2.65.8 (k1950k): A. Übersendung von Kunstwerken zu Ausstellungszwecken nach Berlin

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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[A.] Übersendung von Kunstwerken zu Ausstellungszwecken nach Berlin

Der Bundesminister der Finanzen unterrichtet das Kabinett über den Gang der bisherigen Verhandlungen 24. Er teilt mit, daß er die Übersendung der Bilder nach Berlin von 3 Vorausbedingungen abhängig gemacht hat:

1.

Übernahme der Versicherung durch Berlin,

2.

Anerkennung der Eigentumsansprüche des Bundes durch Berlin,

3.

Einverständnis mit einer Ausstellungsdauer von nur 3 Monaten unter Anerkenntnis des Rechts des Bundes, die Bilder aus besonderen Gründen jederzeit auch vor Ablauf der 3 Monatsfrist zurückverlangen zu können.

Ein klares Anerkenntnis dieser 3 Bedingungen ist von Berlin bisher nicht ergangen.

Die überwiegende Meinung des Kabinetts geht dahin, daß es eine nahezu unvertretbare Situation sei, die 120 wertvollen Bilder - wie vorgesehen - nach Berlin zu senden. Der Transport soll zu je 40 Bildern in 3 Flugzeugen erfolgen. Der Verlust eines Flugzeuges würde die Bundesregierung in die Gefahr bringen, schwersten Vorwürfen ausgesetzt zu werden.

Es soll nochmals mit Stadtrat Klein 25 von Berlin unter Hinzuziehung von Staatssekretär Sattler 26 aus München als Kunstsachverständigem über die Angelegenheit gesprochen werden. Hierbei soll vor allem geprüft werden, ob nicht nur eine bestimmte Auswahl an Bildern nach Berlin geschickt werden kann, um so nicht eine Gefährdung gerade der wertvollsten Kunstschätze auf sich zu nehmen 27.

Fußnoten

24

Gegen den ablehnenden Beschluß des Kabinetts (vgl. 96. Sitzung am 15. Sept. 1950 TOP G) hatte Reuter am 16. Sept. 1950 bei Adenauer energisch Einspruch erhoben und u. a. angeführt: „Die Begründung [der Ablehnung] würde eine Rechtfertigung all der Schwierigkeiten bedeuten, die Berlin und seine Wirtschaft in ihren ständigen Bemühungen um Belebung der Berliner Wirtschaft, um Erlangung von Aufträgen und Festigung unserer Position dauernd zu überwinden sucht. Sie muß von der sowjetischen Seite so verstanden werden, daß die im Westen Deutschlands in Frage kommenden politischen Kräfte an eine Behauptung Berlins im entscheidenden Falle nicht glauben. Sie muß national die Stellung nicht nur Berlins, sondern auch Westdeutschlands gefährden. ..." (B 136/5818).

25

Dr. Günter Klein (1900-1963). 1949-1953 und ab 1955 Mitglied des Magistrats von Groß-Berlin bzw. des Senats von Berlin und Bevollmächtigter des Landes Berlin beim Bund; 1961 Berliner Abgeordneter im Deutschen Bundestag (SPD).

26

Dr. Dieter Sattler (1906-1968). Nach 1945 Vorsitzender des Berufsverbandes der Architekten und Bauingenieure Münchens. 1947-1951 StS für die Schönen Künste im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus; 1950 Präsident des deutschen Bühnenvereins; ab 1952 im diplomatischen Dienst, 1959-1966 Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes.

27

Fortgang 98. Sitzung am 22. Sept. 1950 TOP B.

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