4.45 (k1950k): Dokument Nr. 45

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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Dokument Nr. 45

23. September 1950

Prof. Ulrich Noack (Würzburg) an den Bundesminister des Innern 1

Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister!

Es freut mich, daß Sie das Programm des Nauheimer Kreises mit unserm echten Rundschreiben 2 inzwischen erhalten und daraus ersehen haben werden, daß jenes Mitteilungsblatt vom 8. 9., das Ihren Namen erwähnt, eine Fälschung 3 war. Da sich Ihr Brief 4 auf diese Fälschung beziehen muß, verstehe ich den verwahrenden Ton Ihres Schreibens, ja ich muß, wenn ich mir vorstelle, daß Sie jene Fälschung offenbar für echt hielten, mich sogar bei Ihnen bedanken, daß der Ton Ihrer Verwahrung dann nicht noch schärfer war.

In keinem meiner Rundschreiben habe ich mich über Ihre Haltung zum Nauheimer Kreis geäußert. Erst die irreführende Art in der die gefälschten sogenannten Nachrichten des Nauheimer Kreises von „Verhandlungen" zwischen mir und Ihnen berichteten, als ob es sich dabei gewissermaßen um diplomatische Anknüpfungen gehandelt habe, hat mich natürlich dazu gezwungen, meinen Freunden den wahren Sachverhalt mitzuteilen.

Da Sie sehr verehrter Herr Minister mir in Ihrem Brief bestätigten, daß Sie mein Protokoll der Vorstandssitzung der CSU Würzburg 5 empfangen und mit Interesse gelesen haben, darf ich ja davon ausgehen, daß Ihnen nun, nach Empfang auch meines echten Rundschreibens, vor allem auch unseres Programms, sicherlich die völlige Abwegigkeit dieser Fälschung klar geworden ist.

Es tat mir leid, daß meine Richtigstellung zu spät kam, um Ihre öffentliche Erklärung 6 über meine sogenannte „Brunnenvergiftung" zu verhüten. Nach dem persönlichen Eindruck den ich von Ihnen bei unserm kurzen Gespräch 7 haben durfte, bin ich gewiß, daß Sie die Methoden mit denen man mich bekämpft und für die ja der Ausdruck „Brunnenvergiftung" tatsächlich zutreffen dürfte, nicht billigen können.

Eine besondere Ironie liegt wohl darin, daß ich in der gleichen Stunde, als in den Zeitungen des 14. September jene Falschmeldung über den Nauheimer Kreis und Ihre Bemerkung über die „Brunnenvergiftung" erschien, vor der Evangelischen Akademie in Bad Boll einen Vortrag hielt über „Die Auswirkungen von Deklassierung und Diskriminierung in Geschichte und Gegenwart"!

Es entzieht sich meiner Kenntnis, daß Herr Dr. D[...] in Koblenz Erklärungen über Sie abgegeben hat. Mit gleicher Post werde ich deswegen an ihn schreiben.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr

Ulrich Noack

Fußnoten

1

Druckvorlage: Unterschriebene Ausfertigung in NL Heinemann/32. Briefkopf: „Prof. Dr. Ulrich Noack Würzburg". Mit Eingangstempel des BMI: „25. Sep. 1950".

2

Nicht ermittelt.

3

Siehe Dokument Nr. 24.

4

Siehe Dokument Nr. 29.

5

Siehe Dokument Nr. 25 Anmerkung 2.

6

Siehe dazu die Neue Zeitung vom 14. Sept. 1950 („Bundesinnenministerium nennt Meldung des Nauheimer Kreises Brunnenvergiftung").

7

Siehe Dokumente Nr. 8, 9 und 21. - Fortgang Dokument Nr. 49.

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