4.44 (k1950k): Dokument Nr. 44

Zum Text. Zur Fußnote (erste von 5). Zu den Funktionen. Zum Navigationsmenü. Zum Navigationsbaum

 

Bandbilder:

Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

Extras:

 

Text

Dokument Nr. 44

23. September 1950

Der Bundeskanzler an den Bundesminister des Innern (Entwurf) 1

Sehr geehrter Herr Heinemann!

Wie ich Ihnen bereits mündlich mitteilte 2, beabsichtigen die Herren Gerstenmeier, Tillmanns 3 und Kunze Sie Anfang nächster Woche aufzusuchen. Zur Vorbereitung dieser Besprechung darf ich Ihnen meinen Standpunkt in der entscheidenden Frage nochmals präzisieren, nachdem ich Ihr Memorandum 4 und Ihren mündlichen Zusatz, ,Gott habe uns die Waffen zweimal aus der Hand genommen, wir dürften sie nicht zum dritten Male in die Hand nehmen, sondern müßten geduldig warten,' mit größter Sorgfalt überdacht habe.

Ich stimme darin mit Ihnen überein, daß den Alliierten die Verpflichtung obliegt, für unsere Sicherheit gegen Angriffe von außen zu sorgen. Das habe ich ja immer wieder den Hohen Kommissaren vorgetragen und kann mit großer Genugtuung feststellen, daß in dem New Yorker Kommuniqué 5 die von mir erbetene Zusage gegeben worden ist. Ich stimme auch darin mit Ihnen überein, daß es nicht an uns ist, um eine deutsche Beteiligung an militärischen Maßnahmen nachzusuchen oder auch nur anzubieten, daß wir vielmehr abwarten müssen, ob die Alliierten an uns herantreten und uns um unsere Mitwirkung ersuchen. Ich bin auch der Auffassung, daß alsdann dieses Ersuchen einer sehr sorgfältigen Prüfung durch uns unterzogen werden muß.

Besonders und nachdrücklich betone ich, daß auch ich ebenso wie Sie die Bewahrung des Friedens will.

Unsere Auffassungen unterscheiden sich nur in folgendem:

Sie sind der Auffassung, daß geduldiges Warten den Frieden erhalten werde.

Ich bin angesichts der Heeresmacht, die Sowjet-Rußland in der Sowjetzone gegen Deutschland aufgestellt hat, angesichts der Drohungen der Ostzonenregierung der Auffassung, daß der Frieden nur dann gewahrt wird, wenn es gelingt, eine europäisch-amerikanische Streitmacht aufzustellen, die Sowjet-Rußland klar macht, daß es selbst größte Gefahr läuft, wenn es den Frieden bricht. Wie ich wiederholt erklärt habe, würde ich es besonders begrüßen, wenn diese Streitmacht ohne uns aufgestellt werden könnte. Erst wenn nach reiflicher Überprüfung aller Umstände und aller Verhältnisse sich ergeben sollte, daß die Westalliierten Deutschlands Mitwirkung bei der Aufstellung der Streitmacht für notwendig halten und verlangen, würden wir uns einer solchen Aufforderung nicht entziehen können, um den Frieden nicht zu gefährden.

Mit besten Grüßen

Ihr

(Adenauer)

Fußnoten

1

Druckvorlage: Ungezeichnete Ausfertigung, zwei Seiten, in NL Adenauer/11.02. Briefkopf: „Bundesrepublik Deutschland Der Bundeskanzler". Mit handschriftlichem Vermerk: „Brief wurde noch geändert". (Siehe dazu Dokument Nr. 51). - Gedruckt in Rhöndorfer Ausgabe S. 275-278.

2

Siehe Dokument Nr. 43 Anmerkung 1.

3

Dr. Robert Tillmanns (1896-1955). Mitbegründer der CDU in Berlin, 1945 Generalsekretär des Hilfswerkes der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1946 MdL in Sachsen, 1949-1955 MdB, 1953-1955 Bundesminister für besondere Aufgaben, 1952 Mitbegründer und 1954-1955 Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU.

4

Siehe Dokument Nr. 26.

5

Vgl. Dokument A Anmerkung 64 und Dokument Nr. 47.

Extras (Fußzeile):