4.84 (k1950k): Dokument Nr. 84

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Titelblatt: Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung 1950Portrait Walter StraußPortrait Hans LukaschekSchreiben Adenauers zur Entlassung von Heinemann.Portrait: Robert Lehr

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Dokument Nr. 84

14. November 1950

Notiz 1 für Herrn Bundeskanzler

Die Besprechung mit Herrn Präses Held kann in dieser Woche nicht stattfinden, da im Rheinland die Landessynode stattfindet.

Herr Minister Lehr macht mich darauf aufmerksam, daß die rheinische Kirchenleitung im Falle Heinemann noch immer eine sehr zweifelhafte Stellung einnimmt 2. Herrn Minister Lehr nimmt man dort z. B. übel, daß er erklärt habe, er wolle sein Amt als Innenminister im Sinn und Geist der Bergpredigt führen. Aus dieser Äußerung werden etwa die gleichen Schlußfolgerungen gezogen, wie aus Ihren Worten: „Der Staat müsse das Christentum verteidigen". Herr Pastor Rehling 3, Ehemann von Frau Abg. Rehling, hat mit dem abschriftlich beigefügten Schreiben Herrn Minister Lehr auf die angeblichen theologischen Bedenken, die die rheinische Kirchenleitung empfindet, hingewiesen 4. Soweit ich diese Ausführungen verstehe, verweigert man jedem Staatsmann das Recht, sich irgendwie zur Begründung seiner Politik auf christliche Grundsätze zu beziehen. Daß allerdings die Herren Heinemann und Niemöller von der Kirche her in die Politik einzugreifen versuchen, wird offenbar nicht übel genommen.

Fußnoten

1

Druckvorlage: Ungezeichnete Ausfertigung in NL Adenauer/12.07.

2

Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland tagte vom 12. bis 18. Nov. 1950 in Velbert. In dem „Wort der Rheinischen Landessynode zum Frieden und zur Wiederaufrüstung" war u. a. ausgeführt: „Wir haben bis zur Stunde keinen wirklichen Frieden. Darum hat für uns Deutsche vor allen Rüstungsfragen in Ost und West die Wiederherstellung des Friedenszustandes mit unseren ehemaligen Kriegsgegnern und die Wiederaufrichtung der Einheit Deutschlands zu stehen ... Die Frage, vor die wir durch die Aufrüstung gestellt sind, ist so schwer, daß keine politische Entscheidung über sie gefällt werden darf, von deren Notwendigkeit das Volk nicht überzeugt ist ..." (Kirchliches Jahrbuch 1950 S. 224 f.).

3

Kurt Rehling. - Pfarrer in Hagen, später Superintendent.

4

Abschrift des Schreibens vom 6. Nov. 1950 in NL Adenauer/12.07.

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