2.25.1 (x1956e): 2. Weltausstellung Brüssel 1958; hier: Vortrag des Senators a.D. Wenhold, BMWi, BMF

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Kabinettsausschuß für Wirtschaft. Band 3. 1956-1957Alfred Hartmann, Ludger Westrick, Hermann Wandersleb, Günther BergmannSchreiben des Bankiers Robert Pferdmenges an Konrad AdenauerGebäude des Bundesministeriums für WirtschaftGraphische Darstellung der landwirtschaftlichen Nutzflächen 1956

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2. Weltausstellung Brüssel 1958; hier: Vortrag des Senators a.D. Wenhold, BMWi, BMF

Senator a.D. Wenhold berichtet, daß die deutschen Vorbereitungen für die Weltausstellung in Brüssel seit seinem letzten Vortrag zügig fortgeschritten seien 2. Insbesondere habe man die endgültige Aufteilung für die einzelnen Ausstellungsthemen auf die 7 Pavillons vorgenommen. Danach werden zur Schau gestellt im

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Siehe 56. Ausschußsitzung am 6. Aug. 1956 TOP 1. - Kurzbericht über den Stand der Vorarbeiten für die deutsche Beteiligung an der Weltausstellung Brüssel 1958 vom 14. Dez. 1956 mit Zeitplan in B 102/37725, zu den Ausgestaltungsvorschlägen der einzelnen Häuser. Protokoll der zweiten Zusammenkunft mit den Innenarchitekten und Fachleuten der einzelnen Themenbereiche vom 22. Febr. 1956 in B 102/37724. Weitere Unterlagen in B 157/2010 bis 2015.

Haus 1 - Landwirtschaft und Handwerk,

Haus 2 - Arbeiterschutz und Arbeitserleichterung,

Haus 3 - Wohnung und Siedlung,

Haus 4 - Textil und Leder,

Haus 5 - Freizeitgestaltung in geistiger Hinsicht,

Haus 6 - staatliche und betriebliche Sozialarbeit,

Haus 7 - medizinische Vorsorge, insbesondere Heilbäder.

Im Haupthaus soll der Erziehungsbereich dargestellt werden; im gleichen Haus werden auch Verwaltungs- und Empfangsräume untergebracht sein. Der Vortragende führt weiter aus, daß es gelungen sei, namhafte deutsche Wissenschaftler für die Mitarbeit an der Gestaltung des internationalen Pavillons der Wissenschaften zu gewinnen. In diesem Pavillon sollen die jüngsten Fortschritte der Wissenschaft dargestellt werden, wobei man jedoch auf das Herausstellen besonderer nationaler Verdienste verzichten will. Erfreulich sei auch, daß die für eine Ausstellung im internationalen Pavillon der Künste (Albertinum) vorgesehenen Kunstwerke zu 31% deutscher Herkunft seien 3. Im übrigen sei es auch gelungen, näheres über die Themenstellung für die Ausstellung der anderen Nationen zu erfahren. Holland z.B. habe sich das Thema „Das Wasser, Freund und Feind des Menschen" gestellt. Den für die deutsche Ausstellung benötigten Betrag von 23,7 Mio. DM habe der Haushaltsausschuß des Bundestages kürzlich genehmigt 4. Auf eine Frage des Staatssekretärs Dr. Wandersleb erklärt er, daß Belgien für eigene Aufwendungen anläßlich der Weltausstellung einen Betrag von 2,5 Mia. DM vorgesehen habe.

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Die wissenschaftliche Leitung hatte der Nobelpreisträger Prof. Dr. Hermann Staudinger (Freiburg) übernommen, seine Mitarbeiter waren für die Atomphysik Prof. Dr. Karl Wirtz (Göttingen) und für Biologie Prof. Dr. Wolfhard Weidel (Tübingen). Prof. Dr. Rudolf Hilsch (Göttingen) war mit den physikalischen Themen beauftragt worden. Die Vorbereitungen für die Teilnahme an den beiden Kunstausstellungen „Kunst der Gegenwart" und „Der Mensch und die Kunst" leitete Prof. Dr. Kurt Martin (Karlsruhe). Vgl. die Sitzungsprotokolle des Beirates des Generalkommissars in B 102/37724.

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Der Haushaltsausschuß hatte am 22. Jan. 1957 die beantragte Summe für die Brüsseler Weltausstellung genehmigt (Niederschrift über die 15. Sitzung des Arbeitskreises für die Brüsseler Weltausstellung am 31. Jan. 1957 in B 157/2011, vgl. auch das Kurzprotokoll der 192. Sitzung des Haushaltsausschusses am 22. Jan. 1957 im Parlamentsarchiv des Deutschen Bundestages).

Ministerialdirigent Rossig, BMF, legt dar, daß die für die Errichtung der Baulichkeiten erforderlichen Beträge sich auf 13 Mio. DM erhöht hätten. Dabei sei jedoch zu bedenken, daß 50% dieser Ausgaben später wieder hereinkommen würden, da die deutschen Gebäude nach der Ausstellung abgebrochen, verkauft und anderweitig wieder aufgestellt werden könnten. Mit den Bauarbeiten sei bereits begonnen worden. Man könne damit rechnen, daß im Oktober mit der innenarchitektonischen Gestaltung begonnen werden könne.

Ministerialdirektor Dr. van Scherpenberg, AA, regt an, auch die deutsche technische Hilfe für Entwicklungsländer im Rahmen der deutschen Ausstellung darzustellen. Dieser Vorschlag wird von Staatssekretär Sauerborn unterstützt, zumal sich herausgestellt habe, daß die Bundesrepublik hinsichtlich der Berufsförderung (Lehrwerkstätten u.dgl.) in unterentwickelten Ländern an der Spitze aller Staaten stehe. Der Bundesminister für Wirtschaft ist der Auffassung, daß dies nichts mit der Gestaltung unseres Lebens zu tun habe. Es gelte ferner, auf dieser Ausstellung den uns gegenüber erhobenen Vorwurf zu entkräften, wir dächten und handelten zu materialistisch. Es sollte davon abgesehen werden, die Entwicklung und Steigerung unserer Produktivkräfte zu zeigen. Man sollte vielmehr allein unsere Auffassung über die rein menschliche innere Lebensgestaltung darstellen. Dieser Auffassung schließen sich auch die anderen Ressorts an, nachdem Senator a.D. Wenhold darauf hingewiesen hat, daß keinesfalls beabsichtigt sei, eine Leistungsschau zu geben.

Auf die Frage des Ministerialdirektors Dr. van Scherpenberg, AA, ob man bereits in größerem Umfang die Presse auf das der deutschen Abteilung in Brüssel gestellte Leitthema hingewiesen habe, erklärt Senator a.D. Wenhold, daß er erst vor kurzer Zeit eine umfangreiche Pressekonferenz abgehalten habe, daß er aber nicht beabsichtige, Einzelnachrichten an die Presse zu geben, sondern mit dem Fortschreiten der Arbeiten in Brüssel in künftig immer häufigeren Pressekonferenzen der Öffentlichkeit Material über das von der Bundesrepublik auf der Weltausstellung verfolgte Ziel zugängig zu machen.

Der Kabinettsausschuß nimmt in Aussicht, zu gegebener Zeit Herrn Senator a.D. Wenhold erneut um einen Vortrag über die Vorarbeiten für die Brüsseler Weltausstellung zu bitten 5.

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Zu einem weiteren Vortrag Wenholds im Kabinettsausschuß für Wirtschaft kam es nicht. - Fortgang 22. Kabinettssitzung am 22. April 1958 TOP D (B 136/36118).

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