4.51 (k1950k): Dokument Nr. 51

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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Dokument Nr. 51

26. September 1950

Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau Martin Niemöller (Wiesbaden) an den Bundesminister des Innern 1

Lieber Bruder Heinemann!

Ich habe vier Tage in Detmold verschlafen und fühle mich leiblich einigermaßen erholt. Aber diese Erholung ist einer sehr starken Belastungsprobe ausgesetzt, wenn ich nun sehe, was sich in dieser vergangenen Woche getan hat.

Ich suche noch vergeblich, Klarheit zu gewinnen, was eigentlich von der westdeutschen Bundesregierung angeordnet worden ist in bezug auf kommunistische Organisationen 2. Ich weiß nur, daß die Sache mit Deinem Namen in Zusammenhang gebracht wird, und daß kein Mensch daran denkt oder davon spricht, daß dies „Verbot" auf jeden Fall auf eine Forderung des Petersbergs bezw. des Herrn McCloy zurückgeht.

Ich bin nun in größter Sorge, daß Du in dieser Sache von Adenauer überspielt worden bist; denn wie stellst Du Dir das nun noch vor mit einer Auseinandersetzung über die Wiederbewaffnungsfrage? Kannst Du mich nicht mal kurz informieren, evt. telefonisch unter „Wiesbaden 2 56 66? - Ich werde voraussichtlich am kommenden Samstag im Spätnachmittag und am Abend hier sein.

Mit herzlichen Grüßen

und in großer Sorge,

Dein

Martin Niemöller

Fußnoten

1

Druckvorlage: Unterschriebene Ausfertigung in NL Heinemann/32. Briefkopf: „Kirchenpräsident D. Martin Niemöller". - Auszugsweise gedruckt bei Koch S. 174.

2

Angesprochen ist der Erlaß der Bundesregierung über die „Politische Betätigung von Angehörigen des öffentlichen Dienstes gegen die demokratische Staatsordnung" vom 19. Sept. 1950 (GMBl. S. 93). - Vgl. dazu Kabinettsprotokolle Bd. 2 S. 702 f. (97. Sitzung am 19. Sept. 1950 TOP 5).

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