2.1.5 (x1956e): 3. Geplante Lohnerhöhung und Arbeitszeitkürzung beim Volkswagenwerk, BMWi

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Kabinettsausschuß für Wirtschaft. Band 3. 1956-1957Alfred Hartmann, Ludger Westrick, Hermann Wandersleb, Günther BergmannSchreiben des Bankiers Robert Pferdmenges an Konrad AdenauerGebäude des Bundesministeriums für WirtschaftGraphische Darstellung der landwirtschaftlichen Nutzflächen 1956

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3. Geplante Lohnerhöhung und Arbeitszeitkürzung beim Volkswagenwerk, BMWi

Die Beratung dieses Punktes wird ebenfalls abgesetzt, da nach dem Vortrag von Min.Direktor Dr. Krautwig der Bundesminister für Wirtschaft diesem Punkt eine besondere Bedeutung beimesse und ihn selbst vortragen und vertreten wolle 40. Trotz der Lohnerhöhung in der metallverarbeitenden Industrie seien die Löhne im Volkswagenwerk auch heute noch höher als in der Metallindustrie Niedersachsens. Er müsse sich deshalb gegen jede unmittelbare oder mittelbare Lohnerhöhung aussprechen.

40

Siehe 116. Kabinettssitzung am 27. Jan. 1956 TOP B (Kabinettsprotokolle 1956, S. 148), vgl. auch 110. Kabinettssitzung vom 21. Dez. 1955 TOP B (Arbeitszeit - Urlaubsregelung in Nordrhein-Westfalen: Kabinettsprotokolle 1955, S. 749). - Im dritten Quartal 1955 waren für rund 10% aller Beschäftigten in der Bundesrepublik neue Tarifverträge abgeschlossen und Gehalts- und Lohnerhöhungen von durchschnittlich 8,1% vereinbart worden (Informations- und Nachrichtendienste des DGB 1955, S. 181). Nachdem in der metallverarbeitenden Industrie in Niedersachsen am 14. Dez. 1955 eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 8,65% vereinbart worden war, hatte die IG Metall den mit der Volkswagenwerk GmbH bestehenden Vertrag gekündigt. Sie strebte eine Lohnerhöhung von ca. 10% an. Es wurde um eine Nominallohnerhöhung von rund 5% verhandelt. Die Differenz sollte durch eine Arbeitszeitverkürzung, bei vollem Lohnausgleich, von zunächst zwei Stunden pro Woche ausgeglichen werden (zu den Verhandlungen vgl. den Bericht der Bezirksleitung Hannover der IG Metall vom 10. Febr. 1956 in IG Metall-Zentralarchiv im AdsD, Bestand 1-2, Sign. 300, weitere Unterlagen in B 102/36950 und 76038).

Der Bundesminister für Arbeit meint, die Angelegenheit sollte in einer Chefbesprechung zwischen den Bundesministern für Wirtschaft, der Finanzen und für Arbeit erörtert werden. Die Erklärung, die der Generaldirektor Nordhoff 41 in Rom abgegeben habe, stelle die gesamte Arbeit der Ministerien auf den Kopf. Es handele sich dabei um die ernstesten Fragen, die nur von den Ministern selbst besprochen werden könnten. Es sei völlig unmöglich, die Einführung der 40-Stunden-Woche aufzuhalten, wenn die Spitzenbetriebe des Bundes selbst in dieser Richtung vorgehen würden.

41

Heinrich Nordhoff (1899-1968). 1926-1930 Dipl.-Ing. bei der Bayrischen Motoren Werke-AG (BMW) in München, 1930-1946 bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim, 1942 Leiter der Opel-Lastwagenwerke in Brandenburg/Havel, 1948-1968 Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Volkswagenwerk GmbH bzw. AG in Wolfsburg.

Min.Direktor Prof. Dr. Oeftering stimmt einer Chefbesprechung zu. Die Erklärung Nordhoffs in Rom sei in einer AP-Nachricht nicht klar wiedergegeben 42. Er verliest hierzu einen dienstlichen Bericht Nordhoffs, aus dem hervorgeht, daß dieser sich auf eine Frage des Korrespondenten dazu geäußert hat, ob in Deutschland die Produktion nach Einführung der 40-Stunden-Woche auf der jetzigen Höhe gehalten werden könne 43.

42

Nordhoff hatte in Rom anläßlich einer Privataudienz bei Papst Pius XII. am 17. Jan. 1956 von Überlegungen der Geschäftsleitung und des Betriebsrates zur Verkürzung der Wochenarbeitszeit berichtet und angekündigt, daß innerhalb von zehn Tagen entschieden würde, ob die 40-Stunden-Woche eingeführt werden könne. Gegenstand der Privataudienz war ein Gespräch über „die sozialen Aufgaben und die Menschenführung im Volkswagenwerk" (Düsseldorfer Nachrichten vom 23. Jan. 1956, vgl. auch die Süddeutsche Zeitung vom 19. Jan. 1956 und das Schreiben des Unternehmensarchives der Volkswagen AG an das Bundesarchiv vom 14. März 2000). Schäffer gegenüber hatte Nordhoff am 30. Jan. 1956 in Hamburg erklärt, daß seine Äußerungen von AP mißverständlich dargestellt worden seien (vgl. das Schreiben Schäffers an Erhard vom 1. Febr. 1956 in B 102/76038).

43

Nicht ermittelt.

Die Gewerkschaften hätten im Volkswagenwerk den Lohn gekündigt und verlangten eine Erhöhung von 5%. Dieser Mehrlohn werde bereits gezahlt. Trotzdem liege das Lohnniveau im Volkswagenwerk auch jetzt noch unter dem, was z.B. von den Continental-Werken gezahlt werde 44. Auch die von Hanomag gezahlten Löhne seien höher. Herr Nordhoff sei von dem Bundesminister der Finanzen angewiesen, wegen der Lohnerhöhung keine Vereinbarung mit der Gewerkschaft zu treffen. Der im Volkswagenwerk seit einiger Zeit eingeführte freie Samstag mit Lohnausgleich beruhe ausschließlich auf betriebsinternen Gründen im Zusammenhang mit der Einrichtung des Werkes in Hannover-Stöcken. Herr Min.Direktor Prof. Dr. Oeftering verliest in diesem Zusammenhang ein Schreiben vom 25.1.1956 an das Volkswagenwerk, aus dem sich dieser Sachverhalt ergibt 45.

44

Laut Schreiben der Volkswagenwerk GmbH an Oeftering vom 10. Febr. 1956 lag der Zeitlohn für Facharbeiter im Januar 1956 bei der Continental Gummiwerke AG Hannover bei 2,47 DM gegenüber 2,43 DM bei der Volkswagenwerk GmbH (B 115/3422).

45

Abschrift des Schreibens Oefterings an Nordhoff vom 25. Jan. 1956 in B 102/76038.

Der Bundesminister für Arbeit bittet, ihm noch vor der Chefbesprechung schriftliche Unterlagen über die Lohnzahlungen bei Hanomag vorzulegen 46.

46

Nicht ermittelt. - In einem Schreiben an Oeftering und Storch sprach sich Erhard dafür aus, das Problem der Arbeitszeitverkürzung beim Volkswagenwerk in einer Chefbesprechung oder im Kabinettsausschuß für Wirtschaft nochmals zu behandeln (Schreiben vom 6. Febr. 1956 in B 115/3422). - Fortgang 139. Kabinettssitzung am 13. Juni 1956 TOP 3 (Kabinettsprotokolle 1956, S. 414-417).

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