2.51.8 (k1950k): A. Angstkäufe

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[A.] Angstkäufe

Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hält es für möglich, daß die Zuckerversorgung durch die Angstkäufe 15 gefährdet wird, zumal sich auch normalerweise der Bedarf zur Zeit der Obsternte wegen des Einkochens im Haushalt verdreifacht bis verfünffacht und öffentlich kontrollierte Reserven nicht vorhanden seien. Allerdings seien nach amerikanischer Ansicht trotz Korea beim Import Transportschwierigkeiten nicht zu erwarten. Wenn es aber auch in Norddeutschland im selben Umfang zu Angstkäufen wie in Süddeutschland käme 16, können trotzdem Schwierigkeiten in der Versorgung auftreten.

Auch Öl werde sehr stark gekauft. Die starken Margarineeinkäufe seien aber eher auf die kommende Ausgleichsabgabe und die befürchtete Preiserhöhung zurückzuführen. Der Bedarf des Ruhrgebietes an Butter könne aus den Überschüssen Schleswig-Holsteins und Niedersachsens gedeckt werden. Dagegen sei die Lage in Süddeutschland angespannt. Auf dem ganzen Fettsektor treten auch schon auf dem Weltmarkt Verknappungserscheinungen auf.

Der Stellvertreter des Bundeskanzlers erinnert an die ungünstige Entwicklung der Sparkasseneinlagen in den letzten 14 Tagen. Warenverknappung und Preiserhöhungen könnten auch in währungstechnischer Hinsicht zu einer gefährlichen Entwicklung führen. Er ersucht die Kabinettsmitglieder eindringlich, bis auf weiteres alle Dienstreisen soweit wie möglich einzuschränken, damit das Kabinett im Bedarfsfalle sofort zusammentreten und die aus der jeweiligen Situation sich ergebenden Maßnahmen treffen könne. Er denke zunächst insbesondere an Maßnahmen, die einen verlangsamten und kontinuierlichen Abfluß der Vorratsbestände über den Handel zu den Kleinverteilern und Verbrauchern sichern 17.

Fußnoten

15

Die Korea-Krise (vgl. 78. Sitzung am 29. Juni 1950 TOP C) hatte eine Kaufwelle ausgelöst.

16

Bereits am 5. Mai hatte der BMWo von Hortungserscheinungen im süddeutschen Raum berichtet, die durch Vorsorgemaßnahmen der Schweiz ausgelöst worden waren (B 136/7521).

17

Fortgang 84. Sitzung am 18. Juli 1950 TOP B (Versorgungslage).

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