2.64.4 (k1955k): D. Empfang des sowjetischen Botschafters

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Die Kabinettsprotokolle der Bundesregierung. Band 8. 1955Theodor Heuss und Franz-Josef StraußBundestagspräsident Eugen Gerstenmaier vereidigt Hans-Joachim von MerkatzPlakat: Wir wollen ein ehrliches Europa. CDU SaarBundesverteidigungsminister Blank, die Generäle Adolf Heusinger und Hans Speidel

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[D. Empfang des sowjetischen Botschafters]

Der Bundeskanzler hält es für wenig glücklich, daß Botschafter Sorin nicht durch den Protokollchef Dr. Mohr persönlich empfangen worden sei 14. Die Tatsache, daß Dr. Mohr sich durch Frau Pappritz habe vertreten lassen, könne von russischer Seite als Nadelstich empfunden werden 15. Auf die Bemerkung von Staatssekretär Prof. Dr. Hallstein, daß es protokollarisch durchaus üblich sei, bei Abwesenheit des Protokollchefs den Stellvertretenden Protokollchef zu entsenden, bemerkt der Bundeskanzler, daß der vorliegende Fall besonders zu beurteilen wäre und daß man sich daher auch anders hätte verhalten müssen. Dieser Fehler des Auswärtigen Amtes werde auch nicht dadurch gemildert, daß der Länderchef des Auswärtigen Amtes, Ministerialdirigent von Welck, an dem Empfang des Russischen Botschafters teilgenommen habe 16.

14

Vgl. 108. Sitzung am 30. Nov. 1955 TOP A (Außenpolitische Lage). - Dr. Ernst-Günther Mohr (1904-1991). 1929-1945 im auswärtigen Dienst; 1947-1949 stellvertretender Abteilungsleiter im Deutschen Büro für Friedensfragen, 1949 Bundeskanzleramt, 1955-1958 Protokollchef des AA, 1958-1963 Botschafter in Bern und 1963-1969 in Buenos Aires.

15

Sorin war nach Erteilung des Agréments am 24. Nov. 1955 am 20. Dez. 1955 in Bonn eingetroffen. - Bereits in einem Vorbereitungsgespräch hatte Mohr dem Leiter des sowjetischen Vorauskommandos mitgeteilt, daß er Sorin nicht persönlich empfangen könnte, da er an diesem Tag von Brentano in Paris abholen und zu einem Empfang nach Rom begleiten müsse (Gesprächsvermerk vom 16. Dez. 1955 in AA B 12/476). - Fortgang 111. Sitzung am 4. Jan. 1956 TOP C.

16

Vgl. dazu den Vermerk von Welcks vom 27. Dez. 1955 (ebenda).

Der Vizekanzler stellt in diesem Zusammenhang die Frage, wann nunmehr mit der Ernennung eines Deutschen Botschafters in Moskau gerechnet werden könne. Der Bundeskanzler teilt dem Kabinett mit, daß er von sich aus den bisherigen Botschafter in Ankara, Dr. Haas 17, für diesen Posten in Vorschlag bringen wolle. Er habe aus Gesprächen mit Dr. Haas den Eindruck gewonnen, daß dieser für die Moskauer Atmosphäre besonders geeignet sei. Der Bundesminister des Innern hält den Vorschlag des Bundeskanzlers für sehr erwägenswert. Man könne zunächst abwarten, wie sich Dr. Haas dort entwickele und brauche die Besetzung noch nicht als Dauerlösung anzusehen. Auch die übrigen Kabinettsmitglieder machen keine grundsätzlichen Bedenken gegen den Vorschlag des Bundeskanzlers geltend und sprechen sich übereinstimmend für eine möglichst rasche Besetzung des Moskauer Postens aus. Der Bundeskanzler bittet Staatssekretär Prof. Dr. Hallstein, die Auffassung des Kabinetts dem Bundesminister des Auswärtigen vorzutragen und - wenn dieser keine Bedenken gegen den Vorschlag habe - die Besetzung möglichst rasch durchzuführen 18.

17

Dr. Wilhelm Haas (1896-1981). 1922-1937 im auswärtigen Dienst, 1934-1937 Handelsattaché in Tokio, 1937 Zwangspensionierung wegen seiner jüdischen Frau; 1937-1945 Vertreter der IG-Farben in Peking; 1947-1949 Leiter der Präsidialkanzlei des Bremer Senats; seit 1949 wieder im auswärtigen Dienst, 1950-1951 Leiter der Personalabteilung des AA, 1952-1956 Botschafter in Ankara, 1956-1958 in Moskau und 1958-1961 in Tokio.

18

Mit Schreiben vom 22. Dez. 1955 wies das AA den Pariser Botschafter von Maltzan an, seine sowjetischen Gesprächspartner um das Agrément für Haas zu bitten (AA VS/6141). - Fortgang 117. Sitzung am 1. Febr. 1956 TOP C.

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