September 1962 aus Moskau abberufen worden. - Im März 1967 hatte der inzwischen pensionierte und mit der Abfassung seiner Erinnerungen befasste Kroll das Manuskript seines Memoirenkapitels über seinen Dienst als Botschafter in Moskau dem AA zur Einsichtnahme übergeben. Anfang August 1967 hatte das AA Kenntnis von dem bevorstehenden Vorabdruck eines Teils der Erinnerungen Krolls in „Der Spiegel" erhalten. Der daraufhin mit der Analyse des Manuskriptauszugs für das AA beauftragte Botschafter a. D. Georg Ferdinand Duckwitz war zu dem Ergebnis gekommen, dass Kroll durch schwerwiegende Indiskretionen sowohl das AA als auch einzelne seiner Mitarbeiter und sonstige Personen diffamiert und gegen die einem Ruhestandsbeamten obliegende Geheimhaltungspflicht verstoßen habe. Dass damit die Einleitung rechtlicher Schritte gegen die Veröffentlichung erforderlich geworden war, konnte aus der Einschätzung Duckwitz' geschlossen werden, obwohl sie hierzu keine ausdrückliche Empfehlung enthielt. Vgl. die Aufzeichnung Duckwitz' vom 8. Aug. 1967 in AA Personalakte Kroll, Bd. 52079, sowie Kühlem, Hans Kroll, S. 607-612.

27

Nach dem Tod Krolls am 8. Aug. 1967 hatte Duckwitz am Folgetag im Gegensatz zum Tenor seiner bisherigen Einschätzung von rechtlichen Schritten abgeraten, um insbesondere die Verfestigung einer in der öffentlichen Meinung bereits entstandenen Märtyrerrolle Krolls zu verhindern. Daraufhin hatte Brandt seine Bedenken gegen die Veröffentlichung von Teilen der Erinnerungen Krolls im Hinblick auf dessen Ableben zurückgestellt. Vgl. die Stellungnahme Duckwitz' für Brandt vom 9. Aug. 1967 und die Vermerke des AA vom 9. und 10. Aug. 1967 in AA Personalakte Kroll, Bd. 52079.

28

Der Vorabdruck von Auszügen der Erinnerungen Krolls erfolgte unter dem Serientitel „Meine Mission in Moskau" in „Der Spiegel" Nr. 34 vom 14. Aug. 1967, S. 31-39, bis Nr. 38 vom 11. Sept. 1967, S. 69-85. Das Buch Krolls erschien unter dem Titel „Lebenserinnerungen eines Botschafters" ebenfalls im Jahr 1967.

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